Engelsby, Mürwik, Jürgensby : Stadtgeschichte vor der Haustür

Schönste Hanglage: Für Jürgensby galt das Bauverbot in der Innenstadt nicht. So waren die Hügel schon 1860, im Jahr der Aufnahme, bebaut. 1874 wurde Jürgensby eingemeindet. Der helle Giebel links im Bild markiert die Pilkentafel, die damals noch frei am Wasser stand. Foto: Dansk Zentralbibliotek
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Schönste Hanglage: Für Jürgensby galt das Bauverbot in der Innenstadt nicht. So waren die Hügel schon 1860, im Jahr der Aufnahme, bebaut. 1874 wurde Jürgensby eingemeindet. Der helle Giebel links im Bild markiert die Pilkentafel, die damals noch frei am Wasser stand. Foto: Dansk Zentralbibliotek

Mit der Neugestaltung und Überbauung verloren Stadtteile am Rande der Stadt ihr Gesicht. Ihre Geschichte hat der Flensburger Historiker Gerrit Schlaber festgehalten.

shz.de von
05. Februar 2009, 01:46 Uhr

Flensburg | Eigentlich kreisen die Themen der Stadtgeschichte immer um die Altstadt. Sie ist hinreichend geschildert worden. Den Ansatz, die Geschichte eines Stadtteils zu beschreiben, gab es bisher nur vereinzelt. Ihn wollte Gerrit Schlaber möglichst komplex aufgreifen. Als Historiker der Studieafdelingen der Dansk Centralbibliotek hat er alle sachlichen Zugänge zum Thema - als Jürgensbyer auch den emotionalen.

Mit dem Buch, das Schlaber Dienstagabend in der Bibliothek öffentlich vorstellte - Auftakt einer Reihe stadtgeschichtlicher Veranstaltungen zum Stadtjubiläum - , bedient er ein großes Interesse, das unter stadtgeschichtlich interessierten Flensburgern immer wieder spürbar ist: Wie sah einst die nächste Wohnumgebung aus, wie hat sie sich entwickelt, welche Geschichten gibt es über sie, welche Bilder von ihr? Diese Stadtteil bezogene, historische Neugierde bedient Schlabers Buch exzellent, gerade weil sich der Autor bis ins kleinste Detail in die Geschichte der Quartiere hinein vertieft hat.
Bauverbot in der Innenstadt ließ ländliche Siedlungen wachsen
Dabei füllen sich die Seiten keineswegs mit Kleinkram. Informationen, dass etwa Mürwik einst nichts weiter war als eine lauschige Bucht mit einer Ziegelei oder der große Stadtteil Engelsby einst ein eigenständiges Dorf war mit Rathaus, Bahnhof und privatem Elektrizitätswerk - noch erhalten - sind Informationen von Wert, die die Stadtgeschichte qualifiziert ergänzen.

Ein Werdegang findet sich für die Stadtteile immer wieder: Sie waren ländliche Siedlungen zwischen Feldern und Wiesen, die immer mehr Menschen anzogen, weil die in der Innenstadt wegen des herrschenden Bauverbots keinen Platz fanden. Weil irgendwann die Dörfer die Menschen nicht mehr ernähren konnten, wurden neue Siedlungen gegründet, etwa Tarup als Ableger des einstigen Adelby. Ein Flensburger Sonderfall ist die Siedlung an den Mühlenteichen, deren Geschichte und heute noch wahrzunehmendes Erscheinungsbild erst zu verstehen sind, wenn ein kundiger Erzähler sie beschreibt.

Das leistet das Buch in allen Kapiteln und wird damit zur Fundgrube für jeden heimatkundlich Interessierten.
Das Buch
Das Buch „Vom Land zum Stadtteil“ von Gerrit Schlaber hat 160 Seiten mit gut 90 Fotos, kostet 19 Euro und ist erschienen als Band 60 der Studienabteilung der Dänischen Zentralbibliothek, Norderstraße. Texte auf Deutsch und Dänisch. Erhältlich in der Bibliothek, im Buchhandel und bei der Gesellschaft für Stadtgeschichte (Rathaus
Stadtteil-Daten
1398: Die Rude kommt zum Stadtgebiet.
1796: Aufhebung des Bauverbots außerhalb der Stadtmauern.
1874: Norder- und Süder-St. Jürgen eingemeindet.
1875: Hohlwege (Kappelner und Glücksburger Straße), Fischerhof (Waitzstraße) und Duburg eingemeindet.
1900: Jürgensgaard wird eingemeindet.
1909: Die Kolonie Klues kommt von der Gemeinde Niehuus an Flensburg.
1910: Fruerlund, Engelsby, Twedt und Twedterholz eingemeindet.
1966: Sünderup, Tarup,Tastrup zur Landgemeinde Adelby zusammengeschlossen.
1974: Als kleinste, politisch durchsetzbare Lösung einer Kommunalreform für Flensburg und Umgebung wird die Landgemeinde Adelby in die Stadt eingemeindet. Tastrup wird wieder selbstständig.
2007: Flächentausch zwischen Tastrup und Flensburg.

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