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Kirchensanierung : St. Jürgen wird zusammengeschraubt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Gemeinde plant ab Mitte Mai spektakuläre Sanierung mit daumendicken Stahlstangen in zehn Metern Höhe – und hofft noch auf Spender.

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2014 | 12:00 Uhr

Vom Urgroßvater eines Mitglieds der Kirchengemeinde St. Jürgen ist folgende Geschichte überliefert. Beim Bau der Kirche habe es damals plötzlich Zeitdruck gegeben: Zur Einweihung im Jahr 1907 war Kaiserin Auguste Viktoria angekündigt. Der am Bau beteiligte Zimmerer hat seinem Urenkel erzählt, dass er damals gedacht habe – dieser Druck werde sich rächen. Die Kaiserin kam übrigens doch nicht.

Ob die Geschichte stimmt? Pastor Stefan Henrich kann es nicht sagen. Für die Risse im Gewölbe und in den Außenmauern sei wohl nicht eine einzige Ursache verantwortlich. „Der Glockenturm mit seinen Schwingungen war es jedenfalls nicht“, sagt der Pastor. Schon eher, dass die Kirche am Hang von Jürgensby immer ohne Schutz im Wind steht: „Im Grunde hätte man an dieser Stelle gar nicht bauen dürfen“, sagt er.

110 Jahre nach dem Baubeginn ist man auf Jürgensby nicht nur schlauer, sondern auch fest entschlossen, das vielleicht stadtbildprägendste Gebäude der Stadt zu erhalten: „Abriss war nie eine Option“, versichert Henrich. Im Gegenteil: Seitdem die Synode 350 000 Euro für die Sanierung bewilligt hat, laufen die Planungen für die auf rund eine halbe Million Euro geschätzte Sanierung. Dabei nehmen die Kirchenleute Abstand vom Plan, das Gewölbe mit Karbon zu ummanteln. Jetzt wird der Vorschlag des zweiten Gutachters Karl-Ernst Bürkner (Ellerhoop) ausgeschrieben, berichtete Bauausschussvorsitzender Kai Petersen gestern. In knapp zehn Metern Höhe, fast ab Höhe des Gewölbes, klaffen die Mauern bereits zehn Zentimeter auseinander. Deshalb sollen 70 Zentimeter unterhalb des Gewölbescheitels sechs daumendicke Niro-Stahlstangen von Außenwand zu Außenwand verspannt werden. „Damit kann man die Wände zwar nicht wieder zusammenziehen, aber wir verhindern, dass das Mauerwerk weiter auswandert“, sagt Petersen. Und sollten die Drähte ermüden, könne man sie jederzeit nachziehen. Optisch sei dies von unten kaum erkennbar, versichert er.

Danach sollen die Haupt- und Nebenrippen des Kreuzgewölbes ertüchtigt, Risse und Fehlstellen ausgefugt sowie die Schwemmsteinkuppeln ausgebessert werden. Eine gute Nachricht brachte auch das Schadstoffgutachten: keine Holzschutzmittel im Gebälk. Allerdings ist an einer Stelle auf der Westseite Schwamm gefunden worden, wobei Petersen und Henrich auch hier teilweise Entwarnung geben können: „Es ist Porenschwamm, ohne die Aggressivität des gemeinen Hausschwamms.“

Sowohl in der Kirche als auch auf einer Außenseite wird ein Gerüst benötigt. Frühestmöglicher Beginn ist Mitte Mai. Die Gemeinde lebt dann schon fast zwei Jahre mit der Wunde der geschlossenen Kirche. Doch Stefan Henrich berichtet, dass die Phase des Improvisierens auch zusammenschweißt. Vergangenen Sonntag habe man im Gemeindehaus mit 72 Menschen Gottesdienst gefeiert. Und die Kirche hat ein ehrgeiziges Ziel, erklärt Vorstandsmitglied Gernot Nicolai: Weihnachten 2014 soll wieder in der St.-Jürgen-Kirche gefeiert werden.

Bis dahin ist auch noch ein kleines Problem zu lösen: Der Klöppel der Glocke ist abgerostet. Er lagert derzeit im Gemeindehaus.

Konto: IBAN DE76217500000164429276; BIC NOLADE21NOS bei der Nospa

 

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