Memorandum - Teil 2 : Spart das Land die Gymnasien kaputt?

Goethe-Schule Foto: Staudt
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Goethe-Schule Foto: Staudt

Zu wenig Lehrer, zu lange Schultage ohne pädagogische und Verpflegungsangebote, ein Ministerium, das hektisch Reformen umsetzt - Eltern schlagen Alarm.

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21. September 2009, 12:46 Uhr

Flensburg | Die Vorsitzenden der Schulelternbeiräte der vier Flensburger Gymnasien Goethe-Schule, Fördegymnasium, Auguste-Viktoria-Schule und Altes Gymnasium sowie des Kreis elternbeirats der Gymnasien haben ein "Memorandum zur Situation der Flensburger Gymnasien" vorgelegt. Das Tageblatt dokumentiert - nach Profiloberstufe und achtjährigem Gymnasium (G8) in der Sonnabend-Ausgabe - heute Teil 2:

Mittagsverpflegung

Aus den Stundentafeln der G8 und der Profiloberstufe ergibt sich, dass es an den Gymnasien einen wachsenden Bedarf an Mittagsverpflegung gibt. Dies ist an den Gemeinschaftsschulen ebenso. Anders als dort wird der Bedarf der Gymnasien nicht gesehen. Nach der Darstellung der Flensburger Verwaltung ist in den kommenden Jahren für die Gymnasien keinerlei Etat für eine qualifizierte Mittagsverpflegung vorgesehen.

"Offene" Ganztagsschule

Das Wort "offen" steht für eine freiwillige Anwesenheit in den Nachmittagsstunden. Diese Freiwilligkeit ist durch die langen Schultage mit G8 und Profiloberstufe nicht mehr gegeben. Auf diese Weise wurde die Ganztagsschule gegen den Willen der Eltern eingeführt, ohne die Vorteile einer wirklichen Ganztagsschule (besserer Personalschlüssel, differenzierte Lerngruppen, Mittagsverpflegung, Aufenthaltsräume, professionelle Betreuung, Hausaufgabenhilfe, Arbeitsgemeinschaften) zu bieten.

Lehrerversorgung

Die Flensburger Gymnasien erfreuen sich trotz der angeführten Veränderungen nach wie vor wachsender Schülerzahlen. So ist der sich seit einigen Jahren abzeichnende Mangel an Gymnasiallehrern spätestens seit Beginn dieses Schuljahres zu einem Problem geworden. Es konnten nicht alle offenen Stellen mit den notwendigen Fachlehrern besetzt werden. Infolgedessen kommt es zu ersten Kürzungen der Stundentafel, zum Beispiel in den 7. und 8. Klassen (G9), beziehungsweise die Klassen sind mit 30 Schülern und mehr voll beziehungsweise übervoll. Das Ministerium muss also trotz der bereits zu Beginn dieses Schuljahres neu eingestellten Lehrer darüber hinaus mehr Lehrer zur Verfügung stellen.

Zusammenfassung

Die Schüler der Gymnasien haben im Rahmen der Umstellung von G9 auf G8 sowohl zeitlich als auch inhaltlich eine erhebliche Mehrbelastung zu verkraften. Das gleiche gilt für Schüler der neuen Profiloberstufe. Diese Belastungen wären bei einer Umstellung der Gymnasien auf eine Ganztagsschule mit entsprechendem Angebot an Aufenthaltsräumen, Bibliothek, Arbeitsräumen, Hausaufgabenbetreuung, guter Mittagsverpflegung, Sportangebot etc. zu verkraften. Die Politik stellt hierfür jedoch weder das benötigte Personal noch die benötigten Sachmittel zur Verfügung. Da dies kurzfristig nicht zu erwarten ist, muss den Gymnasien hinsichtlich G8 oder G9 ein Wahlrecht zugestanden werden. Hinsichtlich der Profiloberstufe müssen den Schülern mehr Wahlrechte eingeräumt werden, wobei die Anzahl der Fächer zugunsten einer inhaltlichen Stärkung verringert werden muss. Ebenso ist die Anzahl der Arbeiten zu reduzieren, da es bereits heute schwierig ist, alle Arbeiten in den Jahresablauf zu integrieren.

Abschlussbemerkung

In der Umsetzung dieser Reformen zeigt sich, dass viele Ideen und Ansätze dem Gymnasium übergestülpt wurden, ohne die erforderlichen Fachkräfte, finanziellen Mittel etc. zur Verfügung zu stellen. Vielmehr hat man in Hektik wichtige Änderungen gleichzeitig umgesetzt, ohne die Konsequenzen bis zum Ende zu durchdenken. Dies gilt neben den Reformen G8 und Profiloberstufe auch für Lernpläne, EVIT (Schul-TÜV), Änderung der Kopfnoten und Versetzungsregeln.

Hinsichtlich der Lehrerversorgung gilt: Bei den vielen Veränderungen muss auf den Zuwachs an Schülern mit einer Aufstockung an Lehrern reagiert werden.

Wir können dieses teilweise kopflose und hektische Handeln des Ministeriums nicht verstehen und erwarten, dass man im Ministerium endlich die Stimme der Gymnasien und damit der Basis hört. Ansonsten werden die Gymnasiasten tatsächlich die Verlierer der Schul- und Bildungsreformen der vergangenen Jahre.

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