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Typisierung in Flensburg : Stammzellen sollen seinen Krebs besiegen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Freunde eines Flensburger Rechtsanwalts rufen auf zur großen Typisierung am Sonntag, 26. Oktober, von 10 bis 16 Uhr im Citti-Park.

Flensburg | Die Zahl ist erschreckend: Alle 16 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Blutkrebs. Ohne medizinische Behandlung führt die Krankheit zum Tod. Für viele Patienten ist eine Stammzelltransplantation die letzte Chance auf Leben. Jörn (43) bildet da keine Ausnahme. Der Flensburger Rechtsanwalt erfuhr im Juni nach einer Odyssee durch viele Arztpraxen von der fuchtbaren Diagnose. Er habe, so hieß es, nur noch ein halbes Jahr.

Doch der Vater zweier kleiner Kinder gibt nicht auf. „Ich will und werde den Krebs besiegen“, sagt er. Nicht nur seine Freunde und Familie wollen ihm dabei helfen – Jörn kann inzwischen auf ein breites Netzwerk an Unterstützern zählen. So ruft eine Initiativgruppe zu einer von einem bunten Rahmenprogramm begleiteten Typisierungsaktion auf. Am 26. Oktober öffnet der Flensburger Citti-Park dafür seine Pforten. Von 10 bis 16 Uhr werden hier mindestens 2000 potenzielle Stammzellspender erwartet.

Das Prozedere ist einfach: Nach dem Ausfüllen einer Einverständniserklärung werden dem Spender fünf Milliliter Blut aus der Armvene entnommen. Für den Spender ist das eine Sache von wenigen Minuten. Ärzte und Krankenschwestern werden vor Ort sein. Das Tumorzentrum Flensburg – Schleswig – Nordfriesland hat seine Unterstützung finanzieller und personeller Art zugesagt.

Die Chance, einen geeigneten „Zwilling“ zu finden, ist in der Region, in der der Patient lebt, am größten. „Bei häufigen Merkmalskombinationen kann ein Spender unter 20.000 gefunden werden, bei seltenen Gewebemerkmalen findet sich eventuell unter mehreren Millionen kein passender Spender“, sagt Annika Schirmacher von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Sie beruhigt auch, was eine Stammzellentnahme betrifft. Die häufigste Methode ist die periphere Entnahme: Dem Spender wird über mehrere Tage ein Medikament verabreicht, welches die Produktion der Stammzellen im Knochenmark anregt und diese in die Blutbahn ausschwemmt.

Nach dieser Vorbehandlung werden die Stammzellen über ein spezielles Verfahren aus dem Blut gesammelt. Seltener durchgeführt wird die Knochenmarkentnahme, bei der dem Spender das Blut-Knochenmarkgemisch unter Vollnarkose direkt aus dem Beckenkamm entnommen wird.

Grundsätzlich geeignet für eine Typisierung ist jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 55 Jahren, der mindestens 50 Kilogramm wiegt. Ausschlussgründe sind chronische Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes (mit Insulingabe), Rheuma oder Krebs. Frauen sollten nicht mehr als zwei Schwangerschaften hinter sich haben.

Von den gut 90.000 Menschen, die in Flensburg leben, haben sich bislang rund 4700 in der weltweiten Spenderdatei registrieren lassen. „Diese Zahl wollen wir nach oben treiben“, sagt Achim Schulz von der Initiativgruppe. Darauf hoffen auch die Schirmherren der Aktion, die Landtagsabgeordnete Simone Lange (SPD) und Lubomir Vranjes, Trainer der SG Flensburg-Handewitt.

Bislang war die Suche nach einem Stammzellspender für Jörn rund um den Globus erfolglos. Jetzt eröffnet sich ihm eine weitere Chance. Der Anwalt, der trotz der belastenden Chemotherapie weiter seiner Arbeit nachgeht („Das bin ich meinen Mitarbeitern und Mandanten schuldig“) will sich nicht entmutigen lassen. Er nimmt seine Aufgabe als 1. Vorsitzender im Squash-Verein wahr, spielt leidenschaftlich gern Karten oder geht ins Kino. Er habe, sagt er, eine Art Mantra für sich gefunden: „Diagnose Krebs – und das Leben geht weiter.“

 

 

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erstellt am 11.Okt.2014 | 17:18 Uhr

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