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Stoff für das Brautkleid in Dänemark besorgt

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erstellt am 13.Mai.2013 | 10:02 Uhr

Grosssolt | "Am Anfang verspürten wir nur Zuneigung." Eigentlich sprach nichts dafür, dass sich aus der ersten Begegnung von Anne-Marie Möller und Johann Schade eine längere Bekanntschaft, gar eine Ehe entwickeln könnte - doch am heutigen Tage ist das Paar aus Großsoltholz bereits seit 65 Jahren verheiratet.

Der aus Saterland in Niedersachen stammende junge Soldat war 1944 so weit genesen, dass er das Flensburger Lazarett zu einem Wochenendeinsatz in der Landwirtschaft verlassen konnte. Er landete bei Familie Möller in Holming (Havetoft). Beim Kennenlernen 1944 waren er 16 und sie 19 Jahre alt. Doch Johann musste zurück in den aktiven Kriegsdienst, fortan gab es einen regen Briefwechsel. Anne kam in Stellung auf einen Bauernhof. Bei Kriegsende geriet Johann in englische Gefangenschaft. In dieser harten Zeit riss der Briefkontakt ab, aber Anne fasste sich schließlich Anfang 1947 ein Herz und schrieb Johann, lud ihn zum Kostümball ein. Beschwingt machte sich der aus der Gefangenschaft Zurückgekehrte auf den Weg. In Holming sah er Anne nach drei Jahren wieder. Noch bevor er wieder abreisen musste, wurde an Annes 21. Geburtstag Verlobung gefeiert.

Im Sommer stellte sie sich Johanns Familie vor. Ein Leben dort konnte sich Anne aber kaum vorstellen. Ihre Mutter organisierte kurzerhand in Flensburg eine Arbeitsstelle für den jungen Niedersachsen - und in Dänemark Stoff für ein Brautkleid. Am 13. Mai 1948 wurde geheiratet. Für Anne und Johann wurde ein Zimmer im Elternhaus geräumt. Nachdem die ersten Ersparnisse zusammengetragen waren, pachteten sie im Großsolter Heidefeld ein altes Anwesen mit viel Fläche für Gemüse- und Kartoffelanbau. Der Erlös von selbst gemästeten Schweinen wurde in den Hauskauf und die Renovierung investiert. Die beiden ältesten Söhne halfen nicht nur beim Umbau, sie übernahmen etliche Aufgaben, als Johann 1967 einen schweren Verkehrsunfall erlitt. Monate lang war unklar, inwieweit er wieder auf die Beine kommen würde. Eine Heilung gelang, doch körperliche Einschränkungen waren die Folge. Er war glücklich über eine leichte Tätigkeit als Tankwart bei der Bundeswehr. Anne war zu Hause emsig, mit drei Söhnen, Garten und Getier.

Beide wohnen noch heute im Heidefeld, mit der Familie des jüngsten Sohnes. Johann fährt noch täglich mit seinem Aufsitzmäher über das Grundstück, das zum Park umgestaltet wurde. Die Eiserne Hochzeit wird heute mit Gottesdienst und der großen Familie gefeiert.

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