zur Navigation springen

Lichtwellenleiter-Netz : Stadtwerke bauen an der Komtel 2.0

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Ausbau eines ultraschnellen Lichtwellenleiter-Netzes hat für die nächsten Jahre Priorität. Für den Netzausbau gibt es einen neuen Geschäftsbereich.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Flensburg | Es klingt ein wenig nach „Komtel reloaded“ – nach Wiederholung und Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte aus den späten 90er Jahren in Flensburg. Nach Ende des Telefonmonopols hatte sich damals unter maßgeblicher Beteiligung der Stadtwerke eine der bundesweit ersten Neugründungen mit einem eigenen, schnellen und modernen Glasfasernetz in Flensburg, Harrislee und Glücksburg etabliert. Die Geschichte endete bekanntlich 1999 mit dem Verkauf des erfolgreichen Startups an die (jetzt zu 1&1 gehörende) Versatel. 15 Jahre danach investieren die Stadtwerke wieder Millionen in den Aus- und Aufbau des Lichtwellenleiter-Netzes. In weiteren zehn Jahren könnte jeder Haushalt in Flensburg, Glücksburg und Harrislee über einen ultraschnellen Glasfaseranschluss verfügen.

War die Komtel unter Michael Rohbeck für das Unternehmen noch eine spannende Spielwiese gewesen, ist die Fortschreibung unter Stadtwerke-Chef Maik Render eine unternehmerische Strategie. Das Internet der Dinge, die rasante digitale Aufrüstung von Internet, Telefonie und Fernsehen erfordert eine immer leistungsfähigere Infrastruktur. Render sieht sein Unternehmen in einer sehr guten Position, den Wettlauf mit den Schwergewichten Vodafone/Kabel Deutschland und Telekom/1&1 anzunehmen – und zu gewinnen. „Seit 2012“, so Render, „investieren wir jährlich zwei Millionen Euro in das moderne Netz. Nächstes Jahr werden es vier Millionen sein, wenn alles fertig ist, dürften in der Summe fast 60 Millionen Euro geflossen sein.“ Er sieht den kommunalen Versorger im Vorteil. Die Mitbewerber hätten ihre Netze zwar nachgerüstet, seien mit Kupferkabel bzw. Koaxialkabel aber technisch limitiert. Die Datenübertragungsrate bei Lichtwellenleitern hingegen sei um ein Vielfaches größer.

Dass die Stadtwerke den Ausbau strategisch angehen, verdeutlicht die jüngste Personalie: Ab 2016 wird der Ausbau des Lichtwellenleiter-Netzes in einem eigenen Geschäftsbereich koordiniert, dessen Chefin seit Anfang des Monats gefunden ist. Die Stadtwerke konnten Ulla Meixner von der Breitbandgesellschaft Nordfriesland abwerben. Sie wird mit wenigstens acht weiteren Neueinstellungen die Netzplanung koordinieren und weiter beschleunigen.

Dabei folgen die Stadtwerke – schon aus Kostengründen – den Kolonnen, die an der Sanierung des Fernwärmenetzes bzw. der Kanalisation arbeiten. Es sei aber auch gut möglich, dass der neue Geschäftsbereich zu neuen Erkenntnissen kommt und einzelne Baumaßnahmen vorzieht. Auf der sicheren Seite steht aktuell der Stadtteil Rude, in dem saniert und modernisiert wird. „Die Rude wird bald der schnellste Stadtteil sein“, kündigt Render an.

Von einiger Bedeutung werden auch Gespräche sein, die zurzeit mit den Kollegen der Versatel laufen. Nach dem Kauf der Komtel hatte sich das Unternehmen das Glasfasernetz unter Flensburg für 15 Jahre gesichert und jetzt die erste von zwei je fünfjährigen Verlängerungs-Optionen für die Pacht gezogen. „Wir führen gute Gespräche über die Zeit danach“, so Render. Für die Zeit danach sind gute Partner und Ideen gefragt. Denn nach gegenwärtigem Stand ist noch nicht geklärt, ob die Stadtwerke ihr modernes Netz selbst mit Dienstleistungen bespielen wollen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen