Kirch Flensburg-Adelby : St. Johannis: Ärger mit Kempers Klang-Klumpen

Wollen eine Klangverbesserung: Pastor Thielko Stadtland, Organistin Alma Evyapan, Vereinsvorstand Dagmar Fischer (v. l.).
Wollen eine Klangverbesserung: Pastor Thielko Stadtland, Organistin Alma Evyapan, Vereinsvorstand Dagmar Fischer (v. l.).

350 000 Euro: Der Orgelbauverein der Kirchengemeinde Adelby spart für eine neue „Königin der Instrumente“.

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04. Dezember 2014, 16:28 Uhr

Es gibt kein Vertun: Diese Orgel ist aufgebraucht. 50 Jahre lang leistete die Kemper-Orgel in der Adelbyer St.-Johannis-Kirche ihre Dienste eher schlecht als recht. Klanglich dünn und dumpf hat das Instrument mittlerweile Probleme, gegen einen ordentlichen Chor anzukommen. Es gab sogar Organisten, die sich aus Respekt vor den alten Meistern weigerten, auf ihr ein Konzert zu spielen. Jetzt hat sich die Gemeinde aufgemacht, die um 1200 entstandene St.-Johannis-Kirche mit einer neuen und besseren Orgel auszustatten. Der vierten in ihrer langen Geschichte.

Es ist ein Trauerspiel, über das Organistin Alma Evyapan zu berichten weiß. Sie hält die Töne nicht, sie ist verstimmt. Sie trägt den Klang nicht in den Raum. Am Spieltisch mag Evyapan himmlische Musik im Kopf haben – was am Ende herauskommt, sind Klangklumpen, manchmal nur Brei. Heiligabend 2013, als die Gemeinde inbrünstig und laut „Oh Du Fröhliche“ intonierte, da war von der„ Königin der Instrumente“ nichts zu hören, sagt Pastor Thielko Stadtland.

In Adelby hat sich im Spätsommer um Dagmar Fischer eine Gruppe gebildet, die diesen Zustand beenden will. Der Orgelbauverein, dessen Vorsitzende sie ist, will helfen, ein vom Kosten- und Zeitrahmen her sehr ehrgeiziges Projekt zu stemmen: Eine neue Orgel soll her. Und zum Reformationsjubiläum 2017 soll sie erklingen. In Adelby rechnet man mit Kosten von rund 350 000 Euro. Der Verein, so Fischer, will dafür 100 000 Euro einwerben. Für je zehn Euro verkauft der Verein einen Kirchkalender, einen (Spätburgunder) Orgelwein und eine selbst eingesungene CD. Vertriebsstellen sind das Gemeindebüro, die Kreuz-Apotheke, Tarups Tante-Emma-Laden (beide in der Taruper Hauptstraße) und das Weinkontor von Peter Erichsen (Oscar-Struve-Weg 17). Natürlich, sagt Fischer, sind auch Spenden sehr willkommen. Den Rest der Finanzierung hofft die Kirchengemeinde über einen Grundstücksverkauf und einen Beitrag des Kirchenkreises sicherzustellen.

Stadtland hat mit der unvermeidlichen Frage natürlich gerungen. Passt so eine Investition in diese Zeit? Er hat die Frage mit Ja beantwortet. Weil St. Johannis – mutmaßlich Flensburgs älteste, ganz sicher Flensburgs einzige Kirche mit einem eigenen Friedhof – diese Anschaffung rechtfertigt. „Ich weiß, schlechte Orgeln haben viele Kirchen“, sagt Stadtland. „Aber bedingt durch den Friedhof haben wir im Durchschnitt jährlich 250 Beerdigungen. Ich finde es seelsorgerisch wichtig, wenn die Musik zum Trost beitragen kann. Für mich ist sie zweite Säule neben der seelsorgerischen Arbeit eines Pastors.“

Es sind nicht nur die Bestattungen. In St. Johannis trauen sich die Menschen auch gerne und werden die Kinder des jungen Stadtteils getauft. Unterm Strich, sagt Dagmar Fischer, wird die Orgel von St. Johannis in Adelby an 360 Tagen im Jahr gespielt. Und schlussendlich bleibe die Investition für die alte Feldsteinkirche im Rahmen. „Das ist nicht zu vergleichen mit der Millionen Euro teuren Sanierung einer kulturhistorisch bedeutsamen Orgel von St. Nikolai“, sagt Stadtland. „Wer große Konzerte erleben will, den schicken wir gerne dorthin. Was wir wollen, ist eine solide klingende Orgel für St. Johannis.“

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