Kunst in Flensburg : Spiel mit der Schwerkraft und klare Formen aus Stahl

Sanduhr als Zeiger, gegen den Uhrzeigersinn drehend: Berit Dröse mit „Hour Glass“. Fotos: Pohl
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Sanduhr als Zeiger, gegen den Uhrzeigersinn drehend: Berit Dröse mit „Hour Glass“. Fotos: Pohl

Alf Becker und Berit Dröse mit Skulpturen und Installationen in der Zentralbibliothek

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18. Januar 2018, 10:30 Uhr

Der Besucher läuft quasi gegen eine schwarze Wand. Und sieht im ersten Moment nur helle Flecken, die sich auf der Wand bewegen. Moderne dänische Kunst in der Zentralbibliothek – auch die aktuelle Ausstellung bringt Großstadt-Kunst in die Flensburger Altstadt. Die schwarze Wand ist Teil der Installation „Dark Energy“ der aus Flensburg stammenden und in Kopenhagen lebenden Künstlerin Berit Dröse.

Die hellen Flecken sind Arme, Beine und Gesicht einer schwarz gekleideten Tänzerin, deren Bewegungen Berit Dröse in extremer Zeitlupe projeziert. Da der Boden nicht wahrnehmbar ist, scheint die Tänzerin zu schweben, wobei die Schwerkraft nicht immer nach unten, sondern scheinbar auch zu den Seiten wirkt – eine sehr poetische Melange aus Tanz und Videokunst. Die Installation wurde für eine Biennale ausgewählt, die Werke von acht Künstlern aus und in acht Ländern präsentiert. Der Soundtrack zu „Dark Energy“ stammt zwar von Kopenhagener Jazzmusiern, klingt aber mehr nach Maschinen und technischen Geräuschen als Musik, ´dabei aber irgendwie geheimnisvoll und passend zu den schwebenden Bewegungen der Projektion.

Die 1982 geborene Berit Dröse – Abi Duborg-Skolen 2002 – ist außerdem mit der Skulpturenreihe „Hour Glass“ vertreten. Auch hier spielt sie mit der Zeit. Die sechs Plastiken haben die Form von Uhren; der Zeiger ist eine Art Sanduhr, dreht sich aber gegen den Uhrzeigersinn. Der Sand in den jeweiligen Glaszeigern stammt aus unterschiedlichen Weltregionen. Die Sockel erinnern an Bohrkerne und sind damit Zeugen einer längst vergangenen Zeit.

Die eher verspielten Bewegungskreationen stehen in Kontrast zu den strengen Plastiken von Alf Becker. Er variiert geometrische Formen, meist Quader, die er miteinander verbindet, ineinander verschachtelt, zu Stufen und Winkeln gruppiert. Oft setzt er Scheiben in Kontrast dazu, die an übergroße Münzen erinnern. Die runden Formen nehmen den eckigen dabei etwas von der Strenge.

Der in Angeln lebende Däne arbeitet vorwiegend mit Cortenstahl, hin und wieder in Kombination mit besonders schönem Granit. Seine Skulpturen wirken wie Landschaftskunst im Innenraum , hin und wieder aber auch an moderne Architektur.

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