Flensburg : Stadtwerke klagen gegen neue Firma des Ex-Chefs

Das Stadtwerke-Kraftwerk am Strandweg.
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Das Stadtwerke-Kraftwerk am Strandweg.

Die Quanto GmbH soll Mitarbeiter und Kunden einer Tochter der Stadtwerke Flensburg abgeworben haben. Auch der frühere Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfskeil ist neuerdings dabei.

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26. April 2012, 11:24 Uhr

Flensburg/Kiel | Es sind schwere Vorwürfe, die die Stadtwerke Flensburg gegen die Kieler Beratungsfirma Quanto GmbH erheben. Das Unternehmen soll knapp 50 Mitarbeiter der Stadtwerke-Tochter IT-Power abgeworben haben. Doch damit nicht genug: Mit den ehemaligen Angestellten seien auch mehrere zahlungskräftige Kunden zu der Kieler Firma gewechselt. Dadurch, so der Vorwurf, habe IT-Power einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden erlitten. Die Stadtwerke haben deshalb beim Landgericht Kiel Klage eingereicht und eine Einstweilige Verfügung gegen Quanto beantragt.
Pikant wird die Geschichte durch einen weiteren ehemaligen Mitarbeiter aus Flensburg: Der vor rund einem Jahr von seinen Aufgaben entbundene frühere Geschäftsführer Matthias Wolfskeil ist im März bei Quanto eingestiegen. Seit Anfang April sei auch der frühere IT-Power-Geschäftsführer Lars Eichner bei Quanto "in leitender Position beschäftigt", so die Stadtwerke weiter. Einen direkten Vorwurf, dass Matthias Wolfskeil für den Wechsel der knapp 50 Mitarbeiter nach Kiel verantwortlich sei, erheben die Stadtwerke indes nicht.
Gewinne in sechsstelliger Höhe ausgeblieben
Der Aderlass bei der lukrativen IT-Tochter ist massiv: "Fast 90 Prozent der Mitarbeiterschaft haben das Unternehmen verlassen, um größtenteils für das Beratungsunternehmen Quanto in gleicher Funktion tätig zu werden", heißt es in einer Mitteilung des Flensburger Energieversorgers. Durch den Wechsel der Kunden sollen Gewinne in sechsstelliger Höhe verloren gegangen sein. 2011 habe IT-Power Gewinne von rund 450.000 Euro gemacht.
Doch die Stadtwerke wollen den Aderlass nicht einfach hinnehmen. Geschäftsführer Maik Render begründet den juristischen Schritt: "Wir haben mit der IT-Power ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut und uns in der EDV-Beratung einen guten Namen gemacht. Zwei ehemalige Stadtwerke-Mitarbeiter haben ihr Stadtwerke-Wissen genutzt, um die Mitarbeiter, die Kunden und die Aufträge der IT-Power mitzunehmen. Somit werden auch die Gewinne diesen ehemaligen Mitarbeitern zufließen. Die Gewinne stehen aber nach wie vor den Stadtwerken und damit indirekt den Bürgern Flensburgs zu. Um das Geschäft genauso erfolgreich weiterzuführen, benötigen wir aber Zeit, die wir uns mit der einstweiligen Verfügung verschaffen werden."
Keine Reaktion von Quanto zu den Vorwürfen
Als ersten wichtigen Schritt für die Weiterführung der Geschäfte benennen die Stadtwerke die erst kürzlich festgezurrte Kooperation mit der Firma Grimm Data Team GmbH. Dabei handele es sich um ein Beratungsunternehmen mit 60 Mitarbeitern, das Betriebe der Energiewirtschaft berät "und sich hervorragend mit der IT-Power GmbH ergänzt". Beide Unternehmen seien bundesweit tätig und wollen ihre Position am Markt weiter aufbauen.
Eine Nachfrage bei Quanto blieb ohne Resonanz; die Geschäftsführung kam einer Rückrufbitte nicht nach. Matthias Wolfskeil waren die Vorwürfe am Mittwoch noch nicht bekannt, deshalb wollte er sich am Telefon nicht dazu äußern.

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