Denkmal : Stein-Skulptur vor der Polizeidirektion

Denkmal an historischem Ort: Anke Spoorendonk (links), Clemens M. Strugalla und Swetlana Krätzschmar weihten es am Sonntag ein.
Denkmal an historischem Ort: Anke Spoorendonk (links), Clemens M. Strugalla und Swetlana Krätzschmar weihten es am Sonntag ein.

Feierliche Einweihung eines 2,35 Meter hohen Denkmals, das an die Nazi-Verbrechen erinnern soll. Anke Spoorendonk spricht von besonderer Bedeutung für Flensburg

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02. September 2013, 16:52 Uhr

Der Termin für die Einweihung dieses Denkmals war wohlbedacht auf den gestrigen 1. September gelegt worden, jenen Tag, an dem vor 74 Jahren Nazi-Deutschland mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg entfesselt hatte. Ihren Platz fand die 2,35 Meter hohe Skulptur, die an die Verfolgten des nationalsozialistischen Terrorregimes erinnern soll, auf einer Freifläche an der Zob-Kreuzung – und damit demonstrativ in unmittelbarer Nachbarschaft zur ehemaligen Reichspost, von der aus über den Reichssender Flensburg in den ersten Mai-Tagen 1945 die letzten Verlautbarungen der Regierung des Hitler-Nachfolgers Dönitz verbreitet wurden, und zum Gebäude der heutigen Polizeidirektion, in dem seinerzeit die berüchtigte Gestapo ihren Sitz hatte.

Von dieser Steinskulptur soll neben dem Erinnern und Gedenken an die NS-Opfer auch die Botschaft ausgehen, dass sich derartige Menschheitsverbrechen niemals wiederholen dürften, sagte Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar in ihren Begrüßungsworten und appellierte an die Gesellschaft, sich für gegenseitiges Verständnis, für Respekt und Toleranz einzusetzen. Kulturministerin Anke Spoorendonk verwies auf die Bedeutung, die das Mahnmal gerade für Flensburg habe: „In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges agierte von Flensburg aus das geschäftsführende Kabinett unter Dönitz, und es war der Flensburger Reichssender des Großdeutschen Rundfunks, über die sich die NS-Regierung zuletzt öffentlich äußerte.“

Von der SPD angestoßen, war die Idee von einem zentralen Denkmal für die NS-Opfer von allen Rathausfraktionen mitgetragen worden. Daraufhin hatte die Kunstkommission im Sommer 2010 den Bildhauer Clemens M. Strugalla in Weisel (Rhein-Lahn-Kreis) mit dem Projekt beauftragt, verbunden mit der Vorgabe, sich dabei an dem 1955 von Joseph Hebroni (1888 Jerusalem – 1963 Flensburg) geschaffenen Ton-Modell einer Prometheus-Skulptur zu orientieren. Wie Strugalla während der Übergabe des Denkmals an die Öffentlichkeit erläuterte, habe er dem leicht überlebensgroßen Prometheus drei weitere Figuren hinzugefügt, die den inhaltlichen Bezug sowohl zur Biographie des während der deutschen Besetzung in Paris als Jude verfolgten Hebroni als auch zum antiken Mythos verdeutlichen sollen. In Strugallas 9,5 Tonnen schwerer Großplastik versucht Prometheus den Stein zu umgreifen – aber seine Linke geht ins Leere. Die drei Figuren auf der entgegengesetzten Seite stellen bedrängte und sich gegen die Gewaltherrschaft auflehnende Menschen dar. In den Sockel aus Ziegelsteinen ist ein Bronzeschriftband eingelassen mit dem Text „Im Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“. Die Figurenkomposition hat der Bildhauer in monatelanger Arbeit aus einem Muschel-Kalkstein-Block herausgearbeitet, der aus einem Steinbruch im Kaukasus stammt. Die Kosten für das Denkmalprojekt belaufen sich auf etwa 120 000 Euro, finanziert durch die Stiftung Bildende Kunst der Stadt Flensburg.

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