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Flensburg : Sportpiraten streichen Flüchtlingssport

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit Ablehnung von zusätzlichen Stellen entfallen sechs wöchentliche Angebote. Der Grund: Die Integrationspauschale fällt erheblich geringer aus.

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2016 | 08:30 Uhr

Flensburg | Die Spende über 1300 Euro, die die Sportpiraten gestern im UCI-Kino für ihre Angebote für Flüchtlinge bekamen, wird vorläufig die letzte sein, die sie für diese Arbeit verwenden. „Nebenbei muss irgendwann vorbei sein“, begründet Dirk Dillmann diesen Schritt der Sportpiraten. „Das Gespräch in der Verwaltung stellt alles auf den Kopf, was in den letzten Monaten passiert ist.“

Der Verein ist in dieser Woche mit seinem Antrag auf Förderung durch die Integrationspauschale bei der Stadt gescheitert. Für ihr Projekt „Clowns und Helden“, das Sport-, Bewegungs- und Freizeitangebote für Flüchtlinge entwickeln und dabei auch aus den Talenten unter den Flüchtlingen schöpfen will, hatten sich die Antragsteller um zwei zusätzliche Vollzeitstellen und 112  100 Euro für drei Jahre Laufzeit beworben.

Der Antrag sei nicht abgelehnt worden, „nur in der Höhe nicht“, relativiert Uta Weinerdt-Höfer. Sie leitet den Fachbereich Einwohnerservice und Willkommenskultur und lobt das Konzept der Sportpiraten sogar. Aber: „Wir haben im Moment nicht so viel Geld.“ Die Integrationspauschale stellt das Land monatlich zur Verfügung pro Flüchtling, solange das Asylverfahren läuft. Seit Januar gibt es 1000 Euro pro zugewiesenen Asylbewerber, zum März wurde der Betrag verdoppelt auf 2000 Euro. Allerdings: „Die Zuweisungszahlen sind erheblich zurückgegangen“, sagt Weinerdt-Höfer. Bislang habe die Stadt mit 240 Flüchtlingen im Monat rechnen können. „Bei 960 Menschen hätten wir 1,44 Millionen Euro aus der Integrationspauschale bekommen“ – von Januar bis April. Tatsächlich seien in diesem Zeitraum aber lediglich 267 Asylbewerber zugewiesen worden und die zur Verfügung gestellten Mittel auf 405  000 Euro geschrumpft.

Die Fachbereichsleiterin reicht die Verantwortung für die schwierige Planbarkeit aber auch an das Land weiter. „Wir werden hingehalten.“ Ausnahmsweise hat sie jedoch schon Zuweisungszahlen für Flensburg im Mai und sogar eine Vorausschau: Demnach werden sich die Zuweisungen ab Mitte Mai zwischen zwölf und 24 Asylbewerbern bewegen – „und es wird so bleiben.“

Den Sportpiraten habe sie mehrere Auswege angeboten, sagt Uta Weinerdt-Höfer. Sobald die finanzielle Situation wieder besser sei, könnte sofort wieder verhandelt werden. Außerdem habe sie eine Antragsänderung, die Anbindung an ein Drittmittelprojekt und die rechtliche Prüfung eines „BufDi“ (Bundesfreiwilligendienst) vorgeschlagen. Das hätten die Sportpiraten abgelehnt. Dem Vorwurf, dass Diakonie und Arbeiterwohlfahrt währenddessen mit über 40 neu geschaffenen Stellen überschüttet werden, hält Weinerdt-Höfer die Notwendigkeit einer „Basisversorgung“ (Unterbringung und Gesundheit) entgegen.

„Unsere Inhalte werden gesehen und die Bedarfe bestätigt“, hält Dirk Dillmann der Stadt zugute. Doch kritisiert er, dass Projekte und große Träger gefördert würden, während bestehende Angebote leer ausgingen oder an bürokratischen Absurditäten hängen blieben. Dillmanns Beispiel: Für ein Projekt hatte er 2500 Euro für Übersetzungen zur Verfügung. Drei Sprachmittler halfen, doch durften sie als Asylbewerber nur 100 Euro im Monat verdienen. 2200 Euro verpufften ungenutzt. „Wir wollen nicht verwalten, wir wollen mit den Menschen arbeiten.“

Seit November gehen die Sportpiraten zu den Flüchtlingsunterkünften hin, organisieren Hallenzeiten für Familiensport, Fußball und Bewegungsspiele für die Kleinsten, haben 300 Turnschuhe und 100 Fahrräder besorgt und verteilt. Durchschnittlich sechs zusätzliche Angebote in der Woche stellen die Sportpiraten mit anderthalb geförderten Personalstellen auf die Beine. Und können sich auf einen Pool von 30 Ehrenamtlichen und Honorarkräften verlassen. „Wenn wir mit Flüchtlingsarbeit weitermachen wollen, brauchen wir das Hauptamt“, sagt Dirk Dillmann.

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