Kunst in Flensburg : Skandinavische Landstriche auf Zink

Letzter Strich: Kurz vor der Eröffnung gestern legt Peter Kruse nochmal Hand an die Wand in seiner Galerie Kruse in Flensburgs Roter Straße, in der drei Wochen lang Ken Denning ausstellt.
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Letzter Strich: Kurz vor der Eröffnung gestern legt Peter Kruse nochmal Hand an die Wand in seiner Galerie Kruse in Flensburgs Roter Straße, in der drei Wochen lang Ken Denning ausstellt.

Drei Wochen lang stellt der Däne Ken Denning in der Galerie Kruse in Flensburg aus.

shz.de von
25. März 2017, 12:08 Uhr

Noch bevor gestern die Ausstellung in der Galerie Kruse eröffnet hat, sahen sich schon ein paar Besucher um. „Ich genieße das“, sagt eine Landsfrau des Künstlers Ken Denning und lächelt ganz seelig. Ein anderer Gast kann seinen Blick kaum von den quadratischen Öl-auf-Zink-Bildern wenden. „Das senkt den Blutdruck“, spricht er ihnen medizinische Wirkung zu.

Das ist wohl typisch Denning: Der saniert sein Haus, dabei fallen Zinkplatten an, und er nutzt sie sogleich für seine Annäherungsversuche an Landschaften. „Eine tolle Entwicklung“, sagt Galerist Peter Kruse über Material und Methode und lenkt den Blick auf die Wirkungen im Bild, wenn Tageslicht darauf fällt.

Der Däne Ken Denning, geboren 1957 in Sonderburg, ist bekannt und bescheiden. „Wenn ich male, stelle ich Fragen. Nicht der Antwort wegen. Die Frage reicht aus und ist viel interessanter“, so heißt ein Gedanke des Künstlers im Katalog „Undervejs – Im Gange“ zur Ausstellung. „Unterwegs“ hat Kruse als Titel gewählt.

Zu seinem Haus in der Nähe von Kolding hat sich Denning einen alten, grauen Traktor gekauft. Den hat man hier so auf dem Land. Wenn ihm danach ist, knattert er zum Strand, mit Kaffee und Pfeife in der Hand. Mittels seiner Techniken ergründet Ken Denning die Landschaften im Norden. Peter Kruse erkennt im Reduzierten, im Skandinavischen Parallelen zum dänischen Design. Der Assoziationen gibt es viele, die seine Gemälde, Grafiken und Zeichnungen auslösen. Notenlinien, explodierende Horizonte, antike Hauswände, Schwalben auf Hochseilen, Nägel im Schnee, ein Großformat erinnert an eine Tafel, die jemand mit Kreide verziert hat. Dennings Bilder „sind immer Erzählversuche“, sagt der Galerist und zitiert den Künstler, in dessen Bildern, so sagt der selbst, es keine Wahrheiten gibt: „Meine Bilder sind fertig, wenn sie es nicht sind.“ Musik gibt es hingegen – beim Arbeiten und in den Landschaften, wenn er sich darin bewegt. „Partitur der Landschaft“, nennt er das.

Ken Dennings Kunst ist wie gemacht für die Galerie Kruse. Schwarze Balken, weiße Wände mit Struktur, Winkel, gerade Linien. Das verträgt sich. Der Galerist erklärt, er habe versucht, Ruhe in die Räume zu bekommen, „Ruhe wie im Museum. Und er ergänzt, er sei nichts ohne seine Frau Wiebke. Sie habe einfach diesen Blick für Räume. So hängen kleine Dennings im Korridor auf Kniehöhe, damit sie die hinten treppab nicht stören. Eine ehemals schwarze Wand erinnert nun an sahnigen Himbeerjoghurt. Darin schwimmen große Dennings. Sehr geschmackvoll. Und aus medizinischer Sicht unbedenklich.


„Unterwegs“, Ken Denning, Galerie Kruse, Rote Straße 22-24, Flensburg, geöffnet Di-Fr 10 bis 13 Uhr, 14 bis 18 Uhr, Sa 10-14 Uhr.

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