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Pilkentafel : So ticken junge Frauen: Tablet-Theater anno 2015

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Premiere bei der Pilkentafel: „Am eigenen Leib“ ist ein radikal persönliches Theater der jungen Generation.

shz.de von
erstellt am 19.Sep.2015 | 14:00 Uhr

Flensburg | Zu Beginn hört man nur die Stimmen, anfangs als Gemurmel, dann immer deutlicher. „Kannst du das verstehen?“, raunt eine Besucherin ihrer Sitznachbarin zu. „Ja“, haucht sie als Antwort. Die drei jungen Frauen kommentieren die typischen Fotos weiblicher Models, die als Endlosschleife auf den transparenten Vorhang projeziert werden. Schließlich landen sie bei der nicht unerheblichen Frage, ob man eigentlich seine Beine rasieren muss, sollte und darf oder es auch einfach lassen kann. Dazu werden Schnipsel echter Interviews eingestreut, die die Drei zuvor mit Altersgenossen beiderlei Geschlechts geführt haben – zum Pro und Contra Beinrasur.

Pilkentafel 2015 – ist das jetzt der Generationenwechsel? „Am eigenen Leib“ ist ganz klar das Stück der drei jungen Schauspielerinnen Lotta Bohde, Maren Seidel und Anaela Dörre, die als Ersatz für Bele Wollesen eingesprungen ist. Das gilt für Inhalt wie Form, auch wenn Theatergründerin Elisabeth Bohde Regie führt. „Am eigenen Leib“ ist ein radikal persönliches Stück des Trios, was allein schon dadurch deutlich wird, dass die drei Frauen sich selbst spielen und Fragmente ihrer tatsächlichen Biographien als Versatzstücke verwenden.

Es geht um die Selbstwahrnehmung junger Frauen, um Sinnkrisen, Körperlichkeit, Konkurrenz, Karriere, natürlich um gutes Aussehen und schicke Klamotten. Alles immer total subjektiv und emotional. Es ist kein Stück mit einem Plot, sondern eine Aneinanderreihung von Szenen und Effekten, leider nicht ohne Längen.

Clou des Stücks – und das macht es für Besucher spannend, die mit dem eigentlichen Thema nicht so viel anfangen können – ist die Einbeziehung digitaler Medien. Die Drei „filmen“ sich selbst und gegenseitig mit Tablet-Kameras, die Bilder werden auf den Vorhang geworfen und in das Spiel integriert. Das ist neu, raffiniert und spannend, wenn auch nicht immer sinnreich. „Am eigenen Leib“ ist nicht zuletzt ein Stück für Frauen, vor allem für junge Frauen.

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