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ETSV Weiche : Stadion-Ausbau mit gebremster Euphorie

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Ausschuss beschließt die Modernisierung des Flensburger Stadions. Der Profifußball steht in der Pflicht.

shz.de von
erstellt am 21.Mär.2016 | 08:00 Uhr

Flensburg | Am Ende bekam der Antrag, wie erwartet, den politischen Ausschuss-Segen, aber ein felsenfestes Bekenntnis zum Profisport-tauglichen Ausbau des Stadions wurde nicht daraus. Stattdessen sprach man im Sportausschuss am Mittwoch über die Grenzen eines Projektes, dem voreilige Enthusiasten mit 3,5 Millionen Euro schon mal ein Preisschild angehängt hatten.

Seit dem Beschluss von letzter Woche gilt Folgendes: Das Stadion wird in den kommenden Jahren zu einer leistungsorientierten Sportstätte umgebaut; für den Fall des Aufstiegs des Regionalliga-Dritten ETSV Weiche in die 3. Profi-Liga wird seitens der Stadt gewährleistet, dass die Heimspiele im Stadion ausgetragen werden können; die Stadt vereinbart mit Verein, Verbänden und dem Trägerverein des Stadions einen Stufenplan für die dafür erforderliche bauliche Aufwertung. Damit dürfte klar sein: Flensburg wird den Vorgaben des Sportwentwicklungsplanes folgend auch und vermutlich vorrangig das Stadion aufwerten. Für die speziellen Anforderungen einer Lizensierung nach den Vorgaben des Deutschen Fußball-Bundes aber stehen auch die Fußballer in der Pflicht.

„Noch kostet es nichts“, versuchte Fachbereichsleiter Wolfgang Sappert den großen Schattenwurf des Sanierungsprojektes etwas aus dem Weg zu scherzen, aber es wirkte nicht richtig. Quer durch die Fraktionen hatte sich eine Reihe von Bedenken angesammelt, die sich nicht so ohne Weiteres vom Tisch wischen ließen. Die deutlichsten Worte fand Christian Dewanger. Der WiF-Ratsherr sieht den ETSV Weiche in der Bringschuld für konstruktive Finanzierungsvorschläge. „Die Stadt kann das nicht allein!“, warnte er. Mit dem Aufstieg würde der ETSV in die Elite der DFB-Ligen aufrücken. Da gebe es keine Jugendarbeit mehr, da sei Fußball ein Geschäft. Stadt und Verwaltung sieht er unter steigendem Zeit- und Entscheidungsdruck schlecht aufgestellt. „Ich habe Zweifel, dass das unter Denkmalschutz funktioniert. Es gibt da eigentlich einen festen Katalog mit den Anforderungen des Deutschen Fußball-Bundes, und ich wundere mich, warum der hier noch nicht vorliegt.“ Für Dewanger zielt die Beschlussvorlage daneben. „Die Lizenz gibt’s nur, wenn das Stadion drittligatauglich ist. Die Vorlage macht umgekehrt den Ausbau des Stadions von der Lizenzerteilung abhängig. Das macht der DFB nicht mit.“ Und die Zeit wird knapp. „Im August“, so Dewanger, „muss das Stadion fertig sein.“

Auch die CDU hatte bei aller Sympathie ein paar Anmerkungen. Jan to Baben (CDU) meldete Zweifel an, dass im mittlerweile durch Wohnbebauung kräftig verdichteten Fruerlunder Umfeld regelmäßige Sportveranstaltungen mit bis zu 12000 Besuchern – darunter auch sicherheitsrelevante Rowdygruppen – abgewickelt werden können. Christian Lucks (FDP) ist – bei aller ETSV-Begeisterung – ebenfalls skeptisch. „Wir reden hier über viel Geld“, so Lucks. Es sei vorher zu prüfen, ob diese Form der Unterstützung zu den freiwilligen Aufgaben der Stadt gehört. Er beantragte 1. Lesung - und damit die Vertagung des Themas auf die nächste Sitzung am 18. Mai – wie übrigens Julia Döring von den Bündnisgrünen auch.

Sie warnte davor, mit der Vorlage einen Blanko-Scheck über Millionen Euro zu unterschreiben. Es sei beim jetzigen Kenntnisstand einfach zu früh, auf sofortigen Ausbau zu setzen. Uneingeschränkte Fürsprache fand die Vorlage einzig beim Ausschuss-Vorsitzenden Hans-Joachim Haut (SPD) und bei Edgar Möller (SSW). Haut zeigte sich bitter enttäuscht über die negative Haltung der Kollegen. „Investieren müssen wir doch ohnehin. So eine Chance muss man nutzen!“, meinte Haut mit Querverweis auf die Erfolgsstory des Handballs, die ebenfalls mit einer geeigneten Sportstätte begonnen habe. Doch in Handballkreisen weist man dezent darauf hin, dass die SG Flensburg-Handewitt die heutige Flens-Arena auch nicht zum Nulltarif bekommen habe, sondern im Gegenteil mit jährlich fast 500  000 Euro einen großen Anteil an der Finanzierung bestreitet.

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