Kultur in Flensburg : Stadtgeschichte soll greifbar werden

<p>Die Innenstadt Anfang der 50er Jahre: Das Stadtmodell im Rathaus zeigt Hafenspitze, den östlichen Fördehang, den Türmchen-Zob und das Johannisviertel.</p>
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Die Innenstadt Anfang der 50er Jahre: Das Stadtmodell im Rathaus zeigt Hafenspitze, den östlichen Fördehang, den Türmchen-Zob und das Johannisviertel.

Drei-Stufen-Modell von einer virtuellen Ausstellung über eine befristete Sonderschau bis hin zu einer dauerhaft-festen Einrichtung.

shz.de von
25. März 2017, 07:46 Uhr

Zwei Jubiläen gingen folgenlos an der Stadt vorbei, das dritte soll es richten: In drei Jahren liegt die Volksabstimmung im deutsch-dänischen Grenzland, die die jüngere Geschichte der Stadt maßgeblich beeinflusst hat, 100 Jahre zurück. 1995 zum 50. und zehn Jahre später zum 60. Jahrestag des Kriegsendes flammte in Flensburg die Diskussion um ein Museum oder zumindest eine Ausstellung zur Stadtgeschichte auf. Ergebnis: Fehlanzeige. Doch mit der Volksabstimmung 1920 wurde hier vor Ort zumindest deutsche Geschichte geschrieben. In drei Jahren soll es deshalb mindestens eine Sonderausstellung zur Geschichte der Grenzstadt Flensburg geben.

Der Fahrplan steht, die Kosten sind zumindest grob überschlagen. Am 18. Mai kommt es zu einem ersten Schwur: In einer Sondersitzung soll der Kulturausschuss der Ratsversammlung beschließen, ob die Stadt Geld in die Hand nehmen will, wann was umgesetzt werden soll. Es gibt ein dreistufiges Szenario, das eine zeitliche Abfolge von 2017 bis 2021 oder später sowie eine finanzielle Staffelung von 260  000 bis deutlich über zwei Millionen Euro enthält. Zuletzt wurde der Finanzausschuss in dieser Woche über dieses Konzept informiert.

„Die Entscheidungen müssen jetzt zeitnah fallen“, sagte Wolfgang Sappert, städtischer Fachbereichsleiter Bildung und Kultur, mit Blick auf das in drei Jahren anstehende Jubiläum. „Die inhaltliche Arbeit beginnt erst jetzt.“ Die Vorarbeit hat das Hamburger Unternehmen gwf-Ausstellungen geleistet. In seinem Konzept schlägt es drei Stufen der Realisierung vor: 1. eine virtuelle Ausstellung, die von Sommer 2017 mit 2018 umgesetzt werden könne; 2. eine Sonderausstellung auf 600 Quadratmetern, die zur Hälfte auf dem Museumsberg gezeigt werden könnte (ab Februar 2020); 3. eine Dauerausstellung, die frühestens 2021 an einem noch zu bestimmenden Ort eröffnet werden könnte.

Die Hamburger Experten schlagen das Jahr 1848 als Ausgangspunkt der Dauerausstellung vor: „Dieses Datum ist für die Geschichte der Region von großer Bedeutung, da die Auseinandersetzungen um Nationalstaaten und Grenzen fast das gesamte 19. Jahrhundert und auch die Zeit nach dem 1. Weltkrieg geprägt haben“, heißt es in dem Stufenkonzept. Die Sonderausstellung hingegen solle wegen des runden Jubiläum auf das Thema Grenze fokussiert werden. Die Ausstellungsprofis raten von einem chronologischen Zugang ab, sondern nennen Stichworte wie Grenzenlos, Grenzziehungen, Grenze als Erinnerungslandschaft sowie Grenze – na und?

Von der Idee, dass vorhandenes Fachpersonal diese Projekte umsetzen könne, müssen sparsame Stadtvertreter Abschied nehmen. „Für die inhaltliche Arbeit muss ein Kurator gefunden werden“, so Sappert. „So etwas lässt sich nicht nebenbei machen.“ Die Einrichtung eines Projektmanagements sei unabdingbar, stellen die Hamburger klar. Die Grundlagenarbeit ist getan, die Ergebnisse jahrzehntelanger Arbeit liegend auf Tausenden von Seiten in den Schriften der Gesellschaft für Stadtgeschichte bereit. Was fehlt, ist die museumsdidaktische Aufbereitung.

Vor zwei Jahren hatte die CDU-Ratsfraktion das Eckener-Haus als möglichen Ort für eine Dauerausstellung ins Spiel gebracht. Das ist heute offenbar kein Thema mehr. Das Eckener-Haus ist ein Sanierungsfall und eignet sich mit seiner kleinräumlichen Struktur vermutlich nur bedingt für den Zweck. Wie ein modernes Ausstellungshaus aussehen könnte, kann man seit kurzem am Industriehafen sehen, wo das Thema Geschichte des Yachtsports eindrucksvoll präsentiert wird.

Allein für die virtuelle Ausstellung sehen die Hamburger Experten Kosten zwischen 243  000 und 261  000 Euro; dazu kämen noch Kosten für das Projektmanagement „Stadtgeschichtliche Ausstellung“, für die IT-Betreuung und die Aktualisierung. Eine Dauerausstellung zur Stadtgeschichte würde rund eine Million Euro Kosten – ohne Ausgaben für ein Gebäude oder eine entsprechende Raummiete. Noch nicht geklärt ist, ob Interreg-Mittel der EU für Teile des Gesamtprojekts zu erwarten sind.

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