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Kopfsteinpflaster oder Asphalt? : Straßenbau: Flensburg will zurück in die Steinzeit

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neue Leitlinien sollen die alte Pflasterstraße schützen. Mindestens 14 innerstädtische Fahrbahnen sollen vom Asphalt befreit werden.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2015 | 12:00 Uhr

Flensburg | Flensburg möchte in den nächsten Jahren wieder ein Stückchen näher an die Steinzeit heranrücken. Claudia Takla Zehrfeld vom Fachbereich Stadtplanung präsentierte im letzten Planungsausschuss die Leitlinien, nach denen in Flensburg künftig gehandelt werden soll, wenn es beim Straßenbau um die Frage geht: Pflaster oder nicht? Nach dem Planungsausschuss segnete am Donnerstag auch der Finanzausschuss das neue Konzept mit großer Mehrheit ab.

Kontroverse Debatten zwischen der Stadt und erbosten Bürgern anlässlich von Straßensanierungen in Wrangel- und in der Marienstraße hatten 2013 den Anstoß gegeben. In beiden Fällen hatte – aus Lärmschutzgründen – das TBZ die historische Pflasterung der Straßen teilweise mit Asphalt versiegelt. Die CDU-Ratsfraktion hatte nach einer Bürgerbefragung im Planungsausschuss mit Mehrheit der anderen Fraktionen den Fachbereich Entwicklung und Innovation beauftragt, für künftige Fragestellungen dieser Art eine Richtlinie zu entwickeln.

Takla Zehrfeld präsentierte das Ergebnis einer Analyse, die Flensburgs Straßen in Bezug zu Stadtlandschaft, Stadtbauten, Infrastruktur und historisches Umfeld bringt. Künftig sind drei Kategorien zu beachten: In der Kategorie 1 sind das Straßenzüge, die unbedingt in Naturstein erhalten werden sollen, beziehungsweise bei der nächsten Gelegenheit – etwa im Zuge der Kanalsanierung – in Pflasterung hergestellt werden müssen. In dieser Kategorie befinden sich 96 Straßen, davon sind 82 bereits vollständig gepflastert. Unter den 14 Kandidaten für einen Natursteinbelag sind unter anderem Turnerberg, Teichstraße, Segelmacherstraße, Reepschlägerbahn und Museumsberg. In dieser Kategorie ist die Herstellung für das TBZ zwingend. Anders verhält es sich für die Straßen/Plätze, in den Kategorien 2 (innerstädtisch) und 3 (außerhalb des innerstädtischen Straßennetzes), in denen die Gestaltungsfrage fallbezogen entschieden werden muss. Auf der anderen Seite gibt es auch Pflasterstraßen, die nach Ansicht der Stadtplanung auch eine Asphaltdecke bekommen und als Pflaster-Lieferanten fungieren könnten – etwa die Bahnhofsstraße, Harniskai, Ballastkai, Sandberg oder die Werftstraße.

Bekanntermaßen gab es Zeiten in Deutschland, in denen Asphalt als der letzte Schrei galt. Planungschef Peter Schroeders rechtfertigte die Rückbesinnung auf Baumaterialien vergangener Jahrhunderte mit den Zielen des Stadtmarketing. Pflasterung im Zusammenspiel mit historischen Bauten sei eine Qualität, die Städte wie Lüneburg, Sonderburg, Aarhus und Kopenhagen schon lange realisiert hätten. „In verödete Stadtlandschaften will niemand hin“, so Schroeders. Auch der Oberbürgermeister warb wärmstens fürs Pflaster. „Ein ganz wichtiges Thema für unser einzigartiges Stadtbild“, meinte Simon Faber. Zuvor hatte Gabi Ritter (Linkspartei) das Projekt als viel zu teuer kritisiert. „So pflastern wir die Stadt mit Gold. Das Geld brauchen wir woanders.“ Die Kosten liegen tatsächlich 10 bis 30 Prozent über denen einer asphaltierten Piste, räumte auch Schroeders ein. Dafür halte Naturstein aber auch mindestens doppelt so lange. Andere befürchtete Nebenwirkungen – Lärm, Barrierefreiheit, Rutschgefahr – könnte durch bautechnische Maßnahmen reduziert werden. Nachdem auch Ekkehard Krüger vom Seniorenbeirat seinen Segen (Gut, dass die Zerstörung endet) gegeben hatte, war eine positive Abstimmung nur noch Formsache.

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