Stippvisite eines Preußen-Königs

Das Schloss mit der gesetzten Flagge des Hauses Glücksburg.
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Das Schloss mit der gesetzten Flagge des Hauses Glücksburg.

1868 macht Wilhelm I., König von Preußen, in Flensburg Station / Ein Ausflug führt den Monarchen ins Wasserschloss Glücksburg

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30. Januar 2015, 19:50 Uhr

„König Wilhelm I. war kurz hier im Schloss“, bestätigt Elisabeth Prinzessin zu Ysenburg und Büdingen den Besuch des Monarchen im Glücksburger Haus. Der Preußen-König besichtigte am 16. September 1868 den herrschaftlichen Wasserbau. Der hatte vier Jahre zuvor, während des Kriegs zwischen Preußen-Österreich und Dänemark, als Lazarett gedient und stand seitdem leer. Der König sei vorbeigekommen, weil über die Zukunft des Schlosses, genauer gesagt dessen Verbleib entschieden werden sollte, erklärt die Prinzessin. Elisabeth (69) ist die älteste von vier Töchtern von Friedrich Ferdinand Prinz zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg und Anastasia Herzogin zu Mecklenburg. Die Prinzessin wuchs in Glücksburg auf und lebt seit 2000 wieder auf dem Anwesen. Chef des Hauses zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg sei ihr Vetter, Christoph Prinz zu Schleswig-Holstein.

Historische Quellen belegen die Stippvisite des Königs von Preußen am 16. September 1868 in Glücksburg und dem Schloss. Der in regionaler Geschichte bewanderte Glücksburger Berthold Hamer fasst zusammen: Nach der Einverleibung der Herzogtümer in Preußen besuchte König Wilhelm (1797-1888) im September 1868 die neue preußische Provinz Schleswig-Holstein. Von Kiel über Rendsburg kam er mit dem Sonderzug am 15. September abends in Flensburg an. Die beiden voll programmierten Besuchstage in Flensburg müssen für den 71-jährigen Monarchen eine Strapaze gewesen sein: Jubelnde Menschenmassen, allerorten Huldigungen, lange Reden, laute Militärmusik und abends das viele Essen. Da mag der Nachmittags-Ausflug, über Wees und Rothenhaus, zur Schlossbesichtigung nach Glücksburg für Majestät erholsam gewesen sein: Nur mit kleinem Gefolge, einem Willkommensgruß und Käsebrot. Kein Volksfest. Und obwohl nur wenige Glücksburger sich am Mittwochnachmittag die Zeit nahmen, den König aus Berlin zu besehen, berichteten die Flensburger Nachrichten:

„Auch unser Ort hatte sich für die Ankunft des Königs festlich geschmückt; es waren drei Ehrenpforten, die eine bei Ruhethal, die zweite vor dem Eingang des Fleckens, die dritte bei der Auffahrt zum Schlosse errichtet, außerdem sah man Fahnen und Blumenschmuck in reichem Maße. Am 16. 3 Uhr traf der König ein, bei der zweiten Ehrenpforte hielt Herr Pastor Vogel eine kurze Anrede, welche der Monarch huldvoll erwiderte. Auf dem Schlosse hatten sich einige Bauermädchen versammelt, um dem Landesvater Butter, Brod, Käse und Früchte als Erzeugnisse Angelns darzubringen. Se. Maj. dankte huldvoll und versprach die bescheidenen Gaben als Erzeugniß der neuen Provinz mit in die Heimath zu nehmen. Der ganze Aufenthalt im Orte und auf dem Schlosse dauerte nur eine kleine Stunde.“ Abends musste man wieder in Flensburg sein, wo um 6 Uhr ein Diner mit 100 Personen in der „Harmonie“ und danach ein Besuch in „Nölcks Tivoli“ für den König auf dem Programm standen.

„Allerhöchstderselbe“ hatte die Besichtigung des Schlosses Glücksburg gewünscht, das ihm seit Anfang des Jahres als Staatsdomäne zur ausschließlichen Nutzung vorbehalten war. Schlosskastellan Carl August Speerschneider (1809-1881), der schon seit 1853 auf Glücksburg in gleicher Position Friedrich VII. König von Dänemark gedient hatte, führte den neuen Hausherrn durch die Räume. Im Kriegsjahr 1864 war das Schloss Feldlazarett für dänische und preußische Soldaten gewesen, dann unbewohnt geblieben.

Die Besichtigung des Hauses, das heute Sitz der Stiftung Schloss Glücksburg und Museum ist, ergab, dass der König kein persönliches Interesse mehr an der für ihn neuen Immobilie verfolgte. Da auch das Kriegsministerium keine Verwendung als Kaserne oder Kadettenanstalt sah, übertrug König Wilhelm I. durch „Allerhöchsten Erlaß“ 1869 dem Herzoghaus ihr Eigentum Schloss Glücksburg zur Nutzung und Wohnung. 1871 zog Herzog Karl mit seiner Frau Wilhelmine wieder ein, die heute noch bestehende und dem Hause Glücksburg verbundene Friedrichsgarde begrüßte die Familie. Kastellan Speerschneider ging in Pension und König Wilhelm wurde Deutscher Kaiser.


Quelle: Flensburger Nachrichten vom 22. September 1868.


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