Anschlussstelle Tarp : Stein-Anschläge auf A 7 bei Flensburg – Dänische Polizei will Kollegen in SH kontaktieren

200 Meter hinter der Brücke konnte der Fahrer den Wagen stoppen. Die Frontscheibe zersplitterte.

200 Meter hinter der Brücke konnte der Fahrer den Wagen stoppen. Die Frontscheibe zersplitterte.

An mehreren Stellen warfen am Dienstagabend Unbekannte nahe der dänischen Grenze große Steine von Autobahnbrücken.

shz.de von
09. Mai 2018, 15:53 Uhr

Flensburg | Angst und Schrecken am Dienstagabend auf der Autobahn 7 zwischen der dänischen Grenze und der Anschlussstelle Tarp. Zwischen 22 und 22.30 Uhr gingen in der Leitstelle der Polizei mehrere Notrufe ein. Anrufer berichteten, dass Unbekannte große Steine von Autobahnbrücken nahe der dänischen Grenze auf Höhe der Gemeinde Handewitt und wenige Kilometer weiter auf Höhe der Ortschaft Barderup auf fahrende Autos werfen.

Die Kriminalpolizei Flensburg ermittelt und hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung. Wer zur angegebenen Zeit auf der Strecke auffällige Personen oder Fahrzeuge gesehen hat, wird gebeten, sich unter der Nummer 0461 4840 an die Polizei Flensburg zu wenden.

Ein Großaufgebot der Polizei rückte aus, Rundfunkdurchsagen sollten Autofahrer warnen. Für eine 58-jährige Autofahrerin aus dem Kreisgebiet Schleswig-Flensburg kam die Warnung zu spät. Sie war mit ihrem BMW aus Dänemark kommend in Richtung Flensburg unterwegs, als ein großer Stein die Windschutzscheibe traf. Die Frontscheibe zersplitterte, die Fahrerin konnte ihren Wagen rund 200 Meter nach der Brücke stoppen. Der Stein wurde durch das Bremsmanöver in den Grünstreifen zwischen den beiden Richtungsfahrbahnen geschleudert.

Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr sichern den Stein mit einem Durchmesser von etwa 40 Zentimetern.
Benjamin Nolte

Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr sichern den Stein mit einem Durchmesser von etwa 40 Zentimetern.

 

Geworfen wurde der Stein mit rund 40 Zentimeter Durchmesser von der Autobahnbrücke zwischen Ellund und Gottrupel. Die Autofahrerin wurde bei dem Anschlag schwer verletzt. Sie wurde nach einer Erstversorgung durch den alarmierten Notarzt und eine Rettungswagenbesatzung in die Notaufnahme gebracht. Sie erlitt schwere Verletzungen, hatte offenbar aber großes Glück, dass sie den Anschlag überlebt hat. 

Bereits zuvor sollen um 22 Uhr von der Autobahnbrücke mehrere kleinere Steine nahe der Ortschaft Barderup auf die A7 geworfen worden sein. „Ein Lkw-Fahrer konnte mit seinem Fahrzeug ausweichen“, sagte Polizeisprecher Christian Kartheus. Der zweite Vorfall hat sich laut Polizei ein halbe Stunde später ereignet. Beide Anschlagsorte sollen in Zusammenhang miteinander stehen.

A 7 für vier Stunden voll gesperrt – kilometerlanger Rückstau

Mit diversen Streifenwagen aus der Region und etlichen zivilen Einsatzfahrzeugen fahndete die Polizei im Umfeld der Autobahnbrücken nach den Tätern. Noch am Abend sei ein Person befragt worden, bestätigte Kartheus: „Sie wurde wieder entlassen. Es gab keinen konkreten Tatverdacht.“ Zu den Hintergründen der Tat wollte die Polizei am Abend noch keine Angaben machen. Bei der Suche nach den Tätern und den Tatwerkzeugen wurde auch ein Diensthund der Polizeidirektion Flensburg eingesetzt.

Während der Rettungsarbeiten, der Fahndung und der Spurensicherung musste die Autobahn 7 zwischen der dänischen Grenze und der Anschlussstelle Flensburg/Harrislee für vier Stunden voll gesperrt werden. Es bildete sich ein kilometerlanger Rückstau bei der Einreise nach Deutschland. 

Gegen 2.30 Uhr konnte die Sperrung der Autobahn aufgehoben werden.

Parallelen zu einem anderen Fall von 2016

Jetzt will die Polizei von der dänischen Insel Fünen den Kontakt mit den schleswig-holsteinischen Kollegen aufnehmen – denn 2016 hat es in der Nähe von Odense einen ganz ähnlichen Vorfall gegeben. Damals wurde eine deutsche Urlauberin in ihrem Auto durch den Steinwurf getötet.

Richardt Jakobsen von der Polizei von Fünen sagte der Nachrichtenagentur Ritzau am Mittwoch, dass es noch keinen Kontakt gegeben habe, dass dieses aber „ganz sicher“ passieren werde, „um zu hören, ob es einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen gibt“.

Der Fall von Odense beschäftigt Polizei und Medien in Dänemark noch immer. „Wir müssen noch vieles abarbeiten“, sagt Jakobsen, „und wir sind immer noch nicht weiter gekommen“. Die Ermittlungen im dänischen Fall hängen, so Jakobsen, von Hinweisen aus der Bevölkerung ab. Eine Dose Kautabak („snus“), die am Tatort gefunden wurde, und ein gräulicher Volvo 245 Kombi sind noch immer im Fokus der Beamten. Doch noch habe es den erhofften Durchbruch nicht gegeben, sagt Jakobsen

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