Hundesteuer : Stadt bittet Hundeliebhaber zur Kasse

Jessica Viedts (23) muss mit ihrem Hund, den sie erst seit Freitag hat, die angehobene Steuer ertragen. 'Dass die Hundesteuer erhöht wurde, finde ich nicht okay!'
1 von 5
Jessica Viedts (23) muss mit ihrem Hund, den sie erst seit Freitag hat, die angehobene Steuer ertragen. "Dass die Hundesteuer erhöht wurde, finde ich nicht okay!"

3100 Hunde sind in Flensburg gemeldet. Die lassen täglich eine Tonne Dreck liegen - worum sich Herrchen kümmern muss. Dass die Hundesteuer steigt, hat damit nichts zu tun.

Avatar_shz von
16. Januar 2009, 10:42 Uhr

Flensburg | Hunde halten hält auf Trab, erhellt das Gemüt und kostet seit Januar mehr. Mit dem ersten Tag des Jahres trat der Beschluss über die Anhebung der Hundesteuer und eine Satzungsänderung in Kraft. Thomas Hansen, Pressesprecher der Stadt, weiß es aus erster Hand: Statt im Vorjahr 234 Euro zahlt er für seine beiden Labrador-Damen nun 270 Euro. Bona kostet nun 102 Euro, Emily 168 Euro jährliche Hundesteuer. Zuvor wurden 78 und 156 Euro fällig.

Die Erhöhung um mehr als ein Drittel für das erste Tier geht auf einen Erlass des Innenministeriums zurück. Und das Zauberwort dazu heißt Fehlbetragszuweisung. "Bevor eine finanziell angeschlagene Kommune Fehlbetragszuweisungen bekommt - wenn sie sich nicht mehr selbst helfen kann -, muss sie alle finanziellen Möglichkeiten ausgeschöpft haben", erklärt Thomas Hansen. Vorausgesetzt wird, dass die Kommune einen Minimalbetrag von 90 Euro für die jährliche Hundesteuer ansetzt. Diese fließt in den städtischen Haushalt und ist nicht zweckgebunden.
Reinigung mit Hundekotsaugern
Wer Sozialhilfe bekommt und sich einen Hund leistet, darf das ermäßigt tun. Dabei muss der Gesetzgeber insbesondere an Ältere gedacht haben, deren soziale Kontakte sich möglicherweise in diesem Tier erschöpfen. Wer einen gefährlichen Hund Gassi führt, musste dafür im vorigen Jahr 420 Euro, nun 600 Euro aufwenden. Flensburg erhebe mit dem neuen Satz mehr Steuer als Neumünster (80 Euro für den Ersthund), sei aber günstiger als Kiel (108) und Lübeck (126), weiß Hansen.

Geld kostet allerdings die Reinigung der Straßen, die das Technische Betriebszentrum (TBZ) besorgt, aus eigenem Budget. Gerade habe er Hundekottüten nachbestellt, berichtet Thomas Russ vom Kundenservice. Monatlich würden 30 Kartons benötigt, die 300 Euro kosteten. Die Spender seien im gesamten Stadtgebiet verteilt worden. "Private Paten" assistierten auf diesem Aufgabenfelde. Mit Hundekotsaugern gingen schließlich Mitarbeiter der Beschäftigungsgesellschaft Bequa gegen die Haufen zu Werke. Der zuletzt gültigen "Hundefibel" entnimmt Russ eine Musterrechnung mit der Größe 300 Gramm, welche die täglich auffallende Menge Hundekot pro Hund beziffert. Multipliziert mit 3100 gemeldeten Hunden in Flensburg häufen sich damit jeden Tag stattliche 930 Kilogramm an, eine knappe Tonne.

Normalerweise ist der Tierfreund selbst gehalten, die Minen zu entschärfen. Jedoch lasse sich gegen diese Ordnungswidrigkeit nur schwerlich vorgehen: "Das ist ein schwieriges Feld - man müsste sie auf frischer Tat ertappen", räumt Russ ein. Wo Sanktionen kaum erzwingbar sind, ist Rücksicht allerseits bestimmt besser.


Steuervergleich
Seit dem 1. Januar gelten für Flensburg folgende Hundesteuersätze: 102 Euro für den ersten Hund, 168 für den zweiten Hund, 186 für jeden weiteren, 600 Euro für Gefahrhunde. Glücksburger Hundefreunde bezahlen 90 Euro für ihren Erstling und 120 Euro für jeden Nachkömmling. In Harrislee halten Halter die Leinen ihrer Lieblinge am günstigsten mit: 48 Euro für den ersten, 78 Euro für den zweiten und 102 Euro für jeden weiteren Hund.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen