Kulturzentrum in Flensburg : Stadt setzt Kühlhaus unter Druck

Skeptischer Blick in die Zukunft: Kühlhaus-Geschäftsführer Harald Smorra (vorn) und seine Kollegen beobachten die Aktivität der Stadt mit Argwohn. Foto: Staudt
Skeptischer Blick in die Zukunft: Kühlhaus-Geschäftsführer Harald Smorra (vorn) und seine Kollegen beobachten die Aktivität der Stadt mit Argwohn. Foto: Staudt

Das Flensburger Kulturzentrum Kühlhaus steht dem Bau eines neues Stadtviertels am Bahnhof im Weg - und prompt überraschen die Ämter mit "Routineüberprüfungen".

shz.de von
09. März 2013, 09:50 Uhr

Flensburg | Ob das wirklich Zufall ist? Vor einem Monat teilte der Vorstand des Kühlhauses der Stadtplanung mit, dass die Kultureinrichtung ihr Grundstück nicht für die Gestaltung des neuen Stadtteils im Bahnhofsumfeld zur Verfügung stellen wird. Prompt gibt es Ärger. Sieben Jahre nach Abschluss der Sanierung des Kühlhauses stellte das Bauordnungsamt fest, dass damals vergessen wurde, die Baufertigstellungsanzeige zu erstatten. Und weil seither städtische Nachfragen auch auf anderen Feldern des Kühlhausbetriebes aufflackern, ist man am Mühlendamm hochgradig beunruhigt.

Geschäftsführer Harald Smorra ist momentan wenig geneigt, hinter der plötzlichen Aktivität Zufall zu vermuten. "Die Sanierung lief in enger Begleitung der Stadt. Sieben Jahre haben wir Verwendungsnachweise geschickt, hatten wir Begehungen, wurden wir gefördert. Das müssen die doch wissen, oder?" Die Frist läuft am 15. März ab - was angesichts sieben beschwerdefreier Jahre jetzt extrem kurzfristig erscheint. Smorra geht davon aus, dass die Stadt eine komplette Neuabnahme des Kühlhauses plant. Und klar - im Hintergrund wächst die Angst, dass jemand den störenden Grundeigentümer mit ordnungsrechtlichen Mitteln aus dem Weg räumen will.

Kühlhaus vor dem Aus?

Die vom Fachbereich Entwicklung und Innovation bevorzugte Lösung steht in Sichtweite, direkt am Bahndamm. Zwei unter Denkmalschutz befindliche Bahngebäude. Hier sieht Planungs-Chef Peter Schroeders ein großes Kulturzentrum entstehen, in dem dann auch das Kühlhaus ein dauerhaftes Quartier finden könnte. Smorra findet diesen Gedanken schon aus zwei Gründen wenig überzeugend. "Wenn sich der Verein auf diesen Kuhhandel einlässt und in die Reichspost zieht, ist das Kühlhaus tot." Das ist das eine Argument. Das andere ist auch irgendwie tödlich. "Wie will die Stadt Kauf und Errichtung eines Kulturzentrums dort überhaupt bezahlen? Die Gebäude gehören einem dänischen Investor!"

Und der dänische Investor verfolgt ganz andere Pläne. Er will Studentenappartements bauen. In dem kleineren der beiden Gebäude, so Jens Christiansen von der zuständigen Duburger Hausverwaltung, sei das auch schon geschehen. Die 28 Appartements seien binnen kürzester Zeit vergeben, der Bau von 60 weiteren jedoch jäh gestoppt worden. Und zwar durch die Stadt Flensburg. "Wir waren zu voreilig und hatten ohne Anmeldung begonnen", räumt Christiansen ein. Aber die Stadt sehe das Projekt insgesamt skeptisch. Die vorhandene Wohnnutzung sei nur noch geduldet - Zukunft ungewiss.

Unzuverlässiger Nachbar

Paradox findet Christiansen, dass der Weiterbau mit der fehlenden Erschließung begründet werde. In der Tat gehört das Gelände rings um die beiden dänischen "Inseln" dem Nachbarn Elektro Muttersbach, der das Gelände noch vor der Stadt und den Dänen für vergleichsweise mickrige 90.000 Euro von der Bahn gekauft haben soll. Die Nutzung des Bahnweges erlaube oder untersage er je nach Tagesform. "Verlässlich ist das leider nicht", sagt Christiansen. Im Prinzip kann man uns nur noch per Hubschrauber erreichen. Stadtplanung habe ich mir immer anders vorgestellt."

Clemens Teschendorf, Sprecher der Stadtverwaltung, kann dazu nichts sagen, weil privatrechtliche Verträge berührt sind. Im Fall des Kühlhauses gibt er dafür Entwarnung. Die Überprüfungen durch die Ordnungsbehörden seien reine Routine im Zuge der Aufarbeitung von Altfällen. Eine Gefahr für das Kühlhaus sehe die Verwaltung nicht.

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