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Flensburger Wirtschaft : Steckhan & Peters insolvent – obwohl das Geschäft gut läuft

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wie die unendliche Geschichte eines Immobilienverkaufs Dietmar Pfeiffer zum Gang zum Amtsgericht zwingt.

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Gute Zahlen im operativen Logistikgeschäft, noch Ende September pünktlich gezahlte Löhne: Kann ein im Grunde kerngesundes Unternehmen gezwungen sein, vorsorglich Insolvenz anzumelden? Beim traditionsreichen Flensburger Logistikunternemen Steckhan & Peters, gegründet 1948, ist offenbar genau dies gestern passiert, als Firmenchef Dietmar Pfeiffer beim Amtsgericht Insolvenzantrag über das Vermögen der Steckhan & Peters Logistik GmbH gestellt hat: „Das Amtsgericht Flensburg hat Herrn Rechtsanwalt Peter A. Borchardt aus der Kanzlei Reimer Rechtsanwälte zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt“, teilte das Unternehmen von der Husumer Straße gestern mit. Nicht betroffen von diesem Insolvenzantrag seien die Firmen Nordland Transport und Logistik GmbH und Logistikzentrum Flensburg GmbH, „die das operative Kundengeschäft in gewohnter Weise abwickeln“. Mit insgesamt 125 der 170 Beschäftigten der Gruppe verantwortet Nordland das gesamte Geschäft auf der Straße sowie den Seeverkehr, das Logistikzentrum die komplette Dienstleistung in den Hallen an der Husumer Straße. Unter den 45 betroffenen Mitarbeitern in der Holding sind nach Angaben von Ragna John-Pfeiffer neben Finanzbuchhaltern, Controllern, dem Wach- und Reinigungspersonal auch alle 18 Azubis, denen sie die Weiterführung ihrer Lehre in jedem Fall bei den Tochtergesellschaften garantiere.

Der Insolvenzantrag sei notwendig geworden infolge rechtlicher Auseinandersetzungen um das Firmengrundstück Husumer Straße 200. Das Gebäude, von Steckhan & Peters um die Jahrtausendwende an einen Hamburger Investor verkauft, war später von einem britischen Rentenfonds übernommen worden, der mit 260 Immobilien irgendwann selbst in Schwierigkeiten geraten war.

Der Eigentümer und Vermieter der Immobilie Husumer Straße 200, eine mittlerweile insolvente Gesellschaft aus Düsseldorf, habe seit dem Kauf 2006 notwendige Sanierungsarbeiten nicht mehr ausgeführt, berichtet John-Pfeiffer weiter. Dabei geht es vor allem um das Dach der verschiedenen Hallengebäude: „Hierdurch entstanden bei den diversen Nutzern der Hallen große Schäden.“ In hohem Maße seien Reparaturarbeiten durch Steckhan übernommen und mit den Mieten verrechnet worden.

Um genau diese Kosten gebe es einen Rechtstreit in der zweiten Instanz vor dem Schleswiger Oberlandesgericht. „Die Bemühungen, einvernehmlich die Rechtsfragen zu klären und einen Vergleich zu erzielen, sind gescheitert.“

Damit ist die unendliche Geschichte um die Immobilie indes noch nicht zu Ende: Das Firmengebäude wurde unterdessen verkauft. „Mit dem neuen Grundstücksinhaber konnte eine Einigung erzielt werden, die bei dem Insolvenzverwalter leider nicht auf fruchtbaren Boden fiel“, so John-Pfeiffer. Trotz möglicher Zahlung in Millionenhöhe sei ein Gesamtvergleich letztlich gescheitet, sagt sie: „Der Insolvenzantrag ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Es gibt kein Liquiditätsproblem. Alle Rechnungen und Löhne sind bezahlt.“ Der gesamte Geschäftsbetrieb soll wie geplant weitergeführt werden.

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