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Unterkünfte in Flensburg : So plant die Stadt die Flüchtlingsdörfer

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Exe soll nur für zwei Jahre genutzt werden. Die großen Standorte in Weiche allerdings für ein Jahrzehnt.

Flensburg | Mehr als 600 Flüchtlinge hat die Stadt bislang in 110 Unterkünften untergebracht – diese Woche sind 33 neue gekommen, nächste werden noch einmal 28 erwartet. Und da die Zahlen zum Jahresende und darüber hinaus noch höher werden sollen, hat die Stadt sich von rein dezentraler Unterbringung mit höchstens zweistelligen Flüchtlingszahlen pro Standort verabschiedet.

In der mit 350 Interessierten vollbesetzen Bürgerhalle stellte die Stadt Donnerstagabend die genauen Pläne für den ersten großen Standort auf der Exe vor – maximal 320 Flüchtlinge sollen hier, begrenzt auch zwei Jahre, leben können. Das erste von zehn zweistöckigen, grünen Containerhäusern, die jeweils vier Wohnungen für acht Personen enthalten, steht bereits. Knapp 40 Quadratmeter groß ist so eine nagelneue, aber doch recht knapp bemessene Wohnung mit vier Etagenbetten, einer Mini-Küche mit zwei Tischen zu je vier Plätzen sowie einer Kleinstnasszelle mit Duschkabine, Toilette, Waschmaschine und -becken. Anfang Dezember sollen alle zehn Häuser bezugsfertig sein. Und: Das Hostel gegenüber werde weiter genutzt, um flexibel und kurzfristig Menschen aufnehmen zu können.

Die beiden weiteren großen Standorte in Weiche plant die Stadt dagegen etwas geräumiger und hochwertiger. Sie sollen dafür auch zehn Jahre genutzt werden: Am Friedensweg sollen ab Januar die ersten von 20 festen Holzrahmenhäusern für bis zu 550 Geflohene stehen, im Gewerbegebiet Sophienhof, am Ende der Graf-Zeppelin-Straße, weitere zwölf für maximal 380 Menschen. In jedem Haus können auf zwei Etagen bis zu 48 Flüchtlinge wohnen. Pro Wohnung gebe es drei Schlafräume für je vier Personen, die jeweils zwölf Quadratmeter groß seien. „Das sind sehr viele Menschen, das ist uns bewusst“, sagte Bürgermeister Henning Brüggemann. Der erste Bauabschnitt für maximal 140 Menschen plus Gemeinschaftshaus soll an beiden Standorten Mitte Januar bezugsfertig sein. „Wir wollen Flächen nutzen, die perspektivisch nicht Wohnflächen sind“, erklärte der Bürgermeister zur Standortentscheidung.

Jürgen Paulsen, einer der wenigen direkten Nachbarn der Gewerbefläche hinter dem früheren Motorola-Komplex, zeigte sich sprachlos von den Plänen: „Ich bin entsetzt, dass wir nicht mehr 20 sind, sondern 20 plus 380.“ Hier gebe es weder Schule noch Einkaufsmöglichkeit. Seine Bitte: „Vielleicht können Sie die Zahl der neuen Nachbarn ja wenigstens reduzieren“, bat er. Uta Weinerdt-Höfer vom Einwanderungsbüro wollte ihn da keine Hoffnungen machen: „Reduzieren werden wir die Zahl wohl nicht können.“ Der Stadt erwartet allein bis Jahresende noch 750 Flüchtlinge – und wenig spricht dafür, dass die Situation im neuen Jahr sich entspannt. Michael Draeger von den Kommunalen Immobilien erklärte, die Flüchtlingssiedlungen in Weiche seien vertraglich auf zehn Jahre angelegt und sollten dann wieder abgebaut werden.

Klar wurde: Viele betroffene Nachbarn am Friedensweg, Nikolaiallee oder der Sophienhofsiedlung machen sich Sorgen um ihre Immobilienpreise. Eine Wertminderung um mindestens 20 Prozent befürchtet auch eine Anwohnerin er Klaus-Groth-Straße an der Exe. Und ein Hausbesitzer am Friedensweg beklagt, er könne seine gerade freiwerdende Wohnung nun nicht mehr vermieten.

Auch für die Stadt wird die Flüchtlingsunterbringung teuer. Kämmerer Brüggemann rechnet allein für 2016 mit 5,2 Millionen Euro zusätzlich.

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erstellt am 18.Okt.2015 | 09:00 Uhr

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