MEISH an Neumünster : Sorgenkind unter neuer Haube

Verschlankt: Unter der neuen Regie der Stadtwerke Neumünster halbiert sich die Auslastung der MEISH an der Eckernförder Landstraße. Foto: staudt
Verschlankt: Unter der neuen Regie der Stadtwerke Neumünster halbiert sich die Auslastung der MEISH an der Eckernförder Landstraße. Foto: staudt

Stadtwerke verpachten Müllaufbereitung und Produktion von Ersatzbrennstoffen an den holsteinischen Mitbewerber

shz.de von
13. Januar 2012, 06:59 Uhr

Flensburg/Neumünster | Das größte Sorgenkind der Stadtwerke ist unter der Haube. In einer Pressekonferenz präsentierten gestern Maik Render und Matthias Trunk - Geschäftsführer der Stadtwerke Flensburgs und Neumünsters - eine Partnerschaft, von der sich beide viel versprechen. Die Mittelständische Entsorgungsinitiative Schleswig-Holstein, kurz MEISH, wird unbefristet an eine Tochter der Stadtwerke Neumünster verpachtet, die in Flensburg, vor allem aber auf dem Gelände der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) Neumünster aus Restmüll Ersatzbrennstoffe (EBS) herstellen werden.

Das ist ein deutlicher Schnitt, wenngleich Render noch nicht von einem Befreiungsschlag reden mochte. Die Stadtwerketochter hatte in den vergangenen Jahren zwar auftragsgemäß Ersatzbrennstoffe, vor allen Dingen aber ein Millionen-Defizit produziert, das für die Mutter zu einer immer größeren Belastung wurde. Wenn Render jetzt optimistischer in die Zukunft blickt ("Durch diesen Schritt werden die Schmerzen gelindert, aber nächstes Jahr tut’s noch einmal weh"), dann weil die EBS-Produktion mit dem Know-how der Neumünsteraner deutlich schlanker und günstiger von statten geht. Beide Unternehmen versprechen sich aus der Lösung Synergie-Effekte durch technische Vereinfachung, geringere Wartungs-, Betriebs- und Energiekosten, weniger Personaleinsatz.

Wie’s grundsätzlich besser geht, hatte MBA-Geschäftsführer Norbert Bruhn-Lobin den Flensburgern im vergangenen Jahr gezeigt. Als "Entwicklungshelfer" durchforstete er die Betriebsabläufe in der MEISH und räumte kräftig auf. "Fast die Hälfte der Anlagen ist weggefallen", meinte Bruhn-Lobin gestern. Seither achtet die Flensburger MEISH unter ihrer neuen Betriebsleitung genauso auf die schlanke Linie wie die Neumünsteraner, die in der Aufbereitung und Verarbeitung der Stoffe deutlich größere Mengen umsetzen: Etwa 250 000 Tonnen Haus- und Gewerbemüll jährlich, unter anderem aus Flensburg, Nordfriesland, Rendsburg-Eckernförde, Plön und Neumünster, werden zu 200 000 Tonnen EBS verarbeitet. Die Flensburger MEISH mit ihren ehemals 40 000 und künftig 20 000 Tonnen ist da vergleichsweise ein Leichtgewicht.

Ihr Geburtsfehler, so sieht es der neue Geschäftsführer der Stadtwerke, war der fehlende Mut zur Größe. "Es war falsch, eine zu kleine Anlage in einer vorhandenen Halle an der Eckernförder Landstraße zu bauen", sagt Render. Ein zweiter Fehler mag gewesen sein, angesichts der nicht enden wollenden Probleme nicht schon vorher den Kontakt zu den Stadtwerken Neumünster gesucht zu haben, die europaweit eine der modernsten und größten Produktionsanlagen betreiben. Es war eine der ersten Amtshandlungen des neuen Stadtwerke-Chefs Maik Render, seinen Kollegen in Neumünster anzurufen. "Ich hatte da keine Hemmungen. Vielleicht lag es daran, dass ich eigentlich ein Branchenfremder bin." Kollege Trunk assistiert: "Es geht um Vertrauenskultur unter Mitbewerbern. Die Flensburger sind ein extrem vertriebsorientiertes Unternehmen, das uns auch Kunden wegnimmt. Wir müssen zu akzeptieren lernen, dass Partnerschaft und Wettbewerb nebeneinander existieren können."

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