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Flensburger Tageblatt

12. Dezember 2017 | 06:10 Uhr

Stimme und Gitarre in perfektem Zusammenspiel

vom

Duo "Karasol" verzaubert das Publikum im ausverkauften Rum-Hof an der Marienstraße

shz.de von
erstellt am 16.Aug.2013 | 03:09 Uhr

Flensburg | Wer im vorderen Teil des kleinen Hofes saß, konnte Karolina Trybala anfangs nur hören, aber nicht sehen. Wie eine Erscheinung aus einer anderen Zeit kam sie Polnisch singend um die Ecke, dabei erzeugte sie schwebende Töne mit einer kleinen hölzernen Quetschkommode - ein tolles Intro für ein sehr lauschiges und intimes, aber auch hochklassiges Musikerlebnis in einem voll gepackten Hof der Marienburg, wo das Rumhaus Johannsen zu Hause ist.

Ganz stimmungsvoll mit Eichendorffs "Mondnacht" hatte Mareike Hölker vom Kulturbüro die Besucher begrüßt. Der letzte Schauer war respektvoll deutlich vor Konzertbeginn des Duos "Karasol" nieder gegangen. "Öffnen Sie Ihre Sinne für uns", bat Karolina Trybala zu Beginn, nachdem Gitarrist Silvio Schneider den Zaungästen auf dem Balkon des Nachbarhauses die Ehre erwiesen hatte.

"Karasol" ist ein Paradebeispiel für Flensburger Hof-Kultur: ein hervorragender Gitarrist, eine wunderbare Sängerin, ein weltläufiges Programm zwischen Evergreens und Raritäten - und null Präsenz in irgendwelchen Charts, TV-Shows oder Pop-Postillen. Karolina Trybala und Silvio Schneider nahmen die 160 Besucher mit auf eine Reise in überwiegend warme Weltgefilde und fingen gleich mit einer glutheißen Wüste an: Duke Ellingtons "Caravan" mit einer Gesangsspur brachte zumindest die Stehplätze mal gehörig in Bewegung. Die Seele bewegte das kongeniale Duo dann eher mit einer Sting-Adaption: Nicht etwa "Fragile", wie man hätte erwarten können, sondern das weit weniger bekannte "Sister Moon" - und warum nicht mal mit einem portugiesischem Text?

Apropos Text: Es begann auf Polnisch, der Muttersprache der dunkelhaarigen Chanteuse mit dem kunstvoll unter einem breiten Tuch arrangierten Haar, und irgendwann hörte man auf, die Sprachen zu zählen, in denen sie sang. Sting hatten sie ins Programm genommen, weil sie hoffen, dass er im Sommer, wenn sie einen Workshop in der Toskana geben, mal eben vorbeischaut; er wohnt ja praktisch nebenan.

Karolina Trybala schafft es, ihre Zuhörer in die Songs und deren emotionale Stimmung hineinzuziehen, wenn sie mit beschwörender Stimme und ausladender Gestik in die Lieder einführt. Manch ein Zuhörer sog die Songs mit geschlossenen Augen auf, um kein Jota der in den Klängen eingeschlossenen Emotionen zu versäumen. Schneider und Trybala zauberten aus einem etwas abgenutzten Evergreen wie "Bei mir bist du schön" eine kleine Song-Preziose, indem sie diesen Klassiker auf seine wesentlichen Bestandteile reduzieren und das Tempo zurückfahren.

Silvio Schneider ist ein unglaublicher Gitarrist. Mit dem Daumen spielt er die Basslinie, mit den verbleibenden Fingern ein ebenso rhythmisches wie vertracktes Klangkunstwerk, das sich aber nie in den Vordergrund drängt, sondern perfekt zu Karolina Trybalas Gesang passt. In "El pais grande del sur", einer Reminiszenz an die berauschende Küstenlandschaft "Big Sur" zwischen Los Angeles und San Francisco, lässt er die Solo-Sau raus und zeigt sich hier auch als überzeugter Lyriker an der Gitarre.

Chick Coreas "Spain" leiteten die beiden mit einem Auszug des "Concerto de Aranjuez" ein. Später setzte sich die Sängerin mitten im Lied auf die Trommelkiste und stieg perkussiv in den Song ein. Ganz hinreißend kam Claudio Monteverdis "Si dolce è il tormento", natürlich perfekt auf Italienisch, und am Ende schlug sie zu dem südafrikanischen "Amaramalaya" eine irische Rahmentrommel. "Karasol" - ein Hofgenuss ohne Regenschauer.

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