4. Stiftungsgala : Spieltrieb bei der Gala der Theaterfreunde

Ausgelassener Chor-Abend: Auf "goldenen Schwingen" feierten die Theaterfreunde ihre vierte Gala im Stadttheater.

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15. Juni 2009, 12:03 Uhr

Flensburg | Mutig ist, wer mit der Zugabe beginnt. Und unkonventionell. Der Titel der vierten Gala der Bürgerstiftung der Theaterfreunde ermunterte schon: "Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen". Doch Chor und Extrachor riefen mit Guiseppe Verdi "Va, pensiero, sullali dorate" erst aus, nachdem der erste finale Applaus verklungen war. Nach dem Gefangenenchor aus "Nabucco" durfte Generalmusikdirektor Mihkel Kütson zwei weitere Male ins Repertoire tauchen, um den brandenden Beifall zu besänftigen.

Bis dahin hat der 37-jährige Este das Sinfonieorchester und die Chöre souverän und passioniert durch ein wendungsreiches, erlesenes, leider einmaliges Programm dirigiert. Maßgeschneidert ist es auf die Sänger des Opern- und Extrachores von Chordirektor Bernd Stepputtis im Hintergrund der Bühne, die doch tatsächlich im Vordergrund stehen an diesem Abend.

Sie eröffnen mit Otto Nicolais ausnahmsweise deutschsprachiger Oper "Die lustigen Weiber von Windsor", wie Moderator und Dramaturg Dietmar Langberg aufklärt. Alsbald verschlägt es Gedanken und Geist in der Tat ins geliebte Italien, dank Pietro Mascagnis "Cavalleria rusticana". Dem übergreifenden, streicherzarten Schwelgen des "Intermezzo sinfonico" steht bei "Regina coeli laetare" tragender, massiver Chorgesang gegenüber, den die Sopranistin Viktoria Loutskaja durchdringt.
Starke Bilder und ausgeprägter Spieltrieb
Dietmar Langberg aus dem Hause eines Chordirektoren streut Informationen über den Hauptakteur der Gala. In der Antike wie der Opernliteratur nimmt der Chor die reflektierende Rolle der Öffentlichkeit wahr, "die das Einzelschicksal verallgemeinert". Der Chor sei ein Organ höchst diverser Persönlichkeiten, die Langberg nicht allein als "Chorsolisten" adelt.

Der überaus "engagierte Spieltrieb" des Ensembles, den Intendant Michael Grosse eingangs hervorgehoben hat, erzeugt erneut starke Bilder bei Alexander Borodins "Polowetzer Tänzen" aus "Fürst Igor". Kütson scheint sie zu verinnerlichen. Die Körpersprache und Mimik des umworbenen Maestros lassen auch den Laien ahnen, wie ausgelassen Siegeslaune klingen soll, wie energisch und kraftvoll Kampfgeist.

Das Auditorium verlangt nach mehr, hat selbst dazu beigetragen: zu mittlerweile 170327,60 Euro Stiftungsvolumen zum Anstiften weiterer, guter Kulturtaten.

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