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Volkszählung von 2011 : Stadt will gegen den Zensus klagen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Differenz von 6500 Einwohnern sorgt immer noch für Diskussionsstoff. Und das nicht ohne Grund: Flensburg muss für den „Rückgang“ von Bürgern auf Millionen verzichten.

Flensburg | Zwei Jahre ist es nun her, dass die Ergebnisse des Zensus von 2011 veröffentlicht wurden. Damals hatte die Stadt angekündigt, gegen die Zahlen anzugehen – mit einem Widerspruch. Geht es nämlich danach, hat Flensburg weniger Einwohner als gedacht. Die damalige Statistik ließ die Fördestadt auf nur noch 82  258 Einwohner schrumpfen – statt der 88  807 Menschen, die das Melderegister zählte. Über diese Zahlen wird noch immer gestritten. Sie bedeuten nicht nur einen „Rückgang“ der Einwohner, sondern auch geringere Finanzzuweisungen. Die Differenz von 6500 Menschen kostet die Stadt Millionen. Nach dem Zensus würde die Stadt nämlich Sprecher Thomas Kuchel zufolge 3,5 Millionen Euro pro Jahr an Finanzzuweisungen verlieren. Nach den ab 2015 geltenden Regeln sind es sogar sieben Millionen Euro jährlich. Deshalb wird die Stadt gegen die Ergebnisse klagen – sobald ihr der Widerspruchsbescheid des Statistischen Bundesamtes vorliegt.

Man müsse erst die Begründung abwarten, stellt Kuchel klar, vorher könne man nicht klagen. Er geht jedoch davon aus, dass kurzfristig ein ablehnender Widerspruchsbescheid bei der Stadt eingeht. „Und dann werden wir klagen“, sagt er. In Baden-Württemberg laufen nach Informationen unserer Zeitung 144 Klagen ohne Widerspruchsbescheid. Könnte die Stadt Flensburg das nicht auch tun? Kuchel vermutet, dass diese Untätigkeitsklagen sind, denn die unterschiedlichen Zahlen wirken sich finanziell sofort aus. Die Städte und Kommunen im Süden hätten wahrscheinlich lange auf eine Antwort gewartet, die bis jetzt noch nicht eingetroffen ist.

Auch in Flensburg wartet man schon seit 2014 auf den Bescheid. 2013 habe sich die Stadt von Björn und Sören Christensen, zwei Wissenschaftlern von der Fachhochschule Kiel, beraten lassen und Sachverstand eingeholt. Björn Christensen hatte damals im Hauptausschuss der Ratsversammlung sehr anschaulich erklärt, warum die Zahlen des Zensus nicht stimmen können (wir berichteten). Für Diskussionsstoff sorgt dabei die Methode des Zensus. Im Unterschied zu einer klassischen Volkszählung gingen die Statistiker von einer Stichprobe aus und rechneten diese anschließend hoch. Eine Bevölkerungsgröße in Städten ab 10  000 Einwohnern wurde berücksichtigt, nicht jedoch die unterschiedlichen Einwohnerstrukturen.

Widersprüchlich ist außerdem die Zahl der Kleinkinder unter drei Jahren in Flensburg. Die Stadt hat diese anhand von Briefen gezählt, die an alle Familien mit Kindern in diesem Alter verschickt wurden. Da nur fünf Briefe unbeantwortet blieben, ging die Stadt von 2229 Kleinkindern aus. Laut Zensus sollen es aber nur 1970 sein.

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 19.Apr.2015 | 11:00 Uhr

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