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Flensburger Tageblatt

18. August 2017 | 05:44 Uhr

Spätzünderin als Opernstar

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Erst mit 18 hat Elvira Hasanagic zu singen begonnen – morgen ist sie noch einmal in „La Traviata“ zu erleben

Die Reaktionen im Gästebuch, das während jeder Vorstellung im Theater ausliegt, überschlagen sich: Als „beeindruckend“ und „berührend“, „einmalig“ und „toll“, „Genuss“ und „Welterfolg“ loben die Theatergänger die Ensemble-Leistung in der Verdi-Oper „La Traviata“. Ein Husumer Paar schreibt sogar: „Elvira Hasanagic kann auf jeder Bühne der Welt singen.“ Das freut die Sopranistin natürlich ungemein, die die Rolle der Violetta Valery singt. Und sie erinnert eine Begegnung auf der Straße mit einer Frau, die sie erkannt und gesagt habe, man müsse gar nicht mehr nach Hamburg in die Oper fahren.

Zahlen aus der Pressestelle des Landestheaters belegen die Popularität der Verdi-Oper in Flensburg: Demnach liegt die Auslastung von „La Traviata“ nach 18 Vorstellungen bei 95 Prozent. Ein Jammer, dass am Ostersonntag, 27. März, um 19 Uhr die letzte über die Bühne geht (Restkarten: Telefon 0461-23388). Denn auch für Elvira Hasanagic ist es vorerst der letzte Auftritt in Flensburg.

Die freie Künstlerin hat sich seinerzeit bewusst für ein kleineres Theater entschieden. Als sie in der Spielzeit 2014/2015 zum Vorsingen der Titelrolle der „Lucia di Lammermoor“ eingeladen wurde, habe sie parallel ein Angebot von der Staatsoper Stuttgart und der Staatsoper Berlin bekommen. Flensburg habe ihr „wunderbare Möglichkeiten“ geboten mit drei großen Rollen – neben der Lucia und Violetta sang sie die Fiordiligi in „Così fan tutte“. Außerdem habe sie sich hier „sofort zu Hause gefühlt“ dank des „tollen Ensembles“. Sie deutet es als Zeichen, dass „ich etwas richtig gemacht habe“. Auch den Chor, eine „Instanz“, schätzt sie als „lieb“ und ergänzt: „Das erlebt man nicht überall.“ Auch nicht, dass sich Theaterleute, die gerade keinen Dienst haben, in die Vorstellungen der Kollegen setzen, um zuzuhören.

Ganz nebenbei mag die in Slowenien geborene Sängerin auch das Meer und die Küste, hier sei es „so schön, frisch und gesund“. Eine Weile hat Hasanagic idyllisch auf dem Museumsberg gewohnt, inzwischen lebt sie in Berlin, von wo aus sie komfortabel reisen kann zu ihren Auftritten: gestern in ihre Heimatstadt Ljubljana, morgen nach Flensburg, Anfang April nach München.

Aus musikalischer Sicht ist die Opernsängerin eine Spätzünderin. Es habe lange gedauert bis überhaupt jemand bemerkte, dass sie eine „besondere Stimme“ habe. „Im Chor habe ich mein Vibrato immer versteckt, es war mir peinlich“, erzählt sie und lächelt.

Mit 18 erhielt sie ihren ersten Gesangsunterricht – binnen drei Monaten gewann sie den ersten Wettbewerb. „Das war Talent, dann kam die Arbeit“, resümiert Hasanagic mit einem Hauch eines süddeutschen Dialekts. Fürs Studium – sechs Semester in Mannheim, Abschluss in München – musste sie sich das Klavierspiel aneignen und denkt mit leichtem Schüttelfrost an die ersten Gehversuche an den Tasten. Die Knirpse, die mit der schon erwachsenen Klavierschülerin Unterricht nahmen, waren aus ihrer Sicht viel fingerfertiger.

Die wichtigste Lektion, die sie von ihrer sie prägenden Gesangslehrerin lernte, war das Verständnis für ihre Stimme. Was man mitbringt, solle man mit der „Natur zusammen weiterentwickeln, aber nicht ändern“. Das beherzigt Hasanagic bis heute. Und lobende Worte auf Papier oder der virtuellen Pinnwand geben ihr recht.

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erstellt am 24.Mär.2016 | 11:23 Uhr

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