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Harniskai und Ostseebad : Skurriler Akustik-Konflikt in Flensburg: Jazz contra Fußball

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Public Viewing an der Harniskaispitze könnte das Midtsommer-Jazzfest am Ostseebad zu Fall bringen. Die Veranstalter führen Klärungsgespräche.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2016 | 07:20 Uhr

Flensburg | Wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der Europa-Meisterschaft in Frankreich Sieger ihrer Vorrundengruppe C wird, könnte es am Sonntag, 26. Juni, 18 Uhr, in Flensburg zu einem Konflikt zwischen Fußball-Fans und Jazz-Freunden kommen. Dann nämlich würde Deutschland im Achtelfinale gegen den Dritten der Gruppe A, B oder F antreten, und dieses Spiel würde nach bisheriger Planung an der Harniskaispitze open air auf einer LED-Wand gezeigt – vor möglicherweise über 4000 Zuschauern. Gleichzeitig läuft am Ostseebad-Strand auf der anderen Seite der Förde das eintägige Festival „Midtsommerjazz“. Die Grünen in der Ratsversammlung befürchten jetzt, dass Public Viewing an der Harniskaispitze akustisch unverträglich ist mit dem Strandjazz in 1300 Meter Luftlinie Entfernung.

Dieser mögliche Konflikt sorgte jetzt für eine Diskussion im Umwelt- und Planungsausschuss, der am Dienstag eigentlich das Public Viewing absegnen sollte. In einem Zusatzantrag forderten die Grünen, die Stadt möge sicher stellen, dass es zu keiner akustischen Beeinträchtigung kommt. Am besten sei es, wenn an besagtem Sonntag die Fußballübertragung an die Hafenspitze verlagert würde. „Das Jazz-Festival braucht Planungssicherheit“, betonte Pelle Hansen, Ratsherr der Grünen, „die Veranstalter sagen es sonst ab.“

Midtsommerjazz hat sich in acht Jahren zu einem kleinen, aber feinen Jazzfest direkt am Strand entwickelt, das für die ganze Familie geeignet ist und nachmittags sowie am frühen Abend läuft – immer am ersten Sonntag nach Mittsommer. Im letzten Jahr kamen rund 500 Besucher, es ist besonders für das Stadtviertel im Norden von wachsender Bedeutung. Gespielt wird in einem Zelt, zwar mit Verstärkeranlage, aber nicht übermäßig laut.

Die beiden Veranstaltungsorte liegen sich nicht direkt gegenüber; Ostseebad ist etwas weiter nördlich als die Harniskaispitze. Zwischen beiden Plätzen liegt die Werft mit ihrer großen Halle. Doch die funktioniert offenbar nicht zuverlässig als Schallwand, wie Lothar Baur, Veranstalter des Jazzfestes, erklärt. Als die Luftschlossfabrikanten hin und wieder Open-Air-Konzerte veranstalteten, sei das am Ostseebad gut zu hören gewesen. „Es hängt sehr stark vom Wind ab.“ Und über dem Wasser breite sich der Schall in alle Richtungen aus. Der Termin des Festivals stehe seit langem fest und sei bekannt gewesen. „Wir arrangieren uns ja immer mit Sport-Großereignissen“, so Baur, „aber die Übertragungen waren bisher immer in der Innenstadt. Darum sind wir hier in den Norden gegangen.“

Peter Thomsen hingegen, der mit Förde Show Concept das Public Viewing veranstaltet, sieht keine Ausweichmöglichkeit. Auch rechne sich das Projekt nur, wenn er alle deutschen Spiele zeigen könne. Die modernen Lautsprecher könne man zwar sehr genau ausrichten. Doch bei starkem Wind sei nicht ausgeschlossen, dass Schall über die Förde schwappt.

Die Grünen stießen mit ihrem Vorstoß auf Verständnis, bekamen aber keine Mehrheit. Stattdessen einigte man sich auf einen Kompromiss: Die Verwaltung möge die beiden Veranstalter zu einem Gespräch zusammen bringen. Das hat es am Mittwoch tatsächlich gegeben – ohne konkretes Ergebnis, so Lothar Baur. Jetzt überlege man, das Programm vorzuziehen, um vor Spielbeginn fertig zu sein, das Fest an einen anderen Ort zu verlagern oder es ganz abzusagen. Für heute ist ein weiteres Gespräch geplant.

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