Kleingärten in Flensburg : Stadt strickt fleißig an der Zukunft der Kleingärten

Am Wasserturm: Auch Teile der Kolonie 115 stehen zur Disposition – für ein neues Wohngebiet.
Am Wasserturm: Auch Teile der Kolonie 115 stehen zur Disposition – für ein neues Wohngebiet.

Mumm’sche Koppel wird geräumt: Entschädigung oder nicht? Neues Gesamtkonzept bis Mitte 2018

shz.de von
22. November 2017, 08:45 Uhr

Die Mumm’sche Koppel ist tot – es lebe das Kleingartenwesen: So lassen sich die neuesten Entwicklungen aus dem derzeit intensiv diskutierten Themenkomplex Zukunft der Schrebergärten in Flensburg zusammenfassen. Die Kolonie zwischen Sandberg und Campus, die der Besitzer der Fläche gern bebauen lassen möchte, hat der Verein der Gartenfreunde als Dachverband aller Kolonien in Flensburg bereits abgeschrieben. „Die Kolonie wird derzeit geräumt“, sagte Vorsitzender Hans-Hermann Otten gestern.

Nachdem sich im Frühjahr und im Sommer einige der Pächter auf der Mumm’schen Koppel gegen die Bebauung gewehrt und für den Erhalt gekämpft hatten, bittet jetzt der Verein der Gartenfreunde geradezu um einen Bebauungsplan. Der Grund: Nur dann gibt es eine Entschädigung für die Gärtner, die ihre Parzellen verlassen. Das habe der Rechtsanwalt der Kleingärtner so mitgeteilt. Noch sei die Erbengemeinschaft, der die Fläche gehört, – in Rede sind insgesamt 120 000 Euro – nicht zu einer Zahlung bereit, so Otten.

Am kommenden Dienstag entscheidet der Umwelt- und Planungsausschuss, ob ein Bebauungsplan aufgestellt wird. Er hatte diese Entscheidung bis zur Sitzung des Kleingartenausschusses, der gestern tagte, auf Eis gelegt.

In Zukunft sollen die Kleingärten der Stadt nicht mehr als Verfügungsfläche der Stadtplanung herhalten. Bis Sommer nächsten Jahres soll ein neues Kleingartenkonzept stehen, dessen Eckpunkte der städtische Chefplaner Peter Schroeders gestern erläuterte. Demnach soll die Zahl der heute aktiven Gartenparzellen – rund 2000 – bis zum Jahr 2035 erhalten bleiben. Insgesamt gibt es heute rund 2500 Parzellen, aber nur 2000 sind bewirtschaftet. Schroeders stellt klar: „Kleingärten sind kein Auslaufmodell“.

Das Konzept soll zwei Gruppen von Kolonien benennen: solche, die dauerhaft erhalten und stabilisiert werden sollen, und solche, die künftig aufgegeben und für Wohnbebauung genutzt werden können. In der ersten Gruppe möchte Schroeders durch ein „Umzugsmanagement“ die Leerstände abbauen. Otten gab jedoch zu bedenken, dass es schwer sei, Kleingärtner zum Umzug in eine andere Parzelle zu bewegen.

Als dritte Gruppe kommen neue Kleingartenanlagen dazu. Sie müssten in der Nähe von Wohngebieten liegen, eine angemessene Größe haben, mit Strom, Wasser und Abwasser ausgestattet sein. Zudem sollten die neuen Kolonien – anders als die bestehenden – grundsätzlich öffentlich begehbar sein.

Schroeders möchte zudem über moderne Formen des Gärtnerns nachdenken: „Urban Gardening“ sei ein Stichwort, auch erwähnte er die ganz neuen, offenen Gärten auf dem Freifeld Tempelhof in Berlin-Neukölln. In Workshops sollen solche Ideen unter Einbeziehung der Flensburger Kleingärtner diskutiert werden.

Ein aktueller Anlass für neue Gedanken in der Kleingärtnerei hat sich durch die Klinik-Planung ergeben. Aller Voraussicht nach müssen für den Krankenhaus-Neubau im Bereich Peelwatt rund 90 zum Teil sehr idyllisch gelegene Kleingärten weichen. Schroeders räumte ein: „Ein Refugium wie Peelwatt kann man nicht ersetzen. Aber wir wollen es kompensieren.“ In unmittelbarer Nähe des Klinik-Neubaus sollen neue, moderne Kleingärten als Teil eines Gesundheitsparks entstehen.

Im Ausschuss warb Pelle Hansen dafür, auch Kleingartenflächen für die Zukunft als Reserve vorzuhalten. „Die Flächen, die wir jetzt bebauen, die kriegen wir nie wieder“, ergänzte Fraktionskollege Stefan Thomsen. Glenn Dierking (SSW) könnte sich vorstellen, auch Wohnen in Form von „Mini-Housing“ in Kleingärten zu ermöglichen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen