Menschen des Jahres 2017 Flensburg : Stadtgeschichte als Leidenschaft

Es ist die Frau mit den hochgesteckten Haaren: Dr. Dieter Pust zeigt auf das Selbstbildnis Käte Lassens auf ihrem Gemälde in der Heilandskapelle.
Es ist die Frau mit den hochgesteckten Haaren: Dr. Dieter Pust zeigt auf das Selbstbildnis Käte Lassens auf ihrem Gemälde in der Heilandskapelle.

Seit Jahrzehnten erweitert Dr. Dieter Pust ehrenamtlich die Kenntnisse über die Flensburger Historie

shz.de von
22. November 2017, 12:45 Uhr

Mancher mag es nicht glauben, aber Geschichte kann hochspannend sein. Spuren aufnehmen, Hinweisen nachgehen und schließlich die Entdeckung.

Zum Beispiel der Langberger Weg. Hinter dem Citti-Park hat diese Straße absolut null Charme, aber die Augen des Historikers sehen das Gelände ganz anders. Hier verlief in früheren Zeiten die lange umstrittene Grenze zwischen den Kirchengemeinden St. Marien und St. Nikolai, Auf diesen Streit stieß Dieter Pust in kirchlichen Unterlagen.

Hier wurden nach der Einigung Friedenssteine gesetzt und auf einer Karte verzeichnet. Auf diese Karte stieß Dieter Pust und machte sich auf die Suche. Die Steine haben offenbar alle ihre Liebhaber gefunden, bis auf einen. Pust fand ihn unter Unkraut auf dem Gelände des Friedenshügel /Ecke Friedensweg – eine Sternstunde für einen Stadtgeschichtler.

Eigentlich wollte Pust Offizier werden. Doch sein alter Religionslehrer stimmte ihn um. Pust studierte Geschichte bei dem renommierten Professor Erdmann in Kiel sowie das Fach Deutsch und hörte Vorlesungen beim späteren Ministerpräsidenten Dr. Gerhard Stoltenberg. Viele Flensburger kennen Pust aus seiner Zeit als Lehrer. Etliche Jahre war er außerdem Mitglied der Ratsversammlung.

Zur Stadtgeschichte kam Pust über einen Kreis stadtgeschichtlich interessierter Herren, der sich nach einer alten Gilde „Kaland“ nannte. Ziemlich schnell war der Historiker eingebunden in Projekte. An einer großen Publikation beteiligte er sich mit einer Darstellung der Sozialgeschichte Flensburgs. Ein anderes Vorhaben entwickelte sich zu einem Buchprojekt: Die Porträts der Könige und Oberbürgermeister, ein wertvolles Nachschlagewerk.


Stadtgeschichte in Straßennamen

Mit zwei Buchprojekten näherte sich Pust der Erläuterung Flensburger Straßennamen an. Das zweite Buch ist ein Standardwerk zur Stadtgeschichte. Darin erläutert der Autor nicht nur die Herkunft der Namen, sondern streut überall wertvolle Informationen zur Stadtgeschichte ein. So erfährt der Leser unter dem Stichwort „Parkhof“ über die kleine Wohnanlage in Mürwik, dass der Name an den einstigen „Göttig’s Park“ erinnert, angelegt vom Flensburger Kaufmann Heinrich Göttig. In dem Park wurden die von Göttig gesammelten Kunstgegenstände, Altertümer, Tiere und Pflanzen ausgestellt. Der dänische König Friedrich VII. besuchte mehrfach den Park, von dem heute in der Umgebung des Tunnels Kielseng nichts mehr zu finden ist.

So strotzt das Buch von einer Fülle stadtgeschichtlicher Informationen.

Das gilt auch für Pusts Buch „100 Jahre Heilandskapelle“. Der Autor beschreibt nicht nur, wie die Kirche nach langen Bemühungen der Bürger nach Weiche kam, sondern bei der Gelegenheit auch die Geschichte des Ortsteils. Jedes auffällige und wichtige Haus in Weiche ist benannt, bemerkenswert darunter der „Sirups-Tempel“.

Attraktion der Heilandskapelle ist das Wandbild von Käte Lassen. Detailliert stellt Pust dar, wo die Künstlerin die Vorbilder für die dargestellten Personen gefunden hat. Viele Flensburger wissen, dass sich Käte Lassen selbst auf dem Bild verewigt hat, können aber nicht die Person aufzeigen. Hier kann Dieter Pust weiterhelfen (siehe Foto).

Als in einer Flensburger Gaststätte ein historisches Bild der Flensburger Westseite auftauchte, erhielt Dieter Pust den Hinweis. Er erkannte den Wert des Kunstwerkes, recherchierte dessen Geschichte und machte es der Öffentlichkeit zugänglich.

Alle diese Aktivitäten als Historiker sind für Dieter Pust ein ehrenamtliches Feld. Gibt es für ihn als Stadtgeschichtler noch einen Glücksfall, den er sich vorstellen kann? „Es gibt noch etliche Funde im Stadtgebiet, die auf ihre Entdeckung warten“, deutet Dieter Pust an.

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