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Lesung geplant : Stadtpräsidentin lotst Lenz an die Förde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Hamburger Schriftsteller hat eine Lesung angeboten, dessen Erlös dem Flensburger Bücherbus zugute kommen soll

Als wenn man plötzlich ein Juwel entdeckt. So hat Deutschlands nördlichste Stadtpräsidentin sich gefühlt, als sie im Stadtarchiv plötzlich auf eine vergessene Kurzgeschichte von Siegfried Lenz stieß, die so liebevoll wie ironisch um die Flensburger Förde kreist. Swetlana Krätzschmar ist studierte Mathematikerin, hat aber einen ausgeprägten Sinn für Literatur, Kreativität und den Mut zur Beharrlichkeit. Sie entwickelte eine Idee.

Es war im September dieses Jahres, als Krätzschmar für das 1. Literaturboot-Festival um einen Beitrag gebeten wurde. Als sie mit ihrem Fund ans Rednerpult trat, sah sie in verblüffte Gesichter. Niemand war mit dieser Geschichte vertraut, obwohl nicht unbekannt ist, dass der gebürtige Ostpreuße sich mit dem Norden sehr verbunden fühlt. Er hielt sich oft in Flensburg auf, spricht hervorragend dänisch, besitzt ein Wochenendhaus auf einer Insel jenseits der Grenze und wird dort als „der deutsche Däne“ gehandelt.

Die Zeilen, die sie vortrug, entdeckte die Stadtpräsidentin in dem Kompendium „Flensburg – Literarische Skizzen aus vier Jahrhunderten.“ Sie sind 1966 in der „Zeit“ gedruckt worden. Kostprobe:

Welcher nordische Gott auch die Flensburger Förde erschuf – er hatte den Blick des Amateurphotographen. Er wollte augenscheinlich weniger erregen als erheitern, nicht so sehr herausfordern, als auf schläfrige Weise erfreuen; ein früher Liebhaber der Postkarte war hier am Werk, ein Freund des gefälligen Panoramas, ein temperamentloser Urheber von Gegend, die den Betrachter, nun ja – durch ansehnliche Langeweile erquickt. Hier reitet kein Schimmelreiter im Zwielicht vorüber.

„Man sieht also“, meint Flensburgs Stadtoberhaupt augenzwinkernd, „dass die Förde durchaus ihren Reiz auf die Weltliteratur ausübt.“ Ihr selbst merkt man die Liebe zur Sprache an. In der Ukraine russsischsprachig aufgewachsen, kam sie vor 36 Jahren nach Deutschland. Ihre Mutter war Russischlehrerin, der Vater Dozent für Literatur und Geschichte. „Wenn man die Kurzgeschichte liest“, sagt sie, „weckt sie Bilder und Gefühle, man spürt erneut, in welcher schönen Umgebung man lebt, die Melancholie der Ostsee-Landschaft.“

Swetlana Krätzschmar überlegte nicht lange. Sie setzte sich an den Schreibtisch und schrieb einen Brief. Darin bittet sie den Schriftsteller, ihr die Erzählung zum Nachdruck zu überlassen und sie in geringer Sonderauflage zu signieren. Denkbar sei, die hochwertig aufbereiteten Werke zu versteigern und den Erlös als Spende zur Anschaffung eines dringend benötigten, neuen Bücherbusses einzusetzen. „Als Stadtpräsidentin fühle ich mich verantwortlich für alle Flensburger Kinder und möchte alles tun, in ihnen die Liebe und Achtung zum Buch und zum Lesen zu wecken. Dazu braucht es den Bücherbus.“

Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis Antwort kam. Der Autor sei grundsätzlich „sehr angetan von Ihrer Anfrage“. Über einen möglichen Nachdruck werde man nachdenken, in jedem Fall biete er eine Lesung zugunsten des Bücherbusses an. Das ist umso bemerkenswerter, da Siegfried Lenz im Alter von 87 Jahren keine Lesungen mehr abhält.

Am liebsten würde Swetlana Krätzschmar die Seiten rahmen lassen, ein passendes Landschaftsmotiv implementieren und den Bildersatz Flensburger Unternehmen als Unikat offerieren, für die Flensburg auch ein Stück eigener Geschichte ist. „Sie könnten sich auf diesem Weg für das Gemeinwohl engagieren und eine Brücke schlagen zur Lesebegeisterung junger Menschen. “

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