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Flensburger Pilotprojekt : Spielend die deutsche Sprache lernen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Schlüssel zu Lernen und Bildung: Pilotprojekt für Migrantenkinder zieht nach einem Jahr eine positive Bilanz.

Der, die oder das? Wieso, weshalb, warum? Warum ist die Banane krumm? Tausend Fragen türmen sich auf, als Theresa Vogler (26) sich mit drei Kita-Kindern um einen Obstteller herum gruppiert hat. Anna-Lisa (5), die aus Italien stammt, erzählt, dass sie Weintrauben am liebsten mag. Und die sechsjährige Fatma entdeckt einen Kohlrabi. Kein Obst, nein, Gemüse. Das Gemüse, Neutrum. Der Kohlrabi, Maskulinum, richtig. Dann wird ein Einkaufszettel zusammengestellt. Ganz pragmatisch.

In der alltagsnahen Gesprächssituation vermittelt Theresa, die an der Uni Sonderpädagogik und Germanistik studiert, fundamentale Kenntnisse von Rechtschreibung und Grammatik. „Die Kinder sollen nicht nur spielen, sondern auch lernen“, sagt sie. Sprache ist der Schlüssel dazu.

Deutsch als Zweitsprache (DaZ) im Kindergarten ist ein Sprachprojekt für Kinder mit Migrationshintergrund, das vor einem Jahr in Kooperation von Schulamt, der städtischen Kindertagesstätte Neustadt, dem ADS-Kindergarten Schulgasse und den drei Flensburger Rotary Clubs aus der Taufe gehoben wurde. Alle Beteiligten ziehen ein überaus positives Resümee aus den bisherigen Erfahrungen.

Die Rotarier tragen die Kosten der zunächst auf drei Jahre angelegten Maßnahme – 24 000 Euro. Gut angelegtes Geld, wie Richard Hanisch sagt. „Das ist es uns wert“, sagt der Präsident des Rotary Clubs Nordertor. Er verweist darauf, dass Industrie und mittelständische Unternehmen seit Jahren einen Mangel an Azubis mit gutem Ausbildungshintergrund beklagen. „Die Wirtschaft hat ein Problem, wenn diese Kinder nicht unterstützt werden.“

Schulrat Hans Stäcker spricht von einem landesweit einmaligen Projekt, das sich insbesondere durch seine Durchgängigkeit auszeichne. Denn in der Grundschule Ramsharde und dem Alten Gymnasium gibt es „Andockstationen“, in denen die Arbeit fortgeführt, die Sprachkompetenz weiter gefördert wird. Diese Aufgabe übernehmen die DaZ-Beauftragte Simone Lützelberger und Kreisfachberaterin Susanne Yalim, die das Grundlagenkonzept für die Sprachbildungsmaßnahme seinerzeit ausgearbeitet hatte. Sie weiß, wie wichtig es ist, mit der Förderung so früh wie möglich zu beginnen und sie an Grund- und weiterführende Schulen anzubinden. „Nur so ist Schulerfolg gewährleistet.“ Und Richard Hanisch ergänzt: „Ohne deutsche Sprachkenntnisse werden diese Kinder schon im ersten Schuljahr untergebuttert.“

Insgesamt vier adäquat ausgebildete Studentinnen werden in den Kitas eingesetzt. Sie betreuen in Zweierteams 19 Kinder zwölf verschiedener Nationalitäten in Kleingruppen. Und sind mit ihren Schützlingen ein Jahr älter geworden. „Wir sehen inzwischen sichtbare Erfolge“, sagt Lehramtsstudentin Kristin Bierwolf (21). Am Anfang sei es für die Kleinen (die Jünsten sind vier Jahre alt) schwer gewesen, sich auch nur für wenige Minuten zu konzentrieren. „Jetzt geht es locker eine halbe Stunde lang.“ Sie erzählt von Exkursionen, Aktionsnachmittagen mit Feuerwehr oder THW. Davon, wie Buddy, ein kleiner Rettungshund schnell zum Liebling der Kinder avancierte. „Viele hatten noch nie einen Hund gesehen, geschweige denn berührt“, sagt sie. Es habe etwas gedauert, dann seien die Kindern aufgetaut und hätten Vertrauen entwickelt – und im spielerischen Umgang mit dem Tier viele neue Wörter erlernt.

„Sie entwickeln so ein völlig neues Gefühl für ihre Umwelt“, fügt Adrian Hoffmann, Leiter der Kita Neustadt an. Zunehmend gelinge es auch, die Eltern mit einzubeziehen. „Sie bringen ihre Kinder oftmals schon früher und setzen sich dazu. Es herrscht eine große Bereitschaft, unsere Arbeit mitzutragen.“ So wachse die Verbindlichkeit. „Die Eltern haben begriffen“, so Hoffmann, „dass Bildung im Kindergarten beginnt.“

 

 

 

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erstellt am 15.Okt.2014 | 08:30 Uhr

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