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Flensburger Tageblatt

25. November 2017 | 01:21 Uhr

Starke Olsen-Bande

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Country & Western, Folk, Bluegrass und Pop in der Imagine Bar

shz.de von
erstellt am 13.Apr.2014 | 14:31 Uhr

Diese Band ist wie gemacht für diesen Raum. Vielleicht liegt es an den Instrumenten. „Wir spielen mit Holzgitarren“, sagt Jon Flemming Olsen, und gleich zu Beginn freut er sich über den Raum, die holzgetäfelten Wände der Imagine Bar, des früheren „Rieve,“ des früheren Stadtrestaurants.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass an diesem Abend sofort alles passt. Olsen kommt mit seinen Musikern auf die Bühne, er wird stürmisch begrüßt, und der überspringende Funke ist fast zu sehen und mit Händen zu greifen. Und dann dieser Song, diese Nummer, die er so treffend ins Deutsche übertragen hat. „Gentle on my Mind“, mancher kennt es von Glen Campbell, ein anderer von Dean Martin, es ist einer der schönsten US-Evergreens überhaupt, und der Hamburger hat mit seiner Version „Das wird immer sein“ einen neuen Maßstab für deutsche Fassungen gesetzt. Am Ende ist es die allerletzte Zugabe – „wir haben jetzt alles einmal durchgespielt, mehr haben wir nicht“, entschuldigt sich JFO. Also den ersten Song nochmal, „habt Ihr bestimmt schon wieder vergessen“.

Das Konzept für sein Album „Immer wieder weiter“, an dem er 18 Monate gearbeitet hat, ist einfach. Er hat sich zwei Handvoll Perlen aus dem großen Topf englischer und amerikanischer Popularmusik ausgesucht und sie ins Deutsche übertragen. Der Effekt ist vor allem für die älteren Semester einfach und klar: Nach wenigen Takten erkennt man den Song und die kollektive Grübelei geht los. Was ist das noch mal, das kennen wir doch! „Tage da träum ich“ ist noch schnell als „Daydream“ von Lovin’ Spoonful zu identifizieren, bei „Morgengrauen“ wird es schon schwerer. „Golden Brown“ von den Stranglers. Aha. Etwas albern wird aus „Ballroom Blitz“ (The Sweet) die deutsche Nummer „Karl-Heinz Schmitz“, das die Zuhörer in der Imagine Bar sofort textsicher mitsingen.

Olsen schreibt zwar neue Texte statt die Originale zu übersetzen, doch er bemüht sich, in den Refrains den Klangeindruck zu übernehmen: Schmitz – Blitz, Grau’n – Brown, und Gnarlz Barkleys „Crazy“ heißt bei ihm „Ich seh sie“. Das erleichtert die Identifizierung ungemein. Leider nicht auf dem Album enthalten ist die deutsche Fassung von Kenny Rogers’ Riesenhit „Ruby don’t take your love to town“.

Seine Vorliebe für alles Akustisch-Amerikanische – erinnert sei an Olsens Band „Texas Lightning“ – bricht sich auch hier wieder Bahn. Mit einem Instrumentarium aus Kontrabass, Gitarre, Banjo, Mandoline mischt das Quartett Country & Western, Folk, Bluegrass und Pop zu einer angenehmen Melange, in der man das Schlagzeug überhaupt nicht vermisst. Richtig fetzig wird’s, wenn das Olsen-Quartett den traditionellen Sound mit einem relativ modernen Stück (Adeles „Rolling in the Deep“) kombiniert. Und von wem war bloß dieser Ohrwurm „I can help“ nochmal?

Am Ende will das enthusiastische Publikum die Olsen-Bande kaum von der Bühne lassen. Und auch bei den zahlreichen Smartphone-Fototerminen – vor allem mit weiblichen Fans – macht der sympathische Hamburger eine gute Figur: Der darf gern wieder kommen!

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