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Niederdeutsche Bühne Flensburg : Spagat zwischen Bürgertum und Theaterwelt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Großartig gespielt: Pole-Poppenspäler-Novelle als Ein-Mann-Theater

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2017 | 07:23 Uhr

Als Theodor Storms Pole Poppenspäler und Ein-Mann-Theater vollbringt Jürgen Bethge eine schier unglaubliche Meisterleistung. Mit nichts als einer Gartenbank und einer Holzkiste als Bühnenbild und Requisite, dafür Storms wunderbar lebenspraller Sprache in ihrer ganzen Fülle, kreiert er in den Köpfen der Zuschauer ein Kopfkino, das die Poppenspäler-Novelle in Handlung und Atmosphäre gegenwärtig macht.

Spontane stehende Ovationen und Applaus, der erst endet, als Bethge per Zeichen darum bittet, endlich etwas trinken zu dürfen, sind der mehr als verdiente Respekt und Dank für eine ganz besondere, so genuss- wie anspruchsvolle Premiere im Studio der Niederdeutschen Bühne.

Es war die Initiative Bethges, zum 200. Geburtstag des Dichters Theodor Storm eine Storm-Produktion auf die Bühne zu bringen. Unter der Regie von Jörg Schade wird die Novelle, die Vorbehalte gegenüber dem Fremden, die Liebe und den unweigerlichen Niedergang des Puppentheaters thematisiert, zum beeindruckenden Erlebnis. Als Kunstdrechsler und Mechanikus Paul Paulsen, dem die Kleinstädter den Schimpfnamen „Pole Poppenspäler“ geben, spielt Schulleiter Bethge den auch persönlich bedeutungsvollen Spagat zwischen Bürgertum und der verlockend geheimnisvollen Welt des Theaters. Gebannt verfolgt der Zuschauer das Agieren Bethges. Der wechselt die Stimmlagen, die Dialekte, säuselt, rast vor Temperament, blickt träumend in die imaginäre, nordfriesische Weite, aus der das gefühlte Wägelchen samt der fremdartigen Lisei auftauchen. Fesselnd und in unglaublich wechselnder Mimik und Gestik springt Bethge auf die Bank, hinter die Bank, dreht und wendet sie, lässt sie zu immer neuen, gefühlten Szenarien der zauberhaft zurückhaltenden Geschichte einer Liebe werden. Man möchte aufspringen und Bethge ein zweites Taschentuch zum Abtupfen der Schweißperlen reichen.

Für dieses Stück hat Ruprecht Leiß ein Pole-Poppenspäler-Plakat entworfen, das im Studio an der Theaterkasse oder im NDB-Büro erworben werden kann. Weitere Vorstellungen gibt es am 26. Oktober, 24. November und 9. Dezember.

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