Handewitt : Stau-Kurve soll entschärft werden

Ein Nadelöhr ist die Zufahrt nach Handewitt. Manchmal reicht der Rückstau bis auf die A7.
Ein Nadelöhr ist die Zufahrt nach Handewitt. Manchmal reicht der Rückstau bis auf die A7.

Der Ausbau der B199 bei Handewitt auf vier Spuren kostet 5,2 Millionen Euro. Die Ortsumgehung liegt aber weiterhin auf Eis.

shz.de von
31. März 2017, 11:00 Uhr

Seit 1976 erinnern die scharfe Kurve und die Tempo-30-Schilder auf der Bundesstraße 199 bei der Autobahn-Abfahrt in Handewitt daran, dass die Verkehrsteilnehmer sich in diesem Bereich auf einem nicht vollendeten Straßenbau-Projekt bewegen. Der Straßenführung stammt aus einer Zeit, als der Bund eine Fernstraße quer durch Handewitt plante. Ab Mitte der 90er-Jahre wurde eine nördliche Ortsumgehung favorisiert, die allerdings bis heute auf die Verwirklichung wartet. Nun soll das „kurvige“ Dauer-Provisorium entschärft werden. Die Gemeinde und die WEG Flensburg-Handewitt, als Träger des dortigen Gewerbegebiets, streben binnen drei Jahren einen ersten Bauabschnitt an. Er sieht eine vierspurige Verkehrsführung auf 1,5 Kilometern vor.

Die geplante Handewitter Ortsumgehung, die nördlich des Einkaufszentrums „Scandinavian Park“ bis hinter den Ortsteil Unaften verlaufen soll, steht seit 2003 als „vordringlicher Bedarf“ im Bundesverkehrswegeplan. Eigentlich die höchste Stufe, getan hat sich dennoch nichts. Handewitts Bürgermeister Thomas Rasmussen, seit 2014 im Amt, hakte in den Ministerien nach. Die Erkenntnisse schmeckten ihm nicht. „Die Planungsunterlagen sind inzwischen zu alt, und andere Projekte in Schleswig-Holstein sind wichtiger“, hieß es. „In den nächsten zehn Jahren kommt die Ortsumgehung definitiv nicht, ob sie in 20 Jahren fertiggestellt sein wird, ist auch nicht garantiert“, so sein Fazit.

Das nervt den Bürgermeister. Er selbst kennt zu gut die Probleme, die gerade an Feiertagen, in der Urlaubszeit oder in der Rush-Hour dort auftreten. Rasmussen hat auch schon mal eine Stunde Stoßstange an Stoßstange auf der B199 gestanden. „Es gab dort schon mehrere Unfälle, die durch die Stausituation begünstigt waren“, berichtete der Bürgermeister in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung. Und manchmal reiche der Rückstau bis auf die Autobahn.

Seit anderthalb Jahren arbeitet er nun an einem Alternativkonzept. Ein Verkehrsgutachter ermittelte, dass im Tagesschnitt 21  600 Autos kurz vor Handewitt auf der zweispurigen Bundesstraße rollen. Am Grenzübergang Ellund sind es 5000 Fahrzeuge weniger – auf einer vierspurigen Autobahn. Für die Zeit bis 2030 werden laut Prognose weiter steigende Fahrzeugzahlen rund um Handewitt erwartet.

Die neue Lösung sieht wie folgt aus: Von der Autobahnabfahrt bis zur Kreuzung Ellunder Straße/Alter Kirchenweg sind durchgängig vier Spuren angedacht. Das scharfe „Provisorium“ wird durch einen weitläufigen Bogen ersetzt. Und bei der Einmündung der Lecker Chaussee wird ein „Turbo-Kreisel“ angelegt. So nennen Verkehrsexperten eine zweispurige Kreisverkehr-Variante. „Das ist nicht die fette Taube vom Dach, aber besser als der Spatz in der Hand“, meint Thomas Rasmussen. Die Ortsumgehung könnte später ohne Weiteres am „Turbo-Kreisel“ gen Norden fortgesetzt werden.

Derzeit geht man von Kosten in Höhe von 5,2 Millionen Euro aus. Der Bund trägt 4,4 Millionen Euro, der Kieler Staatssekretär Frank Nägele soll weitere 720  000 Euro aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz des Landes zugesichert haben. Den Rest wollen sich Flensburg und Handewitt teilen. „Das ist keine Riesensumme, wenn man sie auf jeden entstehenden Quadratmeter Gewerbefläche umlegt“, sagte CDU-Fraktionschef Marx Plagemann. Hintergrund: Für die Erschließung der geplanten südlichen WEG-Erweiterung ist ein Ausbau der Bundesstraße eine wichtige Voraussetzung.

Seitens der Kommunalpolitik erntete das vorgestellte Konzept einhellige Zustimmung. „Ich habe nicht mehr erwartet, dass noch etwas passiert“, sagte SPD-Mann Wolfgang Hennig. Helga Knaack (Grüne) fragte: „Warum ist Arthur Christiansen nicht schon auf diese Idee gekommen?“ Der heutige Schleswiger Verwaltungschef war von 2008 bis 2014 Bürgermeister in Handewitt gewesen.

Der nächste Schritt ist noch nicht ganz geklärt. Normalerweise wird der Ausbau von Bundesstraßen in Schleswig-Holstein mit einem Planfeststellungsverfahren von Kiel aus gesteuert. Beim Land sind aber keine Kapazitäten frei, sodass derzeit ein herkömmliches Bauleitverfahren möglich erscheint. Die Juristen prüfen, ob die WEG oder die Kommune Handewitt das Zepter führen soll. Helga Knaack hatte schon eine eindeutige Position. „Eine so wichtige Sache“, sagte sie, „sollte in der Planungshoheit der Gemeinde liegen.“



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