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Flensburger Tageblatt

17. Oktober 2017 | 21:32 Uhr

Therapie : Sir Henrys heilsame Wirkung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hippotherapeutin Jutta Pfeiffer arbeitet seit fast 20 Jahren mit ihrem irischen Tinker und unter anderem Kindern mit Förderbedarf zusammen

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2014 | 12:13 Uhr

Mailin strahlt beinahe pausenlos. Das fünf Jahre alte Mädchen mit den blonden Locken scheint keine Angst zu haben hoch oben auf dem Pferderücken. Mit seinen braunen Augen beobachtet es aufmerksam und interessiert, was geschieht. „Mailin, kannst Du mal den Pferdehals streicheln?“ Die Kleine tätschelt den irischen Tinker (auch: Irish Cob) namens Sir Henry. „Kann Deine rechte Hand auch mal streicheln?“, fragt Jutta Pfeiffer. Mailin nimmt mit ihrer linken die rechte Hand und setzt den Wunsch der Hippotherapeutin beidhändig um.

Anders geht es nicht; die Kleine sei halbseitig gelähmt, erklärt Jutta Pfeiffer. Auf dem Pferderücken scheint davon keine Spur zu sein. Schon beim dritten Mal im Sattel des Sir Henry traut sich das Mädchen, sich für ein paar Momente gar nicht festzuhalten. Und auch das Kommando fürs Anhalten kennt Mailin sofort, und es erinnert an ein fröhliches Prusten.

Seit Sir Henry fünf Jahre alt ist, arbeitet er als Therapiepferd, sagt Jutta Pfeiffer. Inzwischen ist er 19 und diese Aufgabe sein Leben. „Wenn er seine Kinder sieht, ist er ganz ruhig“, sagt Pfeiffer. Die 52-jährige Physiotherapeutin und Hippotherapeutin (Deutsches Kuratorium für therapeutisches Reiten e.V. – DKThR) ist ebenso erfahren und sattelt derzeit sogar eine Zusatzausbildung in Osteopathie auf.

Irish Cobs seien ursprünglich Zigeunerpferde landloser Iren gewesen, erklärt sie. Insbesondere das ruhige Gemüt zeichne die Arbeitspferde aus. Für die Hippo-Therapie, worunter krankengymnastische Einzelbehandlungen verstanden werden, eignen sich die großen und gutmütigen Tiere damit besonders gut. Bei Einzeltherapien habe sie stets einen Pferdeführer dabei, sagt Pfeiffer, und sie konzentriere sich immer auf jedes einzelne Kind und jeden einzelnen Erwachsenen. Mittels Hippo-Therapie werden Gleichgewichts- oder zerebrale Bewegungsstörungen ebenso behandelt wie neurologische Erkrankungen. Dem menschlichen Bewegungsapparat tun die dreidimensionalen Schwingungsimpulse des Pferderückens gut, der Seele die Vertrautheit mit dem Pferd.

Jutta Pfeiffer kennt Patienten mit multipler Sklerose, die nach einer Therapie-Einheit zumindest für einen Zeitraum besser laufen können und länger beweglich bleiben. „Man muss die eigene Wirbelsäule auf der Wirbelsäule des Pferdes ausbalancieren“, erläutert sie einen positiven Effekt.

„Durch die Bewegungen des Pferdes verbinden und verzweigen sich die Synapsen im Gehirn, was sich positiv auf die gesamte weitere Entwicklung auswirkt“, erklärt Frauke Kruse, Heilpädagogin von Adelby 1. Durch das sich Einlassen auf Rhythmus und die Bewegungen des Pferdes entstehe ein Wechsel zwischen An- und Entspannung der Muskeln, Sehnen und Gelenke, weiß Kruse.

Fast so lange wie Jutta Pfeiffer die Hippo-Therapie anbietet, arbeitet Adelby 1 mit der Therapeutin zusammen. In einer der Kindertagesstätten, der Kita Adelby, nehmen 17 Kinder mit Förderbedarf aktuell das Angebot wahr. Finanziert wird es durch Spenden. Gerade hat der Lions-Club Alexandra 1200 Euro zur Verfügung gestellt, um es zu ermöglichen.

Sir Henry hat schon wahre Wunder bewirkt. Heilpädagogin Frauke Kruse beschreibt Elaine, Carlotta und Frieda als schwer beeinträchtigte Kinder mit Pflegestufe zwei und drei. „Durch die Hippo-Therapie haben sie motorisch so viele Fortschritte gemacht, dass zwei Kinder selbstständiges freies Laufen gelernt haben in Kombination mit ihren anderen Therapien.“ Carlotta könne jetzt durch die regelmäßigen Einheiten auf dem Pferd aufrecht sitzen und sich selbst an den Griffen festhalten.

 

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