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Harniskaispitze : Stadt kommt unter die Bauwagenräder

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Verwaltung will Grundstückssuche für Luftschloss-Siedler beenden, doch die Politik spielt nicht mit. Ein Konzept für alternatives Wohnen wird gefordert.

Flensburg | Das war nichts. Der Planungsausschuss stoppte gestern einen Versuch der Bauverwaltung, sich aus der Standortsuche für alternative Wohnformen auszuklinken. In einer Beschlussvorlage hatte die Verwaltung das Ergebnis ihrer zehnwöchigen Untersuchung von 27 Alternativstandorten für die Bauwagen-Gemeinde der ehemaligen Luftschlossfabrik auf zwei mickrige Optionen eingekocht. Option 1 war die Umsiedlung auf ein Grundstück am Alten Kupfermühlenweg, die aber wegen schon laufender Verhandlungen mit anderen Interessenten wenig aussichtsreich ist; Option 2 die Räumung der vorübergehend zur Verfügung gestellten Ausweichfläche an der Europawiese. Das Ergebnis kam nicht gut an. „Eine Frechheit“, befand Grünen–Ratsherr Stefan Thomsen. „Eine Unverschämtheit!“ Und mit dieser Einschätzung war er nicht allein.

Am Ende der Debatte, draußen vor dem Sitzungssaal, konnte die kleine Schar der Bauwagen-Siedler ihr Glück kaum fassen. Die Verwaltung muss jetzt nämlich nachsitzen, und sie muss relativ schnell liefern, was am 2. Februar unter dem Eindruck der umstrittenen Zwangsräumung im Hauptausschuss beschlossen worden war – „unter Einbeziehung des Sanierungsträgers eine Beratung des Planungsausschusses fachlich vorzubereiten, die Rahmenbedingungen und Möglichkeiten für alternative Wohnformen (wie z.B. Bauwagensiedlung) darstellt und Handlungsmöglichkeiten aufzeigt“, so der Wortlaut damals.

Das gestern vorgelegte Ergebnis fiel – mit einer Ausnahme – bei allen Fraktionen mit der Note ungenügend durch. Einzig die FDP war eigentlich zufrieden und stimmte für den Verwaltungsvorschlag, die Bauwagen-Bewohner von der Europawiese zu vertreiben und das Kapitel abzuschließen. Christoph Anastasiadis erinnerte an die Abmachung, dass ein konstruktiver Prozess mit den Betreibern der geräumten Luftschlossfabrik nur mit einer klaren Distanzierung von Gewalt eingeleitet werden könne. Das sei seitens der Gruppe bis heute nicht geschehen, so das bürgerschaftliche Mitglied der Fraktion.

Diese alten Geschichten wollten die anderen Fraktionen aber nicht mehr aufwärmen. Sie scharten sich stattdessen um die Grünen, die von der Verwaltung verlangen, den am 2. Februar erteilten Auftrag endlich abzuarbeiten. Immerhin hatte Bürgermeister Henning Brüggemann, der die Vorlage eingebracht hatte, selbst darauf hingewiesen, dass mittelfristig geeignete Flächen gefunden werden könnten. Bis zur Bereitstellung eines erschlossenen Geländes für alternative Wohnformen sollen – die Anregung kam von Glenn Dierking (SSW) – die restlichen Bauwagen beim Kühlhaus befristet Quartier finden, wo schon andere Betroffene die rollenden Heime abgestellt haben.

Was jetzt kommt, könne mehr als ein Jahr dauern, klagte Brüggemann, aber er konnte niemanden erweichen. Noch vor der Sommerpause will die Politik wenigstens im Grundsätzlichen Ergebnisse sehen. Und wegen der an der Europawiese angeblich so unzulässigen Wohnform, so der Rat von Ratsfrau Gabi Ritter (Linke), möge sich die Verwaltung nicht zu viele graue Haare wachsen lassen. Anderswo in Flensburg brächten ungenehmigte Wohnformen in bester Lage ganze Fördehänge ins Rutschen, meinte sie. „Und da drücken Sie seit Jahren schon beide Augen ganz fest zu.“

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erstellt am 20.Apr.2016 | 08:00 Uhr

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