Wohnmobile in Flensburg : Stellplatz fällt bei Touristen durch

Wohnmobil-Gäste am Industriehafen: Hans-Peter und Edith Peters sind mit Hund Angie aus dem Allgäu  gekommen und wünschen sich mehr Komfort auf dem Stellplatz.
Wohnmobil-Gäste am Industriehafen: Hans-Peter und Edith Peters sind mit Hund Angie aus dem Allgäu gekommen und wünschen sich mehr Komfort auf dem Stellplatz.

Wohnmobil-Gäste beklagen den mangelnden Service am Industriehafen und loben den Standort in direkter Nähe zur Flensburger Förde.

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23. Juli 2014, 08:00 Uhr

Sommerferien, perfektes Urlaubswetter: Da rücken Hafen und Strände fast automatisch in den Blick von Flensburgern und Feriengästen. Deshalb begibt sich das Tageblatt in seiner Sommerserie täglich „An die Wasserkante“. Heute: Bei den Wohnmobil-Touristen am Industriekai.

Von dem Schock haben sie sich schnell erholt. Mit freiem Oberkörper steht Hans-Peter Peters am Industriekai-Ufer, im Mund eine Pfeife. Daneben sitzt seine Frau Edith auf einem Camping-Stuhl. Eine Möwe kreischt. Ansonsten ist nichts zu hören. „Wir kommen sehr gern hierher“, sagt Hans-Peter Peters.

Dabei wollte der 68-jährige Allgäuer mit seiner ein Jahr jüngeren Gattin um diese Zeit ursprünglich gar nicht in Flensburg sein. „Aber auf dem Weg nach Gibraltar wurden wir kurz vor Barcelona ausgeraubt.“ Unbekannte stiegen in das Wohnmobil ein und stahlen einige Kleidungsstücke. Daher brach das Ehepaar seine Tour ab und fuhr mit dem vier Jahre alten chinesischen Faltenhund der Tochter, Angie, Richtung Heimat. „Der Schaden musste repariert, der Versicherung gemeldet werden.“

Wegen dieses Zwischenfalls die Reise vorzeitig beenden? Das kam für das Paar nicht infrage. „Uns zieht es ans Wasser, damit sind wir groß geworden“, berichtet Hans-Peter Peters, ein gebürtiger Lübecker. Seine Frau stammt aus Flensburg. Hier kamen die beiden am Sonntag an. „Da standen hier schon zahlreiche Wohnmobile, deshalb waren wir zunächst auf der Exe.“

Seit Dienstag haben die Peters ihr Wohnmobil nun in unmittelbarer Nähe des Klärwerks stehen. Das sei nicht schlimm. Probleme sehen sie an anderer Stelle. „Die Infrastruktur für Wohnmobile hier ist gleich null.“ Keine Sanitäranlagen, kein Kiosk, keine Bademöglichkeit – die unbefestigte Fläche erinnert mehr an brachliegendes Bauland. Dem stimmt Carsten Vehrs zu. „Wenigstens kostet das Parken nichts“, sagt der Cuxhavener Tourist. „Es könnte schon ein wenig schöner sein, aber für eine Nacht ist es in Ordnung.“

Deutlich länger will Ehepaar Peters dort ihr Lager aufschlagen. „Am Freitag fahren wir weiter zu Verwandten nach Dänemark und kommen auf dem Rückweg noch einmal hier her“, berichtet Edith Peters. Sie und ihr Mann, der als Soldat in der Grenzland-Kaserne und in Weiche stationiert war, sind ein Stück weit erschrocken über die Entwicklung der Stadt. „Als wir vor 40 Jahren Flensburg verließen, sah es in der Stadt noch sauberer aus, und es gab weniger leerstehende Geschäfte.“ Die Armut habe ihres Empfindens nach zugenommen.

Arm ist auch die Stadt. „Insofern kann ich nachvollziehen, dass noch kein Wohnmobil-Platz geschaffen wurde, der modernen Ansprüchen genügt“, sagt Hans-Peter Peters. Er hofft daher auf einen privaten Investor.

Den gibt es mit Marcus Petermann bereits. Petermann will in Bahnhofsnähe einen Stellplatz für bis zu 60 Wohnmobile errichten (wir berichteten). Von dem Standort hält Ehepaar Peters nicht viel. „Da fehlt eindeutig das Wasser, das zieht doch die Leute an.“

Und die seien sicherlich bereit, für einen vernünftigen Stellplatz Geld zu bezahlen. „Wenn es hier einen Stromanschluss, eine Entsorgungsstation für Müll und Schmutzwasser, dazu Frischwasser gäbe, dann wäre das ein Traum.“ Andernorts sei das Standard – etwa in Lüneburg, Eckernförde und Kappeln. „Dort haben wir auf dem Weg nach Flensburg Halt gemacht“, sagt Edith Peters. „Da werden Stellplatzgebühren erhoben, aber die zehn, zwölf Euro pro Tag zahlen wir dann gern.“

Offenbar kein Einzelfall, wie Bernd Neumann bestätigt. Der Tornescher hat in Sonwik ein Segelboot gemietet, auf dem er derzeit auch wohnt. Über den Stellplatz am Industriehafen sagt er: „Hier würde ich mit meinem Wohnmobil nicht stehen wollen.“ So eng sieht das Ehepaar Peters die Lage nicht. Hans-Peter Peters hat sich inzwischen auf einen Stuhl neben seine Frau und blickt Richtung Förde. „Eine Tourismus-Stadt wie Flensburg braucht dringend einen guten Wohnmobil-Stellplatz.“

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