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Apartmenthaus in Schleswig : Stadt plant Fußweg quer durch den Garten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ohne Eintragung im Grundbuch: Stadt Schleswig will öffentliche Wege auf Privatgrundstücken anlegen. Bei den Betroffenen herrscht Empörung.

von
erstellt am 03.Okt.2014 | 17:50 Uhr

Schleswig | Die Hecke vor dem Apartmenthaus mit der Adresse „Zum Netzetrockenplatz 4“ ist frisch gepflanzt. Die Eigentümergemeinschaft des Hauses auf der Freiheit hatte einstimmig beschlossen, ihren Rasen mit Rosen einzugehen. Doch es ist gut möglich, dass die jungen Pflanzen bald wieder aus der Erde gerissen werden. Die Stadt Schleswig plant einen öffentlichen Fußweg quer über das Privatgrundstück. Anderthalb Meter von der Hauswand entfernt.

Die Eigentümer sind entsetzt. „Wir sind aus allen Wolken gefallen, als wir davon hörten“, sagt Peter Finger, ein 73-jähriger ehemaliger Einzelhandelskaufmann, der vor zwei Jahren mit seiner Frau Karin (70) aus Quickborn auf die Freiheit zog. Für die Wohnung mit Panoramablick über die Schlei hätten sie sehr viel Geld ausgegeben, sagt er. Von dem geplanten Weg habe ihnen niemand etwas gesagt.

Die Stadt Schleswig beruft sich auf den Bebauungsplan (B-Plan) für die Freiheit. In ihm sind sieben Stichwege eingezeichnet, die das Wohngebiet mit dem Schleiufer-Wanderweg verbinden, der derzeit gebaut wird. Im Jahr 2004 hatte die Entwicklungsgesellschaft Team Vivendi mit der Stadt einen städtebaulichen Vertrag geschlossen, der Grundlage ist für den B-Plan. „Die Stadt hat das Recht, den Anspruch auf die Verbindungswege in das Grundbuch eintragen zu lassen“, teilt Rathaus-Sprecherin Antje Wendt auf sh:z-Nachfrage mit.

In den Kaufverträgen, denen die Fingers und ihre Nachbarn mit Team Vivendi abschlossen, findet sich ein Hinweis auf diesen B-Plan. Dessen Bestimmungen, heißt es dort, seien zu beachten. Das ist keine ungewöhnliche Formulierung in Grundstückskaufverträgen. Welche einschneidene Bedeutung in diesem Fall dahintersteckte, habe ihnen niemand erklärt, versichern die Fingers. Dasselbe sagt Dörte Schoenmakers (64), eine pensionierte Lehrerin, die vor wenigen Monaten aus Nordrhein-Westfalen in das Apartmenthaus zog. Team-Vivendi-Geschäftsführer Volker Schlüschen sagt dazu: „Alle Kaufverträge sind einwandfrei und von der Stadt genehmigt worden.“

Allerdings könne er sich nicht mehr erinnern, ob die Verbindungswege in den Verkaufsgesprächen Thema gewesen seien. „Und bei den Notarterminen bin ich in den seltensten Fällen persönlich dabei.“

Die Bewohner warten nun auf ein Gespräch mit Vertretern des Bauamtes, das ihnen bereits zugesichert wurde. Große Hoffnungen macht die Stadtverwaltung ihnen aber nicht. Auf die Verbindungswege zu verzichten, sei nicht denkbar, sagt Wendt. Die Fingers können sich inzwischen einen Kompromiss vorstellen: Vielleicht, überlegen sie, ließe sich der Weg um ein paar Meter verschieben, so dass er nicht mehr an der Hauswand entlang mitten übers Grundstück verläuft, sondern auf der Grenze zum Nachbargrundstück?

Außerdem wünschen sie sich Gewissheit, dass sie nicht für Räum- und Streudienste und andere Verpflichtungen in Anspruch genommen werden. Ein paar Monate bleibt noch Zeit für eine Einigung. Die Stichwege sollen frühestens im kommenden Frühjahr gebaut werden, wenn der Schleiufer-Wanderweg fertig ist.

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