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Flensburg : Statt Luftschloss-Fabrik: „Piratennest“ an der Harniskaispitze

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Harniskaispitze soll belebt werden: Gastronomie soll es ab Anfang Juli geben.

Flensburg | Am Morgen des 3. Februar 2016 ließ die Stadt das Filet-Grundstück an der Harniskaispitze räumen. Obwohl keine Pläne für eine Nachnutzung vorhanden waren, wurden die Bewohner der Luftschlossfabrik unter Einsatz starker Polizeikräfte davongejagt.

Die Räumung der „Luftschlossfabrik“ polarisiert noch immer: Denn nach dem kostspieligen Einsatz, um die Besetzer von der Harniskaispitze zu vertreiben, nutzte die Stadt das Grundstück nicht wie versprochen. Vielen stieß das Verhalten sauer auf.

Da es der Politik an Ideen mangelte, wie man die Zeit bis zu einer dauerhaften Nutzung des begehrten Areals überbrücken könne, rief sie die interessierte Öffentlichkeit dazu auf, kreativ zu werden. Doch auch dem nun folgenden Bürgerwettbewerb war kein durchschlagender Erfolg beschieden. Die meisten Nutzer hätten auf eine finanzielle Beteiligung der Stadt geschielt oder aber ihr Vorhaben nicht, wie gefordert, temporär angelegt, erklärte Stadtsprecher Clemens Teschendorf aktuell auf Nachfrage; nur zwei von über 70 Bewerbern erhielten schließlich eine Nutzungsgenehmigung.

Jetzt will zumindest einer der beiden Kandidaten durchstarten – ein Trio, dessen berufliche Biografie kaum unterschiedlicher sein könnte. Harry Dittmer ist in der Flensburger Gastronomie bekannt und hat als gelernter Küchenmeister und Hotelkaufmann schon zahlreiche Stationen durchlaufen. Sabine Hennig ist eigentlich Bankerin und führt derzeit das Camelot Resort, „Pferdeparadies“ in Handewitt. Dritter im Bunde: Uwe Kasten, Pensionär. Er war zuvor 40 Jahre lang als Berufskraftfahrer unterwegs. Die drei verpflanzen ihr „Piratennest“, an dem bis Sonntag noch bei der Rum-Regatta fleißig Bier und andere Getränke ausgeschenkt wurden, an den nördlichen Zipfel der Harniskaispitze.

Derzeit laufen auf der unwirtlichen Brache Infrastruktur-Maßnahmen. Auch ein Piratennest ist angewiesen auf Wasser, Strom und sanitäre Anlagen. 80 Meter Leitungen müssen verlegt werden, 15.000 Euro investieren die Betreiber. Eine Menge Geld angesichts der Tatsache, dass eine Nutzung nur bis 2018 gesichert ist. „In einem Monat wollen wir an den Start gehen“, erklärt Harry Dittmer.

shz.de zeigt in einem 360-Grad-Video das Gelände.

Auf 500 Quadratmetern plant er Liegestühle und Strandkörbe rund um den Stand zu platzieren. Nach drei Monaten wird es eine Standortanalyse geben, denn noch ist die Verunsicherung groß, wie die Resonanz ausfallen wird. Bei guten Zuspruch soll das Geschäft im Sommer 2018 auf sechs Monate ausgedehnt werden.

Die Investoren loben ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit dem Sanierungsträger und der Stadtverwaltung. „Die haben geholfen, wo sie konnten“, betont Sabine Hennig, die das Konzept seinerzeit in origineller Piratenmontur – „aber unbewaffnet“ – vor einem städtischen Gremium in der Bürgerhalle präsentiert hatte.

Das Angebot ist im unteren Preissegment angesiedelt, Studenten, Schüler und Azubis dürfen sich über verbilligte Getränkepreise freuen. Der ursprüngliche Plan, eine Kleinkunstbühne aufzubauen, auf der Theater oder kleine Konzerte stattfinden können, hat sich aufgrund des Budgets zerschlagen. Dennoch beabsichtigt das Trio, lokalen Künstlern hier ein Forum zu bieten.

Musiker im größeren Rahmen auf einer 18 mal 12 Meter großen Bühne mit bis zu 10.000 Besuchern an die Harniskaispitze zu locken, plant Peter Thomsen („Förde Show Concept“). Beobachter fragen sich, warum das nicht schon längst passiert ist. Man sei auf der Suche nach Bands bislang nicht fündig geworden, erklärte der Veranstalter dazu, der die Fläche bereits 2016 für das Public Viewing zur Fußball-EM nutzen durfte. „Angebot und Service müssen stimmen, um die Leute zu motivieren“, sagt er. Auftritte plant er wegen der langen Vorlaufzeit erst im nächsten Jahr. „Die Namen müssen bis zum Herbst stehen, um die Konzerte im Sommer durchführen zu können.“

Am Dienstag berät der Planungsausschuss über einen Antrag der SSW-Fraktion, die eine sofortige Herrichtung eines Sommer-Bürgerparks fordert. Die Stadt möge Grünflächen, Grillmöglichkeiten und Sitzmöbel sowie neue Freizeitangebote umgehend in Angriff nehmen. Es gehe darum, die Harniskaispitze als attraktiven Zugang zur Förde zu erschließen. Sollte das nicht passieren, sei dies „die Kapitulationserklärung einer bürgerfreundlichen Stadt“.

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erstellt am 29.Mai.2017 | 05:24 Uhr

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