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Stadt lässt Werbebanner mit Jens Drews entfernen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Fachbereich Vermögen moniert unzulässige Wahlwerbung an einem öffentlichen Gebäude

Jens Drews ist sauer. Da hat er so zuversichtlich und freundlich zugewandt von der Westfront des Deutschen Hauses auf den fließenden Verkehr geblickt. Hinab auf täglich über 30  000 Autos, Busse und die dort wandelnden Bürger. Und jetzt ist das luftige Vergnügen auch schon vorbei.

Es währte ganze drei Tage, dann schlug die Stadt zu – in Gestalt des zuständigen Fachbereichsleiters Vermögen: Michael Draeger griff zum Telefon und wies die Mitarbeiter des Werbeflächen-Vermieters Förde Show Concept (FSC) an, das 18 Quadratmeter große Plakat sogleich zu entfernen. Es verstoße gegen die gültigen Regeln von Wahlwerbung. Maßgeblich seien Parameter wie Gleichheitsgrundsatz und Neutralitätspflicht.

Wohlgemerkt, das Urteil fiel im Fachbereich und nicht auf einer übergeordneten Ebene.

Wahlwerbung? „Unabhängig denken. Konsequent handeln“, lautet der Slogan auf dem Banner. Schlüsselwörter wie Oberbürgermeister, Wahl, 5. Juni 2016 oder Verwandtes sucht man vergeblich. Wäre man spitzfindig, könnte man anführen, dass Tugenden wie Konsequenz und Unabhängigkeit den Eigenschaften eines Optikermeisters nicht zuwider laufen. Das ist Jens Drews bekanntlich in seinem beruflichen Leben, neben seiner Eigenschaft als Kandidat für den höchsten Verwaltungsposten im Rathaus.

Gleichwohl, das Plakat muss weg, befand die Stadt. „Nicht zulässig ist Wahlwerbung an öffentlichen Gebäuden“, erläutert deren Sprecher Clemens Teschendorf. Ergo: Das Verdikt gilt genauso für Schule, Kindergarten, Museum, Theater. Oder gar das Rathaus selbst. „Das Verbot “, so Teschendorf, „greift umso mehr, wenn das betreffende Gebäude so prägnant ist.“

Ein Buswartehäuschen würde gemäß dieser Definition nicht betroffen sein. Dort nämlich hat sich OB-Kandidatin Simone Lange in großer Zahl vervielfältigt. Und das wiederum bringt den Optiker auf die Palme. Ein Wartehäuschen an einer Bushaltestelle sei, argumentiert er, für jedermann zugänglich, mithin ein öffentlicher Bau, der vom Technischen Betriebszentrum, Aktiv-Bus und der Zob GmbH verwaltet wird.

Und was ist eigentlich mit dem FDP-Mann Kay Richert, dessen Name (fein säuberlich!) als blaues Graffitto auf Bürgersteigen und Fahrradwegen auftaucht?

Jens Drews jedenfalls hat eine Menge Geld in den Sand gesetzt. Für die Entwicklung des Designs, die Produktion und das Aufhängen hat er nach eigener Schätzung „locker 1500 Euro“ berappen müssen. Hinzu kommen die Mietkosten. Und der Ärger, über die Maßnahme nicht informiert worden zu sein.

Wer die Demontage bezahlen muss, ist noch nicht abschließend geklärt. Vielleicht hat FSC-Geschäftsführer Peter Thomsen ein Erbarmen und kommt dem gebeutelten Optiker entgegen, dem keine finanzstarke Lobby den Rücken stärkt.

Der Unternehmer gibt sich noch bedeckt. „Ich mache keine Werbung“, sagte er lediglich, „ich verkaufe sie.“




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