Deutscher Bürgerpreis : Sportpiraten entern die Hauptstadt

Pirat in Pink: 'Wir sind  bannig stolz auf unsere Flensburger Bagaluten', sagt der Flensburger Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen, der den Piraten von Politik erzählte. Foto: sh:z
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Pirat in Pink: "Wir sind bannig stolz auf unsere Flensburger Bagaluten", sagt der Flensburger Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen, der den Piraten von Politik erzählte. Foto: sh:z

Flensburger holen sich nicht nur größten bundesweiten Ehrenamtspreis in Berlin, sondern kochen mit einem BMX-Profi und kapern die Kuppel

shz.de von
12. Dezember 2012, 06:30 Uhr

berlin/Flensburg | Fünf Sportpiraten fanden Einlass in den Zollernhof des ZDF Unter den Linden. Die übrigen der insgesamt 19 nach Berlin angereisten jungen Leute ließen sich im Restaurant nieder, dessen Fenster ins Atrium des Berliner Hauptstadtstudios blicken. So konnten sie der Kür der Gewinner des Deutschen Bürgerpreises, des größten bundesweiten Ehrenamtspreises, zumindest zusehen.

Zu hören sind große Worte über gute Taten guter Menschen. "Saugeiles Projekt" loben etwa die Konkurrenten des Vereins "Kokolores" in der Kategorie U 21 spontan und sehr fair den BMX- und Skatepark "Alter Schlachthof" der Sportpiraten. Eingespielte Filmchen bringen sämtliche Nominierten in aller Kürze den Gästen näher. Die Aufzeichnung über die starke Akrobatik der Sportpiraten, die integrierte Ersthelfer-Ausbildung und das Medienprojekt in Flensburgs Norden hebt die Kunst der Norddeutschen hervor, Spaß und Engagement zu vereinen.

Laudator Wolf Christian Ulrich kann nur die Flensburger meinen, als er von "heldenhaften Freibeutern" spricht, die einen "sozialen Brennpunkt zu einem regionalen Highlight" gemacht haben. Die Gewinner des Deutschen Bürgerpreises aus Flensburg hätten gezeigt, dass sich "mit Tatkraft und Engagement eine Menge bewegen lässt".

Nicht etwa Oberpirat Dirk Dillmann, sondern die gerade mal 15 und 17 Jahre jungen Lukas Wrobel (seit fünf Jahren Sportpirat) und Haldor Kuhls (seit vier Jahren) nehmen die gewichtige Trophäe auf der Bühne entgegen. ZDF-Moderatorin Barbara Hahlweg will wissen, ob es denn bei all dem Schönen auch unangenehme Seiten des Ehrenamts gibt. Auf dem Gelände des "Alten Schlachthofs" müssen eben auch mal Mülleimer geleert werden, fällt Lukas Wrobel da ein. Doch gewöhnen sich seine Mitstreiter und er auch an Aufgaben wie diese, weil das Projekt "einfach so viel Spaß macht". Und Haldor Kuhls sagt angesichts der regelrechten Überhäufung mit Preisen, dass er nie gedacht hätte, dass die Sportpiraten so oft ausgezeichnet würden.

Dirk Dillmann wird die offenbar noch steigerungsfähige Aufmerksamkeit allmählich unheimlich, räumt er ein - und macht natürlich weiter. Die 5000 Euro Preisgeld sollen in die Erweiterung und Rampen des Parks fließen.

Dillmanns Blick während der Festveranstaltung geht regelmäßig zu seiner Crew, die im Restaurant durch die Scheiben in den Innenhof sieht. Richtige Piraten nehmen jede Hürde, und so kommen die übrigen Sportpiraten nach dem offiziellen Teil endlich an den Sicherheitsleuten vorbei. Sie schaffen es gemeinsam direkt auf die Bühne fürs Gruppenbild und einige an die Seite der Laudatorin und Moderatorin Nina Moghaddam für einen Promi-Schnappschuss. Das Buffet wird eröffnet, und Sängerin Miss Victorine hebt mit rauchiger Stimme und ihren beiden Musikern zur Hintergrundmusik an, die sich im Laufe der Nacht in den Vordergrund spielt.

Für ein Weilchen setzen die Flensburger in ihrer Ferienwohnung im Stadtteil Schöneberg die Party fort; auch dieser Abend von insgesamt vier in Berlin wird länger als gewöhnlich. Gewiss haben die großen und kleinen Medienprofis ihren Freunden und Familien längst vom Ausflug in den Berliner Mellow Park berichtet, wofür das Piratenmobil vollgestopft mit Rädern ist, vom Besuch bei Wolfgang Börnsen im Bundestag und dem Koch-Abend mit dem BMX-Profi Markus Braumann, als es Pasta und Gemüse-Tomatensoße für alle gab. Weitere gute Nachrichten deuten sich an.

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