Spedition : Steckhan-Gruppe kehrt Flensburg den Rücken

Trügerisches Bild: Die Steckhan-Gruppe ist aus dem Logistikzentrum an der Husumer Straße ausgezogen.
Trügerisches Bild: Die Steckhan-Gruppe ist aus dem Logistikzentrum an der Husumer Straße ausgezogen.

Umzug nach Harrislee und Handewitt – und Frode Laursen übernimmt das Logistikzentrum.

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02. Dezember 2014, 08:00 Uhr

Wachwechsel in einem der größten Logistikkomplexe Nordeuropas: Das dänische Speditionsunternehmen Frode Laursen hat nach dem Kauf der 63 000 Quadratmeter großen Lager- und Logistikimmobilie an der Husumer Straße gestern nun auch die Regie in der Anlage übernommen. „Intensive Versuche von uns, die Halle in der Husumer Straße über den Insolvenzverwalter zu kaufen, sind leider gescheitert, obwohl wir ein – wie wir meinen – stark überhöhtes Angebot angegeben hatten“, schreibt Steckhan & Peters-Marketingleiter Frank Thomasky in einem Brief an die Kunden.

So kehrt die traditionsreiche Speditionsgruppe, eine Flensburger Gründung von 1948, der Stadt den Rücken. Über die Steckhan & Peters Logistik GmbH, die Ende September mit 45 Mitarbeitern Insolvenz beantragt hatte, ist gestern das Insolvenzverfahren eröffnet worden, bestätigte Steckhan-Chefin Ragna John-Pfeiffer dem Tageblatt. Insgesamt arbeiteten in der Gruppe mit den beiden Tochterunternehmen Nordland Transport und Logistik GmbH und Logistikzentrum seinerzeit 170 Mitarbeiter. Nach einem Rechtsstreit mit dem insolventen Inhaber der Immobilie, einem britischen Immobilienfonds, war auch Steckhan in Turbulenzen geraten. Das Schleswiger Oberlandesgericht hatte die Mietnachzahlungen in zweiter Instanz auf 1,945 Millionen Euro festgesetzt. John-Pfeiffer berichtete, dass es nun auch einen Schlussstrich unter dem Rechtsstreit gebe. Die Insolvenzverwalter von Steckhan und des Fonds hätten die juristische Auseinandersetzung beigelegt.

„Wir haben fast alle Arbeitsplätze erhalten“, konnte John-Pfeiffer gestern immerhin verkünden. Den 70 bis 75 Mitarbeitern aus der Lagerlogistik des früheren Logistikzentrums werde eine Anstellung bei Frode Laursen angeboten. Komplett erhalten bleibe aus der Steckhan-Gruppe das Nordland-Team mit den meisten Fahrern und knapp 40 Mitarbeitern. Die 18 Azubis seien zwischen Steckhan und Frode Laursen aufgeteilt worden. Von den Kündigungen betroffen seien lediglich knapp zehn Mitarbeiter, darunter das Reinigungspersonal.

Keine Alternative für Carlsberg und Böklunder

Die Gewerbehallen nördlich der Husumer Straße, fast doppelt so groß wie der frühere Motorola-Komplex gegenüber, gelten als einer der größten Logistikkomplexe Schleswig-Holsteins und sind der logistische Schlüssel für große Teile des deutsch-dänischen Grenzhandels. Die beiden größten Kunden, Carlsberg und Böklunder, hätte die verkleinerte Steckhan & Peters-Gruppe gerne als Kunden behalten. „Das war leider in der Kürze der Zeit nicht möglich“, erklärte gestern Wireg-Chef Olaf Krüger: „Man hätte ja eine neue Halle bauen müssen.“ Für die Wirtschaft in der Region und den Grenzhandel sei besonders wichtig gewesen, dass die Halle nicht brach fällt, erklärte Krüger weiter.

Die geschrumpfte Steckhan-Gruppe mit ihren verbleibenden mehr als 70 Mitarbeitern stellt sich jetzt am Stadtrand von Flensburg neu auf – am Oxer in Harrislee und im Heideland-Ost in Jarplund-Weding. Hier übernimmt die Gruppe eine 6000 Quadratmeter große Logistikhalle von Trixie und will von hier aus den Stückgutumschlag sowie Nah-, Fern- und Linienverkehr organisieren. Am Oxer in Harrislee läuft die Logistik bislang über die Handelsfirma „Pfeiffer’s Forum“, zwei weitere Kunden sind über einen Standort an der Westerallee versorgt.

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