Ostufer Flensburg : Stadtspeicher: Ausschuss nimmt das Tempo raus

Muss noch warten: Der neu gestaltete Speicher – hier in einer Skizze der Architektin Jessica Borchard.
Muss noch warten: Der neu gestaltete Speicher – hier in einer Skizze der Architektin Jessica Borchard.

Verwaltungsantrag abgewiesen: Baudenkmal darf erst saniert werden, wenn Masterplan für das Flensburger Ostufer vorliegt

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22. August 2018, 20:18 Uhr

Er hätte loslegen können, aber der Planungsausschuss will es noch nicht. Die Verwaltung scheiterte am Dienstagabend mit ihrem Vorhaben, per Erteilung des gemeindlichen Einvernehmens der Flensburger Ölmühle GmbH den Weg zu Sanierung und Umbau in ein Bürohaus des alten Stadtspeichers am Harniskai zu ebnen. Nach einer sehr emotional geführten Diskussion verweigerte der Ausschuss die Zustimmung. Die Politik will eine Entscheidung auf der Basis des Masterplans fällen, den der städtische Sanierungsträger erst Ende des Jahres vorstellen will. Investor Torsten Koch, hundertprozentiger Gesellschafter der mit einem Pachtvertrag bis 2031 ausgestatteten Ölmühle, reagierte trotzdem gelassen.

„Der Beschluss ist misslich, ohne Frage“, räumt er ein. Aber er sieht einen anderen auch nicht ganz unwichtigen Beschluss der alten Ratsversammlung vom 7. Dehzember 2017 auf seiner Seite. Und in dem heißt es: Die Verwaltung wird gebeten, die Konzepte zur Umnutzung der stadtbildprägenden Silogebäude mit den entsprechenden Investoren auf Grundlage einer Grundstücksvergabe über Erbpachtverträge weiterzuverfolgen. Schlussendlich, so Koch, mache er genau das. Er hat für Sanierung, Aus- und Umbau des Baudenkmals im Juni Bauantrag gestellt und erwartet eine Genehmigung, die ihm die Verwaltung aus baurechtlichen Gründen auch kaum verwehren könne.

Der nach der Kommunalwahl neu formierte Ausschuss freilich wollte sich auf die mit dem gemeindlichen Einvernehmen verbundenen planungsrechtlichen Zustimmung zu der angedachten Nutzung nicht festlegen. Jedenfalls noch nicht. SSW-Ratsherr Glenn Dierkung mahnte, eine Einzelmaßnahme nicht durchzuwinken, bevor die Komplettanalyse des Ostufers vorliege. „Ich finde das Projekt gut, aber ich warte auf den Schlussbericht. Ich will einen Startschuss für alle. Einen Einzelnen vorzuziehen, finde ich unfair.“ Auch die Linke verweigerte die Zustimmung. Die Politik kenne nur eine Skizze des Geplanten, erklärte Frank Hamann: „Es ist doch aber ein Riesenunterschiied, ob es um eine Skizze geht oder ob eine konkrete Planung ohne weitere öffentliche Beteiligung umgesetzt werden soll. Wenn es so umgesetzt wird, müssen wir alles andere drumherum anpassen. Aber wir wissen doch noch gar nicht, was kommt!“

Pelle Hansen (Grüne) griff den Gedanken auf. „Wir brauchen für dieses Kernobjekt erst einen Masterplan. Vielleicht wollen wir dann nicht nur Büronutzung, vielleicht bietet sich ja eine öffentliche Zusatzfunktion an.“ Für den Grünen-Ratsherrn wäre eine Zustimmung zu dem Verwaltungsantrag auch das falsche Signal an die Öffentlichkeit. Der Grüne verwies auf die Vorgeschichte, die auf Transparenz und echte Beteiligung der Öffentlichkeit gesetzt habe. „Wir haben den Menschen das Gefühl vermittelt, sie könnten mitgestalten!“ Voreilig Fakten zu schaffen, sei der falsche Weg. CDU und FDP hatten zuvor deutlich gemacht, dass sie das Vorhaben und die Vorgehensweise der Verwaltung unterstützen würden.

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