zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

13. Dezember 2017 | 09:02 Uhr

St. Johannis: Die Ruhe von 900 Jahren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flensburgs einziger kirchlicher Friedhof bekommt zwei neu gestaltete Bestattungsfelder / Nachfrage nach anonymen Begräbnissen rückläufig

shz.de von
erstellt am 18.Nov.2014 | 10:00 Uhr

Am schönsten dürfte der Blick aus dem Himmel sein. Die Kirchengemeinde Adelby beschreitet seit diesem Jahr neue Wege der Friedhofskultur. Ein Urnenpark südlich und eine Baumgrabanlage östlich der Kirche St. Johannis sollen neue Akzente setzen und gewandelten Bedürfnissen entgegenkommen. Für die beiden Anlagen holten sich Pastor Thielko Stadtland und Friedhofsverwalter Ulrich Lübcke eine Sachverständige an die Seite: Für die Gestaltung ist die Flensburger Architektin Sarah Philipp verantwortlich.

Der Urnenpark umgibt drei urchristliche Symbole: Mit Pflastersteinen sind die Dreifaltigkeit, die Taube und Ichthys, der Fisch, abgebildet – die Ornamentik wird freilich am besten aus der Höhe sichtbar. Diese drei Elemente bilden den Rahmen für die Urnengräber in diesem Teil des Friedhofs, der sowohl Sammel- wie Einzelgräber vorhält.

Gleiches gilt für das Gelände zur Stillen Liebe hin, wo auf einer Wiese der „Eichenfrieden“ entstanden ist – eine rund um einen Eichenbaum gruppierte Anlage mit hölzernen Stelen und einem Lichtkreuz.

Beide Grabanlagen dokumentieren einen Wandel in der Begräbniskultur, die auch die Adelbyer Kirchengemeinde spürt. „Die Menschen wollen nicht mehr anonym bestattet werden“, sagt Stadthaus. „Aber viele wollen oder können nicht über Jahre eine kontinuierliche Pflege der Grabstätten leisten.“

Das greift Stadtland nicht aus der Luft: Basis der beiden neuen Anlagen sind viele Gespräche, die Stadtland und Lübcke mit Besuchern des Friedhofes geführt haben. So finden sich die Namen der Verstorbenen auf den Granit- beziehungsweise Holzstelen, die gärtnerische Pflege für 20 Jahre ist Teil des Kaufpreises der 1220 bis 1380 Euro teuren Grabstätten. Beide Bestattungsfelder sind auch mit dem Rollstuhl gut zu erreichen.

Der Urnenpark weist eine Besonderheit auf, die sich allerdings auf Augenhöhe nicht sogleich erschließt, wie Stadtland einräumt. Die Wege und Begrenzungen dieses Teils des Friedhofsgeländes bilden den Grundriss der Feldsteinkirche und der zu ihr führenden Wege nach. „Früher war es Tradition, die Menschen in der Kirche zu bestatten. Das geht natürlich schon lange nicht mehr – aber die Grabanlage folgt dieser Logik.“

St. Johannis gilt als ältester Flensburger Kirchenbau und wurde vermutlich Ende des 11. Jahrhunderts errichtet. Die mittelalterliche Feldsteinkirche ist im Übrigen das „Mutterschiff“ für die gleichnamige Kirche im historischen Flensburger Stadtzentrum, die – so Stadtland – aber 30 Jahre jünger ist.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert