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Flensburger Tageblatt

18. Oktober 2017 | 15:42 Uhr

Tiefbauarbeiten : Stadt klemmt Kleingärtner ab

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Überraschung für die Kleingartenfreunde am Wasserturm: Das Technische Betriebszentrum sperrt die einzige Zufahrtsstraße wegen Bauarbeiten auf Monate.

shz.de von
erstellt am 25.Sep.2013 | 07:58 Uhr

Am 15. September war für Johannes Knutzen und mindestens 500 Gleichgesinnte die Welt unterm Wasserturm noch in Ordnung, einen Tag später war Schluss. Seit Montag, 16. September, sind die Gartenkolonien entlang der Straße Am Volkspark von der Außenwelt abgeschnitten, hier buddelt das TBZ für die Kanalisation des geplanten Neubaugebiets am Wasserturm. Und wenn das TBZ Mitte Oktober fertig ist, buddeln hier die Stadtwerke. Und wenn die Stadtwerke fertig sind, dürften es die Kleingärtner auch sein. Fertig mit den Nerven.

Das jedenfalls fürchtet Gerhard Schaffrath. Er ist Zweiter Vorsitzender des Vereins der Gartenfreunde, dem Dachverband der Flensburger Kolonisten. „Wir haben im Grunde ein völlig entspanntes Verhältnis zur Stadt. Aber hier“, sagt Schaffrath, „hier ist was schief gelaufen. Hier hat jemand Mist gebaut.“ Die kleine Straße, die zum Wasserturm führt, ist momentan vollständig von einem großen gelben Bagger und einem eifrig straßauf, straßab eilenden Schaufellader okkupiert. Wo die beiden sind, kann im engen Straßenraum nichts anderes sein, von daher ist die durch Verkehrszeichen 250 (Verbot für Fahrzeuge aller Art) abgesicherte Vollsperrung nachvollziehbar. Schaffrath hätte sich nur zwei Dinge gewünscht: Erstens, dass jemand den Nutzern einer der größten zusammenhängenden Pachtflächen Flensburgs rechtzeitig Bescheid gibt, und zweitens, dass man dann in diesem Zusammenhang versucht hätte, eine Ausweichlösung zu finden.

Das aber ist ganz offenbar am Volkspark nicht geschehen. Auch wenn zwei Hinweistafeln an der Bismarckstraße beziehungsweise Mürwiker Straße den Eindruck erwecken, es gebe eine Zufahrt über Ziegeleistraße, Ballastbrücke und Kielseng – es gibt für Fahrzeuge keine Alternative zu der von Bagger und Schaufellader versperrten Straße. Und Fahrzeuge sind im Moment wichtig für die Kleingärtner. „Wir müssen die Gartenhäuser winterfest machen und Elektrogeräte herausbringen“, sagt Johannes Knutzen, einer der Gartenpächter. Auch nicht unerheblich: Es ist Erntezeit. Und viele Mitglieder betreiben Nutzgärten. „Es gibt in vernünftigem Abstand keine Parkplätze“, sagt Eckart Günter, noch ein Gartenpächter. Und es scheint in den Überlegungen des TBZ keine Rolle gespielt zu haben, dass der überwiegende Teil der Pächter der fast 500 Parzellen zwischen 60 und 70 Jahre alt ist und wenig Lust auf regelmäßige Gewaltmärsche verspürt. Zu guter Letzt erinnert Schaffrath an die jüngsten Laubenbrände. Rettungswege? Fehlanzeige!

Gemeinsam mit dem beim TBZ zuständigen Sachbearbeiter Wolfgang Gröning sei die Problematik bereits erörtert worden. Die Idee, über Jahnstraße und Blasberg das hinter der Kleingartenanlage gelegene Wegenetz zu benutzen, wurde im TBZ wieder verworfen. „Man sagte uns, das ginge nur, wenn wir entstehende Schäden bezahlen“, so Schaffrath. Und Eckart Günter fasst den allgemeinen Unmut in einem Satz zusammen: „Ich verstehe nicht, warum wir als Pächter der Stadt überhaupt über dieses Thema diskutieren müssen!“

Vielleicht ist der Zug nicht abgefahren. Aus dem TBZ kommt ein neuer Gedanke, wie man den Zugang zu den Parzellen öffnen könnte. TBZ-Sprecher Ralf Leese bringt die Option einer befristeten Zufahrt ins Spiel. „Man könnte die Straße Am Volkspark abseits der Bauarbeiten an einem Wochenende öffnen“, schlägt er vor. Leese zeigt Verständnis für die Probleme der Pächter, gibt einer dauerhaften Wochenendregelung aber keine Chance. „Das ist dann wie im Yachthafen. Da gibt’s einen Krantermin und der ist einzuhalten.“

 

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