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Flensburger Tageblatt

14. Dezember 2017 | 09:52 Uhr

Stadtpräsidentin fährt lieber selber

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Swetlana Krätzschmar erklärt ihren Verzicht auf eine Fahrerstelle – während OB Simon Faber seine geplante Referentenstelle rechtfertigt

shz.de von
erstellt am 29.Nov.2014 | 08:38 Uhr

Mit einem Paukenschlag hat Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar die Diskussion um die Stelle einer Fahrerin beendet: „Die Stadtpräsidentin will keine Steuererhöhung – und braucht keine Stelle für einen Fahrer“, erklärte die CDU-Politikerin gestern. Sie verzichte auf den Fahrdienst – und lasse sich, wenn die Belastung zu hoch sei, lieber von ihrem Mann fahren. Mehr als 400 Termine hat Flensburgs erste Frau in den 18 Monaten ihrer Amtszeit absolviert – ihr wöchentliches Engagement beziffert die ehrenamtliche Chefin des Rats mit 48 bis 50 Stunden. Dann berichtet sie von einem Montag, an dem sie von 7 bis 21 Uhr samt Städtetagstermin in Norderstedt unterwegs war – ohne jede Essenspause. Genau zweimal in ihrer Amtszeit habe sie einen Fahrdienst in Anmspruch genommen.

Vor Monaten hatte Krätzschmar in einem Gespräch mit Rathaus-Personalrat Christian Dirschauer, in dem es um die hohe Belastung der Mitarbeiter gegangen sei, auch von ihren Spitzentage berichtet. Da habe Dirschauer von einer halben Fahrdienststelle berichtet, die eingespart werden sollte. So kam der Vorschlag aufs Tableau. Die Stadtpräsidentin sei davon ausgegangen, dass sie für sechs bis zehn entferntere Termine pro Jahr Unterstützung durch einen Fahrer brauchen könne.

„Man kann das Ganze natürlich auch positiv sehen“, sagt Ehemann Michael Krätzschmar. „Flensburg ist die einzige kreisfreie Stadt, in der die Stadtpräsidentin keinen Fahrer hat – und dabei wird es auch bleiben“. Übrigens hätten auch alle elf Kreispräsidenten eigene Fahrer.

Am Donnerstagabend im Finanzausschuss hatte es reichlich Kritik an den Verwaltungsplänen für 31 neue Stellen gegeben – darunter 4,5 für Kitas, 4 für Brandschutz, 3 für die neue Tourismusabgabe, 2,5 für Wachdienste und 9 für eine flexible Personalwirtschaft. Vor allem aber ging es um den symbolträchtigen und 77 000 Euro teuren Posten eines persönlichen Referenten und Projektkoordinators für OB Simon Faber sowie 1,5 mit 93 900 Euro Kosten etwas günstigere Stellen mit der vagen Stellenbeschreibung: „Bürgerbeteiligung und familiengerechte Kommune, Fahrdienst Stadtpräsident/in u.a.“

Simon Faber warb im Ausschuss zunächst für den Fahrdienst „nicht primär für meine Person, sondern, damit das Ehrenamt überregionl Präsenz zeigen kann“. Die neue Referentenstelle begründete Faber mit zahlreichen Koordinationsaufgaben zwischen den Tochterfirmen der Stadt und im Grenzgebiet mit dem neuen Interreg-Sekretariat in Krusau, zumal der Rückgriff auf die Entwicklungsagentur Nord künftig nicht mehr möglich sei: „Und die Mitarbeiter, die für eine Koordination von Projekten in Frage kämen, sind mit Kernaufgaben belegt“, erklärte Faber.

Das sah die Politik differenzierter. Thomas Dethleffsen (CDU) fand, so ein Referent müsse aus dem Verwaltungsapparat kommen: „Das ist Ihre organisatorische Aufgabe“, sagte er an die Adresse des OB. Stephan Kienaß erklärte zunächst, dass er mit einer Grundsteuererhöhung nicht leben könne. Zu den Stichworten Projektkoordinator und Fahrdienst sagte er: „Wir hätten für jeden Einzelfall eine bessere Begründung erwartet.“ Auch SSW-Mann Thorsten Kjärsgaard hintefragte den Referentenjob: „Die Projektkoordination hätte ich gern noch mehr unterlegt.“ Und Pelle Hansen (Grüne) fand: „Meiner Meinung gibt es Personalstellen, die diese Aufgabe tragen sollten.“ Bürgermeister Henning Brüggemann sagte, dass von dem um 3,8 Millionen Euro teureren Personalbudget 2,1 Millionen auf Tarifsteigerungen zurückgingen.

Personalrat Christian Dirschauer indes warb für die 31 Stellen: „Wir bekommen zunehmend Überlastungsanzeigen. Die Vakanzen sind heute schon grenzwertig lang. Und selbst die Berater von Rödl & Partner, über jeden Verdacht der Mitarbeiterfreundlichkeit erhaben, haben gesagt, wir sind in einigen Bereichen zu schlank aufgestellt.“



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