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Flensburger Tageblatt

24. November 2017 | 12:32 Uhr

St. Jürgen packt seine Schätze ein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auf Jürgensby haben die Sanierungsarbeiten in der Kirche begonnen – dabei stieß man auf neue Baustellen im Dachgebälk

St. Jürgen ist dabei einzupacken. Altar, Kanzel, Emporenbrüstung und Gefallenengedenktafel der fast 107 Jahre alten Kirche auf Jürgensby sind bereits hinter Papier, Folie und Spanholzplatten verschwunden. Im Innern des Altarbereichs ist zwischen Folien und Pressspan ein Messgerät installiert. Es überwacht regelmäßig Temperatur und Feuchtigkeit in der Raumluft. Pastor Stefan Henrich fühlt sich wahlweise wie auf einer Großbaustelle oder als Teil eines Christo-Gesamtkunstwerks. Tischler, Zimmerer, Maurer, Schlosser und Elektriker tummeln sich hier – und ein Diplom-Restaurator. Markus Freitag ist seit einer Woche dabei, die Heiligtümer im Innern von St. Jürgen nicht nur staub- und stoßfest hinter Holzeinschalungen zu verstecken: „Um die Schimmelgefahr einzudämmen, haben wir alles noch einmal abgesaugt“, berichtet der Restaurator. Zudem gibt es Revisionsklappen, die einmal wöchentlich geöffnet werden, erklärt er. Nur an der Orgel ist noch nichts passiert. Da darf nur der Orgelbauer ran.

Um deutlich zu machen, um welche Schätze es hier geht, ist ein kurzer Blick in die Geschichte der Kirchengemeinde hilfreich: Seit Ende des 19. Jahrhunderts feierte die damals neu gegründete St.-Jürgen-Gemeinde ihre Gottesdienste in der Heiligen-Geist-Kirche an der Großen Straße. Mit dem Umzug nach Jürgensby nahm die Gemeinde die um das Jahr 1600 geschnitzte Kanzel des Flensburger Meisters Heinrich Ringerringk mit, weil sonst niemand für deren Restaurierung aufkommen wollte – und baute die neue Kirche sozusagen um die historische Kanzel herum.

Die Sanierung der Kirche ist nötig, weil das Mauerwerk imponierende Risse aufweist. In zehn Metern Höhe, unter dem Gewölbe klaffen die Mauern zehn Zentimeter auseinander. Deshalb sollen hier sechs daumendicke Niro-Stahlstangen von Außenwand zu Außenwand verspannt werden. „Es werden vier sieben Meter lange Doppel-T-Träger eingezogen“, berichtet Bauausschussvorsitzender Kai Petersen.

Der Restaurator sägt gerade die aufgeleimten, mehr als 400 Jahre alten Engel von der Kanzelkrone ab. Auch sie müssen konserviert werden. Deren Symbolik passt ohnehin perfekt in die Karwoche. Die Engel tragen die Marterwerkzeuge Jesu. Pastor Henrich indes fühlt sich zwischen all dem Schleifen und Sägen an seinen Kostbarkeiten nicht gemartert: „Für mich ist es ein Gefühl der Erleichterung, dass es nach anderthalb Jahren endlich losgeht mit der Sanierung.“

Allerdings werden die von der Synode bereitgestellten 350 000 Euro nicht reichen. Die Gesamtkosten wurden bereits auf rund 500 000 Euro taxiert. Doch die dürften auch nicht reichen. Im Dachgebälk, wo an einer Stelle auf der Westseite Schwamm gefunden worden war, sind weitere Ecken mit Schwamm und Moderfäule aufgetaucht. Jetzt müssen auch noch etliche Dachbalken ausgetauscht werden.

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