Eisenbahn : Sörup holt sich den Bahnhof zurück

Vom Baufortschritt überzeugen sich Architekt Gunnar Dogs (links) und Bürgermeister Stoltmann.
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Vom Baufortschritt überzeugen sich Architekt Gunnar Dogs (links) und Bürgermeister Stoltmann.

Die Gemeinde kann über das Gebäude verfügen und die Ortskern-Entwicklung vorantreiben.

Das wurde groß gefeiert, als im Jahr 1881 im Rahmen der Neueröffnung der Eisenbahn Kiel-Flensburg der neue Söruper Bahnhof in Betrieb genommen wurde. Ein schmuckes, Ortsbild prägendes Gebäude, von dem aus die Fahrt in die nahe und weite Welt begann. Doch der Glanz verblasste, die Bahn hatte immer mehr Dienstleistungen eingestellt und benötigte dadurch immer weniger Räume. Ein Interesse an der Erhaltung gab es nicht, und so wurde der Söruper Bahnhof, wie viele andere Bahnhöfe auch, an einen ausländischen Immobilienfonds verkauft. Später kaufte ein Privatinvestor die Immobilie. 2015 wurde der Bahnhof und das Areal drumherum, zu einem zentralen Punkt für die Neugestaltung des Ortskernes. Die Gemeinde hatte im Rahmen ihrer Zukunftsplanung den gesamten Ortskern betrachtet und dabei neben dem Gemeindehaus und die Bücherei das Areal um den Bahnhof für eine Neugestaltung auserkoren.

„Wir waren uns in der Gemeindevertretung schnell einig, dass wir einen Zugriff auf den Bahnhof benötigen, um unsere Ideen umsetzen zu können“, begründet Bürgermeister Dieter Stoltmann den Kauf. Bis zur Unterschrift unter dem Kaufvertrag hatte der Bürgermeister bereits Förderanträge, die Planung voran getrieben und ein Bauantrag gestellt. Da begann die Uhr zu ticken, um die Fördervorgaben umsetzen zu können. Aus dem „einfachen Kulturdenkmal“ war plötzlich ein Denkmal geworden und die Deutsche Bahn hatte immer noch einen Raum im Gebäude gemietet, weil dort eine Leitung durchlief. Der Kreis hatte inzwischen mitgeteilt, dass der Bauantrag vom Eisenbahnbundesamt genehmigt werden müsse, weil der Bahnhof noch nicht als Eisenbahngebäude entwidmet sei.

In vielen Gesprächen gelang es dem Bürgermeister alle Beteiligten von der schnellen Umsetzung des Entwidmungsverfahren, das sonst oft Jahre dauert, zu überzeugen. Insbesondere, so Stoltmann, erwies sich das Eisenbahnbundesamt mit seiner Außendienststelle in Schwerin als sehr kooperativ. Auch die betroffenen Geschäftsfelder der Deutschen Bahn zeigten eine große Bereitschaft, die Angelegenheit zügig umzusetzen, die Anlagen im Gebäude auszubauen, die notwendigen Prüfungen für das Entwidmungsverfahren durchzuführen und letztlich die Entwidmung im Bundesanzeiger anzuzeigen. Das Kreisbauamt und das Landesamt für ländliche Räume waren in das Verfahren eingebunden und hätten sich, so Stoltmann, ebenfalls sehr kooperativ verhalten. „Das war eine sportliche Leistung, innerhalb von drei Monaten eine Eisenbahn-Immobilie entwidmet zu bekommen“, zeigt sich der Bürgermeister zufrieden.

Inzwischen sind die Bauaufträge erteilt, das Gebäude ist eingerüstet und im Inneren ist das Gebäude entkernt. Die Vorgaben des Denkmalschutzes sind in den Bauunterlagen eingeflossen. So wird die Fassade nicht verändert, der gelbe Stein wird gewaschen und erhält so seine frische Farbe zurück. Die Fenster und Türen erhalten das Aussehen von 1881 und passen sich so an das gegenüber liegende Gesundheitszentrum an.

Mitte 2018 soll der Umbau abgeschlossen werden. Dann wird die Touristinformation aus ihrem kleinen Gebäude in das Bahnhofsgebäude umziehen. Nah SH, Auftraggeber für den regionalen Schienenverkehr, zeigte sich bei einem Besuch in Sörup sehr angetan von dem Projekt und hat inzwischen mit DB Regio Kontakt aufgenommen, damit in der Touristinformation auch Bahnfahrkarten verkauft werden. Die Eisdiele wird zu einem attraktiven Eis Café umgestaltet.

„Der Bahnhof Sörup ist ein Beispiel, dass Bürokratie zu überwinden ist, wenn alle an einem Strang ziehen“, lautet das Fazit von Bürgermeister Stoltmann.

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