zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 19:49 Uhr

Strandbistro im Gegenwind

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bauvorhaben in Sandwig erntet kritische Stimmen während der Einwohnerversammlung Glücksburg / Fördeland-Therme erneut Thema

shz.de von
erstellt am 20.Mär.2015 | 14:38 Uhr

Drei Möglichkeiten gibt es: die Fördeland-Therme schließen, selbst weiterführen oder vergeben. Alle drei erläuterte Bürgermeisterin Kristina Franke den Glücksburgern während der Einwohnerversammlung in der Rudehalle. „Für mich stellt sich die Frage der Schließung nicht“, sagte die Verwaltungschefin klipp und klar und erntete deutlichen Beifall aus den Reihen der 102 Anwesenden.

Finanziell lohne sich die Schließung nicht, da Schulden mit 400  000 Euro jährlich weiter abgetragen, die Fördermittel (470  000 Euro jährlich) und zudem 2  240  000 Euro Vorsteuern zurückgezahlt werden müssten. Wolle die Stadt das Bad selbst weiterführen, wäre eine Attraktivierung nötig. Der Vorteil dieser Möglichkeit: Die Stadt sei dann „Herr des Verfahrens“. Bei einer Vergabe der Therme an einen professionellen Betreiber bleibe die Kreditbelastung bei der Stadt. Und wenn die Gewinnerwartungen des Betreibers nicht erfüllt würden, „was kriegt die Stadt nach drei Jahren zurück?“. Franke erinnerte an die negativen Erfahrungen mit Wolfgang Tober (2010 - 2012 Campusbad Flensburg) und Uwe Deyle (2007 - 2009 Fördelandtherme).

Ein Gutachten der Unternehmensberatung GLC – Franke: „Es ist ja gar nicht so geheim, wie immer gesagt wird“ – habe festgestellt, dass die Therme immer ein Minus von 500  000 Euro im Jahr machen werde. Das Gutachten ist der Presse nicht zur Verfügung gestellt worden. „Nein, das gibt es nicht für die Öffentlichkeit“, teilte Kristina Franke erst gestern auf erneute Nachfrage unserer Zeitung mit. Es handele sich um ein internes Arbeitspapier. Die Kosten des Gutachtens von 30  000 Euro sorgten im Publikum für erstauntes Raunen. Am Ende bat Franke: „Sie können uns unterstützen; gehen Sie doch einfach mal wieder baden.“ Eine besondere Möglichkeit besteht vom 28. bis 29. März. Dann hat die Therme durchgehend geöffnet. Anlass ist das achtjährige Bestehen des Bades. Um Mitternacht wird die Geburtstagstorte angeschnitten.

Den meisten Gesprächsbedarf hatten die Einwohner bei dem Bauvorhaben auf dem Strand in Sandwig, dass Manfred Demuth von Pro Regione erläuterte. Das Strandhotel will sein Strandbistro erweitern und stieß mit seinen Größenvorstellungen bei einigen Anwesenden auf Unverständnis. Dann reiche die Terrasse an die Wasserkante, stellte jemand fest, ob die denn wirklich 400 Quadratmeter große werde? Der Strand sei mit Steuermitteln aufgeschüttet worden, werde aber nun von einem Privatinvestor bebaut, bemerkte ein anderer. Das sei ausschließlich eine politische Frage, verwies Demuth an die Zuständigkeit der Politik. Das rief Marcus Dechange, Fraktionsvorsitzender des SSW, auf den Plan. Seine Fraktion hatte sich nach einer Begehung 2014 gegen das Vorhaben ausgesprochen. Dechange bezweifelte, dass die im Plan ausgewiesene Wasserlinie mit der tatsächlichen übereinstimme: „Dort, wo ein Entwässerungsrohr frei liegt, kann nicht die normale Grenze sein.“ Strandhotel-Direktor Markus Schiller befremdete die Rücknahme der bei der Begehung durch den SSW ausgesprochene Zusage.

Jemand anders bemängelte: Es sei hanebüchen, dass Ortsvertreter bei der Begehung nicht erkannt hätten, dass der Saum bis zu zwölf Meter ins Land gewandert sei. Planer Demuth berichtete, er habe sich damals mit dem Vermesser auf die im Katasteramt eingetragene Null-Meter-Linie als Richtlinie geeinigt und fügte hinzu: „Der Strand verschwindet Richtung Schwennau“, das sei das Schicksal aller künstlichen Strände. Werner Kiwitt (Bündnis 90/ Die Grünen) folgerte: Wenn der Strand erhalten bleiben sollte, müsse in fünf bis zehn Jahren erneut vorgespült werden.

Für die Asylbewerber sprachen der ehrenamtliche Flüchtlingslotse Johann Meerbach und der Ordnungsamtsmitarbeiter Sebastian Dressel. Derzeit seien Glücksburg 32 Flüchtlinge zugewiesen, für die Dressel innerhalb einer Woche Unterkünfte finden muss. Meerbach berichtete von den Bedürfnissen und der Dankbarkeit der Menschen und warb um mehr Flüchtlingslotsen, Sach- und Geldspenden. Kleine Haushaltsgeräte nimmt Sebastian Dressel im Rathaus an: Wer Möbel spenden möchte, erreicht den Verwaltungsmitarbeiter mit Tel. 04631-451319.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen